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CULTURA DE AUSTRIA

Freitag, 03 Dezember 2021 21:37

Sängerin Carla Natascha: „Als ich Mutter wurde, wurde ich neu geboren“

Von María Andrea Isabel Múñoz Armijo
Carla Natascha: "La maternidad me ha enseñado tanto acerca de la vida y del amor incondicional". Foto: Yunier Cobas

Wir trafen uns in einem Café, um wieder mit Carla Natascha zusammenzukommen, einer Sängerin mit einer langen künstlerischen Karriere auf verschiedenen Bühnen. Sie singt seit 10 Jahren in Folge auf den traditionsreichen Wiener Hofburgbällen sowie auf verschiedenen Festivals und Konzerten in Europa.
Das Magazin Cultura Latina berichtet seit 2013 über ihre musikalische Karriere und bevor 2021 endet, wollten wir sie erneut interviewen. Carla Natascha erklärte uns ihre Ansichten zu wichtigen aktuellen Themen.

Erzähle uns, wie du den „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ als Mutter, Frau und Künstlerin einschätzt.

Das größte Geschenk, das mir das Leben gemacht hat, ist mein Sohn der am 8. März geboren wurde: dem Internationalen Frauentag und ich bin stolz darauf, dass es der feministischen Bewegung in Lateinamerika gelungen ist, den 25. November von den Vereinten Nationen als Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen anerkennen zu lassen. Ich halte es für sehr wichtig, sich bewusst zu machen, was weltweit geschieht, dass die Rechte vieler Frauen, ob sie nun alleinstehend, alleinerziehend oder in Partnerschaft leben, nach wie vor verletzt werden und zwar nicht nur durch körperliche Gewalt (die die einzige sichtbare Gewalt ist), sondern auch durch Machtmissbrauch, wirtschaftliche und psychologische Gewalt wie Einschüchterung, Drohungen, Stalking und schwere psychische Misshandlungen, die letztlich ungestraft bleiben.

Es gibt mehrere österreichische Organisationen, die täglich mit vielen Fällen in Österreich konfrontiert sind, in denen die Rechte von Frauen verletzt werden, insbesondere die am meisten gefährdete Gruppe: alleinerziehende Mütter. Derzeit arbeite ich an einer 16-tägigen landesweiten Kampagne dieser Organisationen mit, die am 25. November begonnen hat, um das Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen, das nicht nur Mütter, sondern alle Frauen in Österreich im Allgemeinen betreffen sollte.

Seit ich Mutter geworden bin, fühle ich mich wie neu geboren und sehe die Welt aus einer anderen Perspektive. Früher habe ich mich für diese Themen (von der künstlerischen Seite) interessiert, aber jetzt ist es viel tiefgründiger (von einem humanistischen Ansatz). Wenn wir Frauen uns zusammentun, können wir dafür kämpfen, dass unsere Rechte nicht mit Füßen getreten werden. Seit unserer Kindheit wurde uns Angst eingeimpft und deshalb weiß ich, dass Empathie wachsen muss. Deshalb möchte ich nicht nur Frauen, sondern auch Männer, die gegen Ungerechtigkeit kämpfen, für dieses Thema sensibilisieren und gemeinsam können wir mittel- und langfristig Veränderungen erreichen. Als Empfehlung für Frauen in Not gibt es mehrere Vereine, an die sie sich wenden können, wie zum Beispiel:

Autonome Österreichische Frauenhäuser
www.aoef.at 
www.frauenhelpline.at 
FEM.A: Feministische Alleinerzieherinnen
www.verein-fema.at 
Ni Una Menos Austria
www.osterreichnum.wordpress.com 

Wie ist es für dich gleichzeitig Künstlerin und Mutter zu sein?

Ich bin nicht mehr dieselbe, die ich früher war. Die Mutterschaft hat mich so viel über das Leben und die bedingungslose Liebe gelehrt und das wird sich in meinen zukünftigen Arbeiten widerspiegeln, die ich inspiriert von meiner neuen Realität machen werde. Natürlich ist es sehr wichtig, Unterstützung zu haben, eine “Tribu” (Volksstamm), wie wir es nennen, um sich zu haben. Menschen, die dich lieben, sich um dich kümmern und dich mit deinem Kind unterstützen, damit du weiterarbeiten kannst. Diese Unterstützung muss durch Familie und Freunde gegeben sein. Es gibt Mütter mit vielen Schwierigkeiten, die allein sind (ohne Familie, zum Beispiel weil sie ausgewandert sind) und generell sollte die Leistung von Müttern in dieser Gesellschaft mehr geschätzt und unterstützt werden. Es gibt ein Sprichwort: „Wenn es der Mutter gut geht, geht es auch dem Kind gut“. 100% wahr!

Nach Ansicht des französischen Neurologen und Psychiaters Boris Cyrulnik sind das Wohlbefinden, die Sicherheit und das Selbstvertrauen eines Kindes, von dem Moment an in dem es geboren wird, auf das Wohlbefinden der Mutter zurückzuführen, auf die Verbindung, die im Mutterleib, beim Stillen und in den ersten Lebensjahren zum Kind entsteht. Dies sollte in Schulen und Institutionen gelehrt und gefördert werden und an Arbeitsplätzen, in Unternehmen und vor allem bei politischen Entscheidungen usw. berücksichtigt werden, damit wir gesunde Kinder (die zukünftigen Erwachsenen) und damit eine bessere Gesellschaft in der Zukunft haben. Es gibt viel zu ändern und zu verbessern.

