Christiner, Chef des Stabes und stellvertretender Leiter der Direktion 1, eröffnete die Veranstaltung und würdigte die seit 2013 bestehende Zusammenarbeit zwischen dem Österreichischen Bundesheer und PaN (Dachverband aller österreichisch-ausländischen Gesellschaften) sowie Österreichs internationale Einsätze, insbesondere im Kosovo und in Bosnien und Herzegowina.
Europa in einer neuen Sicherheitslage
Generalmajor Mag. Ronald Vartok vom Bundesministerium für Landesverteidigung warnte, die regelbasierte internationale Ordnung werde zunehmend von machtpolitischen Interessen verdrängt. Der Krieg in der Ukraine, die Spannungen im Nahen Osten und die Rivalität zwischen den USA und China verdeutlichten diesen Wandel.
Europa befinde sich bereits in einem hybriden Krieg, erklärte Vartok. Cyberangriffe, Desinformation und die Ausspähung kritischer Infrastruktur seien Teil dieser Bedrohung.
Die Ukraine verschafft Europa Zeit
Der Ausgang des Ukrainekrieges bleibe offen und hänge wesentlich von der westlichen Unterstützung ab, so Vartok. Auch mögliche Sicherheitsgarantien nach einem Waffenstillstand seien ohne die USA nur eingeschränkt umsetzbar.
Christiner betonte, die Ukraine „verschaffe Europa Zeit“. Diese müsse genutzt werden, um verlorene militärische Fähigkeiten wiederaufzubauen, insbesondere beim strategischen Transport und bei der raschen Verlegung von Truppen. Militärische Einschätzungen gingen davon aus, dass Russland gegen Ende des Jahrzehnts oder Anfang der 2030er-Jahre erneut andere europäische Staaten bedrohen könnte. Dabei handle es sich um Planungsszenarien, nicht um unausweichliche Angriffe.
Trump und Europas Verteidigungsfähigkeit
Vartok kritisierte die Unberechenbarkeit der US-Außenpolitik unter Donald Trump, gab ihm jedoch in einem Punkt recht: Europa müsse nach Jahrzehnten militärischer Abhängigkeit von Washington mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen. Dazu gehöre der Ausbau der europäischen Verteidigungsindustrie ebenso wie die Stärkung der Luftverteidigung, der Cybersicherheit, der Weltraumtechnologie und der Drohnenabwehr. Für Österreich sei die Europäische Union der wichtigste sicherheits- und verteidigungspolitische Handlungsrahmen.
Die Straße von Malakka und die Düngemittel aus dem Iran
Vartok verwies auf die Störungen des Schiffsverkehrs im Roten Meer und warnte vor den weitreichenden Folgen einer möglichen Blockade der Straße von Malakka, einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Christiner griff das Beispiel auf und erläuterte die wirtschaftlichen Risiken eines Konflikts um Taiwan.
Auf eine weitere, oft übersehene Abhängigkeit machte Christiner mit Blick auf den Iran aufmerksam: Neben Erdöl und Erdgas exportiert das Land auch Düngemittel, die für die Landwirtschaft in weiten Teilen Asiens und Afrikas von Bedeutung sind. Lieferausfälle könnten dort in den kommenden Jahren erhebliche Folgen für die Nahrungsmittelproduktion haben.
PaN-Persönlichkeitspreis für Gerhard Christiner
PaN-Präsident Univ.-Prof. Dr. Hermann Mückler überreichte Generalmajor Gerhard Christiner den PaN-Persönlichkeitspreis 2026. Mit der einstimmig beschlossenen Auszeichnung würdigte PaN dessen Verdienste um die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesheer und den österreichisch-ausländischen Freundschaftsgesellschaften.
Besonders hob Mückler Christiners Engagement für die geistige Landesverteidigung hervor. Eine informierte Bevölkerung und eine aktive Zivilgesellschaft seien wesentlich, um Manipulation und Bedrohungen entgegenzuwirken. Dazu gehöre auch der Austausch über kulturelle, sprachliche und religiöse Grenzen hinweg.
Martin Dorfer: Russland nutzt Europas Schwächen
Den Abschluss bildete die Rede von Generalleutnant Martin Dorfer, Leiter der Direktion 1 und Vorgesetzter Christiners, der sich für die Auszeichnung bedankte.
Dorfer schloss die Veranstaltung mit drei Überlegungen: Russland versuche, Europas Schwächen und Spaltungen gezielt auszunutzen; parteipolitische Auseinandersetzungen in Österreich, insbesondere um die Wehrdienstreform, erschwerten grundlegende sicherheitspolitische Entscheidungen; und das Bundesheer müsse seine Modernisierung vorantreiben, die konventionelle Verteidigungsfähigkeit stärken und neue Technologien nutzen.
Einen zuversichtlichen Akzent hatte Christiner bei der Preisverleihung gesetzt: Trotz aller Bedrohungen dürfe der Optimismus nicht verloren gehen. Frieden zu bewahren sei nicht allein Aufgabe von Militär und Politik, sondern eine gemeinsame Verantwortung der gesamten Gesellschaft.