Nach der Begrüßung durch Moderatorin Maria Gasser eröffneten die beiden Direktoren, Dr. Padraig Lysaght und Prof. Dr. Yao Xiaozhou, die Jubiläumsfeier offiziell. Dabei blickten sie auf die Entwicklung und die Zukunft des Instituts.
Zwanzig Jahre Sprache und Kultur
Das im September 2006 von Prof. Richard Trappl gegründete Konfuzius-Institut an der Universität Wien war das erste seiner Art in Österreich und entstand aus der Zusammenarbeit zwischen der Universität Wien und der Beijing Foreign Studies University. Die Direktoren betonten, dass der Chinesischunterricht seit seiner Gründung im Mittelpunkt der Arbeit steht, ergänzt insbesondere durch Angebote in den Bereichen Musik und Literatur.
Heute bietet das Institut Chinesischkurse von A1 bis C2 sowie Konversationskurse, Programme für Kinder und Jugendliche, HSK-Vorbereitungskurse und Intensivkurse an. Für das kommende Semester kündigten die Direktoren neue Angebote in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM), Tai Chi Chuan und chinesischer Malerei an. Künftig sollen auch Kalligrafie und chinesische Kochkunst das Programm ergänzen.
Darüber hinaus realisiert das Institut Kulturprojekte wie Treffpunkt China Österreich gemeinsam mit der China Media Group und Okto TV sowie die Konzertreihe China trifft Mozart, Mozart trifft China in Kooperation mit dem Mozarthaus Vienna. Zum Abschluss äußerten die Direktoren den Wunsch, auch weiterhin die Sprache als Brücke und die Kultur als verbindendes Band zwischen China und Österreich zu nutzen.
Ernst Woller: Der Wert des kulturellen Austauschs
Ernst Woller, der in Vertretung von Bürgermeister Michael Ludwig an der Feier teilnahm, stellte das Jubiläum in den Kontext von 55 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen China und Österreich und hob insbesondere die vielfältigen kulturellen Verbindungen zwischen beiden Ländern hervor.
Woller würdigte die Arbeit des Instituts in den vergangenen zwei Jahrzehnten und nannte Beispiele des künstlerischen Austauschs, darunter Auftritte chinesischer Musiker in Wien und Tourneen österreichischer Ensembles in China. Unter anderem erwähnte er die Wiener Sängerknaben und die Wiener Chormädchen, deren erste Auslandstournee nach China führte. Für Woller ist das Institut eine wichtige Stütze bei der Vermittlung von Sprache, Literatur und Kultur.
Chongling Huang: Eine Brücke zwischen beiden Ländern
Im Anschluss sprach Prof. Chongling Huang von der chinesischen Botschaft in Österreich. Sie gratulierte dem Institut und würdigte das Engagement der österreichischen und chinesischen Direktoren, Lehrenden und Lernenden. Das Institut habe sich von einem Ort der Sprachvermittlung zu einer wichtigen Anlaufstelle für Menschen entwickelt, die sich für die chinesische Sprache und Kultur interessieren.
Auch Huang nahm das Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zum Anlass, auf die Entwicklung des Austauschs zwischen China und Österreich einzugehen. Das Konfuzius-Institut werde diesen Austausch auch in Zukunft begleiten, Menschen beider Länder zusammenbringen und zum gegenseitigen Verständnis beitragen.
Richard Trappl: Alles begann mit einem Anruf
Einen der persönlichsten Momente der Feier gestaltete Prof. Richard Trappl, der das Institut 19 Jahre lang leitete. Er erinnerte sich daran, 2005 erstmals von den Konfuzius-Instituten gehört zu haben. In einer Pause ging er auf die Straße, nahm sein Telefon und rief im Rektorat der Universität Wien an, um zu fragen, ob Interesse an einer Kooperation bestehe. Die Antwort fiel positiv aus.
Im Mai 2006 begleitete er den damaligen Rektor Georg Winkler nach Peking, wo die Gründung des Instituts besprochen wurde. Als man ihn fragte, ob er ein Jahr benötigen würde, um das Institut aufzubauen, wollte Trappl nicht so lange warten: Es war Mai, und im September wurde der Geburtstag von Konfuzius gefeiert. Noch im selben September fand die offizielle Eröffnung im Wissenschaftsministerium am Minoritenplatz statt.
Aus diesen Anfängen, in denen Trappl zunächst praktisch allein arbeitete, entwickelte sich eine Institution, die mit neuen Lehrenden, Direktoren und Kooperationspartnern kontinuierlich wuchs. Trappl beendete seine Rede mit dem Gedanken, aus der Geschichte lernen und „Brücken des Vertrauens“ zwischen Ländern, Kulturen und Menschen schaffen zu müssen.
Auch eine Münze erzählt Geschichte
Zu den Gästen gehörte auch Mag. Gernot Maier von der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft (ÖNG). Er erinnerte daran, dass die Gesellschaft 1870 gegründet wurde, und erläuterte, dass Münzen zugleich historische Dokumente sind. Am Stand der ÖNG konnten die Besucher sogar rund 3.000 Jahre alte chinesische Münzen betrachten.
Maier überreichte dem Konfuzius-Institut eine ÖNG-Gedenkmedaille und äußerte den Wunsch, dass das Institut eines Tages auf eine ebenso lange Geschichte zurückblicken könne wie die mittlerweile 155 Jahre alte Gesellschaft.
Kultur verbindet
Auch Bernd Jaumann, Mitorganisator und Initiator des Kulturfestivals Sichtweisen, und John Herzog beteiligten sich am Programm. Mit Sichtweisen bringt Jaumann unterschiedliche Kulturen und Epochen durch Musik, Literatur und bildende Kunst zusammen. Auch das Konfuzius-Institut gehört zu den Kooperationspartnern des Festivals. John Herzog kündigte für den 16. Oktober eine achtminütige chinesische Minioper an.
Ein traditioneller Löwentanz und ein gemeinsames Gruppenfoto rundeten die Jubiläumsfeier ab. Zwanzig Jahre nach jenem ersten Telefonanruf, von dem Richard Trappl erzählte, richtet sich der Blick nun nach vorn: auf neue Kursangebote, weitere kulturelle Begegnungen und die Fortsetzung des Austauschs zwischen China und Österreich.
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