Mutter zu sein ist ein wahr gewordener Traum. Mein Sohn ist jetzt meine Priorität und es ist eine wunderbare Entwicklung. Ich habe unter anderem gelernt, meine Zeit besser zu organisieren. Ich weiß, dass jede Frau das Recht hat zu entscheiden, ob sie den Weg der Mutterschaft einschlagen will oder nicht und ich denke, das Wichtigste ist, dass man weiß, was man will: Wenn man Mutter werden will und das Leben einem diesen Segen gibt, ist es das Beste, was einem passieren kann. Wenn man keine Mutter sein will, aber zum Beispiel die Welt bereisen möchte, ist das auch legitim. Deshalb bin ich der Meinung, dass sich alle Frauen einander annähern, sich austauschen und voneinander lernen sollten, durch Einfühlungsvermögen, Unterstützung und Fürsorge füreinander.

Carla Natascha:
Carla Natascha: "Mein Zufluchtsort ist das Singen: Musik ist der Ort, an dem ich Frieden und Freude finde“. (Foto: Yunier Cobas)

 

Hat dich das Muttersein von der Bühne weggeholt?

Ja und nein. Als ich schwanger war, habe ich viele Konzerte gegeben, ich habe gesungen, bis ich im neunten Monat schwanger war und ich habe es getan, weil ich das Gefühl hatte, dass es meinem Kind gefällt. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass es meinem Sohn schaden würde, im Gegenteil, die Musik hat ihn in den Schlaf gewiegt, weshalb ich mir die Freiheit genommen habe, keine Pause einzulegen, sondern meinen Aufgaben als Künstlerin weiter nachzugehen. Als ich dann mein Baby im Arm hatte, begann ich bereits im dritten Monat zu arbeiten, da ich wieder einen Konzertplan hatte. Mit der Unterstützung meiner Familie und meiner Mutter, die mich immer begleitet, konnte ich diese Aufgaben problemlos bewältigen, natürlich in der Balance, für mein Kind da zu sein und gleichzeitig Zeit für die Musik zu haben, bis 2020 die Pandemie kam und nicht nur mein Leben veränderte, sondern das vieler Künstler auf der ganzen Welt.

Wie hast du die Pandemie erlebt und was lerntest du daraus?

Ich habe mir die Zeit genommen, mich auf mich selbst zu konzentrieren und durch Meditation und buddhistische Praktiken zu stärken. Ich habe neue Projekte initiiert, wie Kinderkurse „Gesangs- und Tanzkurs“ in Präsenz und online, sowie andere Online-Projekte, meine Webseite aktualisiert und eine neue Online-Gesangsakademie gegründet, um weltweit viele Menschen zu erreichen, die singen lernen wollen. Die Online-Gesangsplattform „Trust your voice by Carla Natascha“ ist hier zu finden: www.carlanatascha.com. Die Kurse sind auf Spanisch und Deutsch, nicht nur für Anfänger und Fortgeschrittene, sondern für alle Menschen, die eine gute Gesundheit haben wollen, denn Singen ist ein guter Weg, um Stress zu bekämpfen, weil durch das Singen und das Funktionieren des Vagusnervs automatisch der Cortisolspiegel im Körper gesenkt werden kann. Ich bin sehr glücklich dieses neue Projekt durchführen zu können!  

Man kann sich selbst aussuchen, wie man die Dinge, die im Leben passieren, betrachtet und sich immer fragen: „Was kann ich mit dem, was ich habe, tun?“ Die Pandemie hat mir die Augen geöffnet und gezeigt, was die Prioritäten im Leben sind. Heute glaube ich, dass man um jeden Preis glücklich sein und den Moment genießen muss, egal was passiert, egal wie viele Hindernisse sie einem in den Weg stellen. Man kann inneren Frieden, Ausgeglichenheit und Wohlbefinden finden, wenn man sich darauf einstellt. Sie können für sich selbst glückliche Momente schaffen.

Ich war mit meinem kleinen Sohn zusammen, der auf mich angewiesen war und diese Atmosphäre der Sicherheit, des Glücks und der Gelassenheit zu schaffen, bedeutete, dass es mir gut gehen musste (trotz des ganzen Sturms um mich herum). Es gibt viele Menschen, die in dieser Situation ängstlich sind, denn die Isolation im Lockdown ist schwerwiegend. Etwas sehr Wichtiges zur Erhaltung der psychischen Gesundheit ist, sich nicht zu isolieren, denn dort beginnt der Prozess der Traurigkeit und der Depression. Es ist wichtig, ein Netz von vertrauten Menschen zu haben und zu pflegen, das heißt, Menschen um dich herum, die an dich glauben und dich wirklich lieben, das ist auch Teil der Selbstfürsorge und der Selbstliebe.  

