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Freitag, 16 Oktober 2026 00:37

Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf dem Prüfstand in Wien: „Europa befindet sich bereits in einem hybriden Krieg“

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„Die Stärke des Rechts wird durch das Recht des Stärkeren abgelöst.“ Mit dieser Warnung beschrieb Generalmajor Mag. Ronald Vartok die veränderte internationale Sicherheitslage bei der Veranstaltung Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf dem Prüfstein in der Maria-Theresien-Kaserne in Wien. Er sprach über den Ukrainekrieg, die Politik von Donald Trump, die russische Bedrohung und die Herausforderungen für Europas Verteidigung. Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem Generalmajor Mag. Gerhard Christiner mit dem PaN-Persönlichkeitspreis 2026 ausgezeichnet.

Christiner, Chef des Stabes und stellvertretender Leiter der Direktion 1, eröffnete die Veranstaltung und würdigte die seit 2013 bestehende Zusammenarbeit zwischen dem Österreichischen Bundesheer und PaN (Dachverband aller österreichisch-ausländischen Gesellschaften) sowie Österreichs internationale Einsätze, insbesondere im Kosovo und in Bosnien und Herzegowina.

Europa in einer neuen Sicherheitslage

Generalmajor Mag. Ronald Vartok vom Bundesministerium für Landesverteidigung warnte, die regelbasierte internationale Ordnung werde zunehmend von machtpolitischen Interessen verdrängt. Der Krieg in der Ukraine, die Spannungen im Nahen Osten und die Rivalität zwischen den USA und China verdeutlichten diesen Wandel.

Europa befinde sich bereits in einem hybriden Krieg, erklärte Vartok. Cyberangriffe, Desinformation und die Ausspähung kritischer Infrastruktur seien Teil dieser Bedrohung.

Die Ukraine verschafft Europa Zeit

Der Ausgang des Ukrainekrieges bleibe offen und hänge wesentlich von der westlichen Unterstützung ab, so Vartok. Auch mögliche Sicherheitsgarantien nach einem Waffenstillstand seien ohne die USA nur eingeschränkt umsetzbar.

Christiner betonte, die Ukraine „verschaffe Europa Zeit“. Diese müsse genutzt werden, um verlorene militärische Fähigkeiten wiederaufzubauen, insbesondere beim strategischen Transport und bei der raschen Verlegung von Truppen. Militärische Einschätzungen gingen davon aus, dass Russland gegen Ende des Jahrzehnts oder Anfang der 2030er-Jahre erneut andere europäische Staaten bedrohen könnte. Dabei handle es sich um Planungsszenarien, nicht um unausweichliche Angriffe.

Trump und Europas Verteidigungsfähigkeit

Vartok kritisierte die Unberechenbarkeit der US-Außenpolitik unter Donald Trump, gab ihm jedoch in einem Punkt recht: Europa müsse nach Jahrzehnten militärischer Abhängigkeit von Washington mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen. Dazu gehöre der Ausbau der europäischen Verteidigungsindustrie ebenso wie die Stärkung der Luftverteidigung, der Cybersicherheit, der Weltraumtechnologie und der Drohnenabwehr. Für Österreich sei die Europäische Union der wichtigste sicherheits- und verteidigungspolitische Handlungsrahmen.

Die Straße von Malakka und die Düngemittel aus dem Iran

Vartok verwies auf die Störungen des Schiffsverkehrs im Roten Meer und warnte vor den weitreichenden Folgen einer möglichen Blockade der Straße von Malakka, einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Christiner griff das Beispiel auf und erläuterte die wirtschaftlichen Risiken eines Konflikts um Taiwan.

Auf eine weitere, oft übersehene Abhängigkeit machte Christiner mit Blick auf den Iran aufmerksam: Neben Erdöl und Erdgas exportiert das Land auch Düngemittel, die für die Landwirtschaft in weiten Teilen Asiens und Afrikas von Bedeutung sind. Lieferausfälle könnten dort in den kommenden Jahren erhebliche Folgen für die Nahrungsmittelproduktion haben.

PaN-Persönlichkeitspreis für Gerhard Christiner

PaN-Präsident Univ.-Prof. Dr. Hermann Mückler überreichte Generalmajor Gerhard Christiner den PaN-Persönlichkeitspreis 2026. Mit der einstimmig beschlossenen Auszeichnung würdigte PaN dessen Verdienste um die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesheer und den österreichisch-ausländischen Freundschaftsgesellschaften.

Besonders hob Mückler Christiners Engagement für die geistige Landesverteidigung hervor. Eine informierte Bevölkerung und eine aktive Zivilgesellschaft seien wesentlich, um Manipulation und Bedrohungen entgegenzuwirken. Dazu gehöre auch der Austausch über kulturelle, sprachliche und religiöse Grenzen hinweg.

Martin Dorfer: Russland nutzt Europas Schwächen

Den Abschluss bildete die Rede von Generalleutnant Martin Dorfer, Leiter der Direktion 1 und Vorgesetzter Christiners, der sich für die Auszeichnung bedankte.

Dorfer schloss die Veranstaltung mit drei Überlegungen: Russland versuche, Europas Schwächen und Spaltungen gezielt auszunutzen; parteipolitische Auseinandersetzungen in Österreich, insbesondere um die Wehrdienstreform, erschwerten grundlegende sicherheitspolitische Entscheidungen; und das Bundesheer müsse seine Modernisierung vorantreiben, die konventionelle Verteidigungsfähigkeit stärken und neue Technologien nutzen.

Einen zuversichtlichen Akzent hatte Christiner bei der Preisverleihung gesetzt: Trotz aller Bedrohungen dürfe der Optimismus nicht verloren gehen. Frieden zu bewahren sei nicht allein Aufgabe von Militär und Politik, sondern eine gemeinsame Verantwortung der gesamten Gesellschaft.

Letzte Änderung am Freitag, 16 Oktober 2026 01:03
Maria Taramona

María Elena Taramona de Rodríguez ist Journalistin, Grafikdesignerin sowie Chefredakteurin und Herausgeberin von CulturaLatina & ÖSTERREICH. Seit 2005 lebt sie in Österreich und gründete 2009 in Wien ihre eigene Werbeagentur. Später gründete sie CulturaLatina & ÖSTERREICH, ein deutsch- und spanischsprachiges Magazin mit Sitz in Österreich. Mit ihrer journalistischen und redaktionellen Arbeit widmet sie sich aktuellen Themen aus Österreich und Iberoamerika und fördert den Dialog und Austausch zwischen beiden Regionen und ihren Gesellschaften.

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