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Samstag, 31 Oktober 2026 00:12

Hittisau: Eine Kirche zwischen Kunst, Geschichte und Weltpolitik

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Pfarre Hittisau Pfarre zu den hll. Drei Königen. Foto: CulturaLatina

Was haben Winston Churchill, ein ungewöhnliches Testament und eine historische Orgel gemeinsam? Die Antwort findet sich in der Pfarrkirche zu den Heiligen Drei Königen in Hittisau, einem bemerkenswerten Ort voller Kunst, Geschichte und überraschender Geschichten.

Im Herzen des Bregenzerwaldes, umgeben von der beeindruckenden Berglandschaft Vorarlbergs, liegt die malerische Gemeinde Hittisau. Hier befindet sich ein bemerkenswertes Zeugnis regionaler Geschichte und sakraler Kunst: die Pfarrkirche zu den Heiligen Drei Königen.

Bei unserem Besuch hatten wir die Gelegenheit, das Innere dieser historischen Kirche zu entdecken. Besonders beeindruckend sind der Hochaltar, die kunstvolle Kanzel und die prachtvollen Deckengemälde, die dem großzügigen Kirchenraum eine besondere Atmosphäre verleihen.

Doch hinter der Schönheit dieses Gotteshauses verbergen sich Geschichten, die weit über seine religiöse Bedeutung hinausgehen. Eine davon führt sogar mitten in die politische Geschichte des Zweiten Weltkriegs.

Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich
Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich
Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich
Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich
Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich
Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich

Eine Kirche mit jahrhundertealter Geschichte

Die religiösen Wurzeln von Hittisau reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Bereits damals gab es eine kleine Kapelle, die dem heiligen Wolfgang geweiht war.

Die heutige Pfarrkirche wurde zwischen 1843 und 1845 errichtet. Ihre Entstehung ist eng mit dem Priester Josef Schnell verbunden, dessen Vermächtnis den Bau eines neuen Gotteshauses entscheidend ermöglichte.

Bis heute ist die Kirche ein wichtiger Bestandteil des kulturellen und religiösen Lebens der Gemeinde und zugleich ein eindrucksvolles Beispiel sakraler Architektur des 19. Jahrhunderts.

Winston Churchill im Jüngsten Gericht

Eine der bemerkenswertesten Besonderheiten befindet sich hoch oben an der Decke des Kirchenschiffs.

Das monumentale Deckengemälde wurde 1941 von Waldemar Kolmsperger geschaffen und zeigt das Jüngste Gericht. Ein zentrales Motiv der christlichen Kunst, das die Vorstellung vom göttlichen Urteil über die Menschheit darstellt.

Unter den dargestellten Verdammten soll sich auch der damalige britische Premierminister Winston Churchill befinden. Die Figur mit einem Geldsack wird in diesem Zusammenhang als Ausdruck der nationalsozialistischen Propaganda während des Zweiten Weltkriegs interpretiert.

Diese ungewöhnliche Darstellung macht das Gemälde zu einem besonders interessanten zeitgeschichtlichen Zeugnis. Sie erinnert daran, wie politische Ideologien selbst in religiöse Kunstwerke Eingang finden konnten.

Wer die Kirche besucht, sollte deshalb unbedingt einen Blick nach oben werfen: Das Deckengemälde erzählt nicht nur eine biblische Geschichte, sondern spiegelt auch die Spannungen seiner Entstehungszeit wider.

Ein Testament mit einer ungewöhnlichen Bedingung

Auch die Entstehung der heutigen Kirche ist mit einer außergewöhnlichen Geschichte verbunden.

Der 1838 verstorbene Priester Josef Schnell hinterließ sein Vermögen für den Neubau einer Kirche. Allerdings war dieses Vermächtnis an eine klare Bedingung geknüpft: Innerhalb von fünf Jahren nach seinem Tod musste mit dem Bau begonnen werden.

Für die Gemeinde bedeutete dies eine besondere Herausforderung. Die Verantwortlichen mussten rechtzeitig handeln, um die finanziellen Mittel für das neue Gotteshaus nutzen zu können.