Ich erlaube mir auch, dass es mir schlecht geht, es sind nur Momente und ich handle danach. Wenn ich zum Beispiel Stress abbauen muss, greife ich auf Gesang, Gesangstechniken, Meditation, Bewegung und gesunde Ernährung zurück. Auch das hat die Pandemie mit sich gebracht: das Bewusstsein, trotz Widrigkeiten besser zu leben.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Auswahl der Informationen, die du konsumierst, was du siehst oder liest und ob die Informationen aus einer zuverlässigen Quelle stammen oder nicht. Heutzutage gibt es zu viele Fakenews, nimm dich davor in Acht!

Welche Projekte und Konzerte hast du in Zukunft geplant?

Ich hatte dieses Jahr die Gelegenheit, beim Sommerfestival Open Air in Scheibbs mit meiner Tropical Band (Latin Music Orchestra) zu singen, sowie beim Festival Chilenidades, mit meiner südländischen Musikgruppe und auch bei einigen Hochzeiten im Sommer. Aufgrund der Zunahme von Covid-Fällen wurden jedoch bereits mehrere Konzerte für den Beginn des Jahres 2022 abgesagt. Ein Termin steht jedoch fest: der herausragende Rudolfina-Redoute-Ball 2022, „Der Tanz der Masken“ am 28. Februar 2022 in der Hofburg. Sichern Sie sich jetzt Ihre Tickets auf der offiziellen Webseite www.rudolfina-redoute.at, wir werden den Abend mit lateinamerikanischer Musik einläuten!

Man muss in diesen Zeiten viel Geduld haben und sich dem Schaffen widmen. Ich denke, es wird musikalisch etwas ganz anderes werden als mein Album „Tierra Linda“, auf dem ich Lieder über mein Leben geschrieben habe, inspiriert von meinen damaligen Erfahrungen und unterlegt mit karibischen Rhythmen wie Salsa, Merengue und Bachata. Jeder Lebensabschnitt bringt neue Dinge mit sich, und ich bin gespannt auf das, was kommen wird.

Welchen Rat hast du für Eltern von zukünftigen Künstlern und welchen Rat würdest du Menschen geben, um die Kunst in Zeiten der Krise zu unterstützen?

Ich entdeckte die Magie der Bühne, als ich 4 Jahre alt war. Meine Eltern und meine Familie haben mich immer unterstützt und ich wurde auch von meiner Schule für meine Leistungen im künstlerischen Bereich während meiner gesamten Schulzeit ausgezeichnet. Ich habe es immer ernst genommen, es war nie ein Spiel für mich. Als ich 8 Jahre alt war, schenkte mir mein Vater ein professionelles Mikrofon und das Singen wurde schon früh meine Zuflucht. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar, nicht so sehr für die Tatsache, dass ich heute Künstlerin bin, sondern dafür, dass sie mir das nötige Rüstzeug gegeben haben, um an mich selbst zu glauben und zu wissen, wie ich mich durch die Musik in der Not stärken kann.

Mein Zufluchtsort ist das Singen und das Tanzen und die Musik ist der Ort, an dem ich Frieden finde. Es ist die Rückkehr zu dem kleinen Mädchen, das sich selbst mit ihren Kassetten aufgenommen hat. Ich schließe mich in meiner musikalischen Stunde „an meinem Platz“ ein und fühle mich beschützt, ich spüre, dass es keine Probleme gibt, ich bin in Harmonie, fühle mich glücklich und lade meine Energie auf. Das ist das größte Geschenk, das Eltern ihren Kindern machen können, ihnen zu erlauben, sie selbst zu sein, ihnen die Möglichkeit geben, den Schlüssel zu ihrer "Zuflucht" zu finden, sie zu motivieren und an sie zu glauben, ihnen helfen eine Leistung zu finden, die sie zum Schwingen bringt.

Es gibt Menschen die depressiv werden oder Süchte entwickeln, weil sie nicht wissen, was sie in solchen Momenten tun sollen, z. B. jetzt bei der Pandemie, wenn man eingeschlossen ist und das Haus nicht verlassen kann oder darf. Leider leben wir in einer Gesellschaft, in der die Subventionen für Sport und Musik gekürzt werden, weil sie sagen, dass sie nicht notwendig und nicht wesentlich sind, obwohl beides für die geistige Gesundheit von Kindern und Erwachsenen sehr wichtig ist, um den Geist, den Körper und das Herz zu heilen.

Was die Unterstützung von Künstlern in diesen Zeiten der Krise betrifft, so wäre eine Möglichkeit, die in Österreich produzierte Musik zu unterstützen, damit sie mehr in Radio- und Fernsehsendungen gesendet wird, denn davon haben wir als Liedermacher zumindest einen finanziellen Nutzen. Auch im digitalen Bereich können Sie Ihre Lieblingssongs auf Plattformen wie Spotify in Ihre Wiedergabelisten aufnehmen und so die Künstler positionieren und Sie können dies auch tun, indem Sie die Alben in physischer Form kaufen (wie zum Beispiel hier: www.carlanatascha.com).♠

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Letzte Änderung am Freitag, 03 Dezember 2021 21:48

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