Zwischen Kulturen.
Mitten in Österreich

Freitag, 11 September 2026 22:08

55 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen China und Österreich: Qin Wenchen im MuTh

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Qin Wenchen Foto: CulturaLatina

Es gibt Titel, die ein Programm beschreiben, und andere, die im Laufe eines Abends eine neue Bedeutung gewinnen. Selbst zu den höchsten Wolken führt eine Leiter wurde am 10. September im Wiener MuTh zum Leitmotiv einer Begegnung von Musik, Literatur, Erinnerung und Kulturen rund um den chinesischen Komponisten Qin Wenchen.

Anlässlich des 55-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Österreich wurde der Abend von International Culture Cooperations (ICC) gemeinsam mit dem Konfuzius-Institut an der Universität Wien und dem SONATA Book Verlag veranstaltet, unterstützt vom Central Conservatory of Music (CCOM), dem Global Media Club (GMC) und dem SICHTweisen Festival Wien.

Zu Beginn des Abends stand das Bild einer Brücke im Mittelpunkt, einer Brücke zwischen Musik, Kultur und Literatur. Moderator John Herzog führte durch das Programm und griff dabei immer wieder das Leitmotiv des Abends auf: die „Leiter“, die bis zu den höchsten Wolken führt. Ernst Woller, ehemaliger Präsident des Wiener Landtags und Ehrenpräsident der ICC, erinnerte in seiner Rede an die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und der Volksrepublik China im Jahr 1971.

Qin Wenchen. Foto: CulturaLatina
LAN Weiwei. CulturaLatina
Qin Wenchen. Foto: CulturaLatina
Ernst Woller. Foto: CulturaLatina
Qin Wenchen. Foto: CulturaLatina
John Herzog. Foto: CulturaLatina
Qin Wenchen. Foto: CulturaLatina
Lesung eines Auszugs aus dem Buch durch eine Vertreterin des Konfuzius-Instituts. Foto: CulturaLatina
Qin Wenchen. Foto: CulturaLatina
 Qin Wenchen und die kenianische Botschafterin Valerie Rugene. Foto: CulturaLatina
Qin Wenchen. Foto: CulturaLatina
V. l. n. r.: Prof. i. R. Dr. Richard Trappl und Dr. Padraig Lysaght, Direktor des Konfuzius-Instituts an der Universität Wien. Foto: CulturaLatina
Qin Wenchen. Foto: CulturaLatina
Qin Wenchen. Foto: CulturaLatina
Qin Wenchen. Foto: CulturaLatina
AN Tianxu. Foto: CulturaLatina

Woller gratulierte Qin Wenchen, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, auch zu seiner kurz zuvor in Wien erhaltenen Auszeichnung beim Österreichischen Musiktheaterpreis. Erwähnung fand zudem die Zusammenarbeit zwischen dem Central Conservatory of Music in Peking und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw). Zu den Gästen des Abends zählten mdw-Rektorin Ulrike Sych und die kenianische Botschafterin Valerie Rugene.

Die Buchpräsentation eröffnete einen persönlicheren Blick auf den Komponisten. Das von Yuan Mei verfasste Buch Selbst zu den höchsten Wolken führt eine Leiter erzählt in sechzig kurzen Episoden von Qin Wenchens Kindheit und Heranwachsen in Ordos in der Inneren Mongolei. Hirten, Handwerker, Lehrer, fahrende Künstler und Kinder bevölkern die Geschichten, in denen Erinnerungen, Beobachtungen und poetische Momentaufnahmen das Leben in der Steppe zwischen Tradition und Moderne zeichnen. Die Lesung eines Fragments aus dem Buch gab einen Einblick in Qin Wenchens Kindheit in der Inneren Mongolei.

Und vielleicht begann man gerade in diesem Moment, seine Musik anders zu hören.

Auch die Farbgebung des Bühnenhintergrunds erinnerte an die Landschaft der Steppe. Als die ersten Werke Qin Wenchens erklangen, schien sich diese zuvor mit Worten evozierte Landschaft im Klang fortzusetzen.

Die Musikerinnen und Musiker des Central Conservatory of Music in Peking: LAN Weiwei (Pipa), LIU Wenjia (Zheng), AN Tianxu (Klavier), MO Mo (Violoncello) und FAN Linfeng (Bambusflöte), brachten Instrumente unterschiedlicher Traditionen in einer gemeinsamen zeitgenössischen Klangsprache zusammen.

In Qin Wenchens Musik scheint der Klang ein Gedächtnis zu besitzen. Weite und Ferne sind ebenso spürbar wie Wind, Vibrationen oder der ferne Nachhall einer Glocke. Die Steppe erscheint dabei nicht als malerische Kulisse, sondern als eine Erfahrung, die sich in Klang verwandelt.

Die Verbindung von Pipa, Zheng und Bambusflöte mit Klavier und Violoncello machte zugleich die Idee einer kulturellen Brücke hörbar. Chinesische und westliche Traditionen standen sich nicht als getrennte Welten gegenüber, sondern begegneten einander in einem gemeinsamen zeitgenössischen Klangraum.

 

Letzte Änderung am Freitag, 11 September 2026 23:20
Redaktion

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