Die Hittisauer schafften es, die Bedingung zu erfüllen. Zwischen 1843 und 1845 entstand die heutige Pfarrkirche, die seither das Ortsbild prägt.

So verdankt Hittisau eines seiner bedeutendsten Bauwerke nicht nur dem Glauben und dem Engagement seiner Bevölkerung, sondern auch einem Testament mit einer bemerkenswerten Frist.

Lichtdurchfluteter Kirchenraum

Schon beim Betreten der Pfarrkirche fällt die beeindruckende Größe des Innenraums auf.

Mit einer Länge von rund 46 Metern, einer Breite von über 20 Metern und einem etwa 57 Meter hohen Turm besitzt die Kirche für eine kleine Gemeinde im Bregenzerwald außergewöhnliche Dimensionen.

Die hohen Fenster lassen viel Tageslicht in das Kirchenschiff und unterstreichen die großzügige Raumwirkung.

Die harmonische Verbindung von Architektur, Licht und künstlerischer Ausstattung schafft eine Atmosphäre, die sowohl zur stillen Betrachtung als auch zur Entdeckung kunsthistorischer Details einlädt.

Kunstvolle Altäre und eine prächtige Kanzel

Zu den schönsten Kunstwerken der Kirche gehört das Hochaltarbild, das 1852 von Josef Bucher geschaffen wurde.

Es zeigt die Anbetung des Jesuskindes durch die Weisen aus dem Morgenland und nimmt damit unmittelbar Bezug auf das Patrozinium der Kirche, die den Heiligen Drei Königen geweiht ist.

Auch die reich verzierte Kanzel verdient besondere Aufmerksamkeit. Ihre dunkle Farbgestaltung, die vergoldeten Ornamente und die religiösen Figuren verleihen ihr einen eindrucksvollen Charakter.

Die Kanzel erinnert an jene Zeit, in der Predigten von einem erhöhten Standort aus gehalten wurden, damit die Gläubigen den Worten des Priesters besser folgen konnten.

Heute ist sie zugleich ein wertvolles Zeugnis der sakralen Kunst und des traditionellen Kunsthandwerks.

Instrument mit besonderem Klang

Ein weiterer Schatz befindet sich auf der Orgelempore: die historische Orgel des Orgelbauers Alois Schönach, die zwischen 1867 und 1869 entstand.

Das Instrument verfügt über 21 Register, von denen elf vollständig aus Holzpfeifen bestehen.

Diese Besonderheit trägt zur charakteristischen Klangfarbe der Orgel bei und macht sie zu einem bemerkenswerten Beispiel des historischen Orgelbaus in Vorarlberg.

Bei unserem Besuch konnten wir die eindrucksvollen Deckengemälde, die kunstvolle Kanzel, den Hochaltar, die farbenprächtigen Kirchenfenster und die besondere Atmosphäre des Innenraums kennenlernen.

In der Pfarrkirche zu den Heiligen Drei Königen begegnen sich Kunstgeschichte, Architektur, Musik, persönliche Schicksale und sogar die politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts.

Für Besucherinnen und Besucher, die Österreich abseits der bekannten touristischen Ziele entdecken möchten, ist Hittisau deshalb ein besonders lohnendes Reiseziel.

Mit Cultura Latina möchten wir solche Orte und ihre Geschichten sichtbar machen. Als Einladung, die kulturelle Vielfalt und das historische Erbe Österreichs aus einer neuen Perspektive kennenzulernen.

Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich
Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich
Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen.
Winston Churchill im Deckengemälde der Pfarrkirche Hittisau: Die Figur mit dem Geldsack wird als Darstellung des britischen Premierministers interpretiert. Foto: Reinhard Müller. Wikimedia Commons /CC BY-SA 3.0. 2014.
Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich
Pfarre Hittisau zu den Heiligen Drei Königen. Foto: CulturaLatina & Österreich

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Pfarre Hittisau
Pfarre zu den hll. Drei Königen 
www.kath-kirche-vorarlberg.at 

 

Letzte Änderung am Samstag, 31 Oktober 2026 01:28
Redaktion

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