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Sonntag, 04 Oktober 2026 07:36

Spanien und die EU: 40 Jahre Wandel, Integration und neue Perspektiven

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Aurora Mejía, Botschafterin Spaniens in Österreich, und Stefan Veigl, Außenpolitik-Redakteur der Salzburger Nachrichten. Foto: CulturaLatina Foto: CulturaLatina

Anlässlich des 22.º Salzburg Europe Summit, der unter dem Motto „Europa: Ein Global Player?“ stand, diskutierten Aurora Mejía, Botschafterin Spaniens in Österreich, und Stefan Veigl, Außenpolitik-Redakteur der Salzburger Nachrichten, über 40 Jahre spanische EU-Mitgliedschaft.

Franz Schausberger, Präsident des Instituts der Regionen Europas (IRE), eröffnete die Gesprächsrunde. In seinen einleitenden Worten betonte er die Bedeutung von Subsidiarität und Dezentralisierung sowie die zentrale Rolle starker Regionen für Europa.

Von der Demokratie nach Europa

Zu Beginn richtete sich der Blick auf Spanien im Jahr 1986, als das Land den damaligen Europäischen Gemeinschaften beitrat. Mejía betonte, dass Spanien zu diesem Zeitpunkt bereits eine gefestigte Demokratie gewesen sei. Entscheidende Wegmarken seien die Verfassung von 1978 und der Regierungsantritt der Sozialisten im Jahr 1982 gewesen.

Der Beitritt zu Europa habe diese demokratische Entwicklung zusätzlich gestärkt. Heute, vier Jahrzehnte später, setze sich Spanien für eine weitere Vertiefung der europäischen Integration ein, insbesondere für eine stärkere gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie für Multilateralismus und die Achtung des Völkerrechts.

Der Weg in die Europäischen Gemeinschaften sei allerdings nicht ohne Hürden verlaufen. Vor allem im Agrarsektor habe Spanien schwierige Verhandlungen führen und zugleich Teile seiner Industrie umfassend reformieren müssen. Dennoch sei die Zustimmung zum europäischen Projekt groß gewesen: Nach Jahrzehnten der Diktatur habe Europa für viele Spanier auch für politische Öffnung und eine neue Zukunft gestanden.

Mejía erinnerte zudem an die Rolle von König Juan Carlos I. und Ministerpräsident Felipe González auf Spaniens Weg nach Europa. González habe dabei enge Kontakte zu führenden europäischen Sozialdemokraten gepflegt, darunter Bruno Kreisky und Willy Brandt.

Wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel

Mejía verwies auf den tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel, den Spanien in den vergangenen vier Jahrzehnten erlebt habe. Beim Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften habe das Pro-Kopf-Einkommen bei rund 72 Prozent des europäischen Durchschnitts gelegen, heute seien es annähernd 90 Prozent. Als weitere Zeichen dieser Entwicklung nannte sie den Ausbau des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes, ausländische Investitionen und die gestiegene Lebenserwartung.

Auch gesellschaftlich habe sich das Land stark verändert. Besonders hob die Botschafterin die wachsende Präsenz von Frauen in den Streitkräften, im Parlament und in Führungspositionen von Unternehmen hervor. Hinzu kämen der Tourismus und das Erasmus-Programm: Spanien empfängt jedes Jahr Millionen internationale Gäste und zählt zugleich zu den beliebtesten Zielen für Erasmus-Studierende.

Spanien, die Regionen und die Erweiterun g Europas

Auch Spaniens territoriale Gliederung war Thema des Gesprächs. Mejía verwies auf das System der Autonomen Gemeinschaften und die weitreichenden Kompetenzen der spanischen Regionen – ein Aspekt, der unmittelbar an die Arbeit des Instituts der Regionen Europas (IRE) anknüpft.

Zum Abschluss sprach sich die Botschafterin für eine Erweiterung der Europäischen Union um die Länder des Westbalkans und die Ukraine aus. Dabei verwies sie auf den Gedanken der Solidarität: Auch Spanien sei auf seinem Weg in die europäischen Strukturen auf Unterstützung angewiesen gewesen. Zugleich müssten die Beitrittskandidaten die notwendigen Reformen auf dem Weg zur Mitgliedschaft umsetzen.

Für Mejía ist ein Spanien außerhalb der Europäischen Union, ohne den Euro oder außerhalb des Schengen-Raums heute nur schwer vorstellbar. Ihr Fazit in Salzburg zeichnete das Bild eines Landes, das in den vergangenen vier Jahrzehnten stark von der europäischen Integration geprägt wurde und heute selbst aktiv an der weiteren Entwicklung Europas mitwirken will.

 

María Mejía, embajadora de España en Austria, junto a Krystyna Schreiber, delegada del Gobierno de Cataluña para Europa Central, con la publicación conmemorativa Diàlegs de Catalunya amb Europa: 40 anys construint futur. Foto: CulturaLatina
Aurora Mejía, Botschafterin Spaniens in Österreich, und Krystyna Schreiber, Delegierte der katalanischen Regierung für Mitteleuropa, mit der Jubiläumspublikation „Diàlegs de Catalunya amb Europa: 40 anys construint futur“. Foto: CulturaLatina

Katalonien: Europa nah an den Bürgern

Anschließend stand die katalanische Perspektive im Fokus. Krystyna Schreiber, Delegierte der katalanischen Regierung für Mitteleuropa, zog eine positive Bilanz der europäischen Integration. Sie habe Katalonien neue Chancen für wirtschaftliche Entwicklung, Forschung, Mobilität und grenzüberschreitende Zusammenarbeit eröffnet. Besonders sichtbar werde Europa im Alltag durch Programme wie Erasmus und die enge Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Frankreich.

Für Schreiber beginnt Europa vor Ort, in den Regionen, Städten und Gemeinden. Dort werde europäische Politik für die Menschen unmittelbar sichtbar und erlebbar. Botschafterin Aurora Mejía knüpfte daran an und verwies auf die starke Stellung von Regionen wie Katalonien, dem Baskenland und Galicien. Auch ihre Sprachen sollen stärker in Europa vertreten sein: Spanien setzt sich dafür ein, Katalanisch, Baskisch und Galicisch als EU-Amtssprachen anzuerkennen.

Zum Abschluss bekam der europäische Austausch eine kulinarische Note. Bei Tapas, Paella, Desserts und katalanischen Weinen klang der Abend in geselliger Atmosphäre aus.

 

Letzte Änderung am Dienstag, 06 Oktober 2026 15:55
Redaktion

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