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Montag, 25 Dezember 2023 14:26

Karla Karibe: Ein Kultur- und Handwerksraum im Herzen Wiens

Von María Andrea Múñoz / Übersetzung: Franz Klika
Karla Cavallaro. Foto: María Andrea Múñoz

Karla Cavallaro ist nicht nur für die Auswahl der Kunstwerke in den Ausstellungen des Dachverbandes Lateinamerikanischer Vereine in Österreich verantwortlich, sondern präsentiert auch ihre eigenen Kunstausstellungen. Die Künstlerin aus Venezuela sprach mit Cultura Latina über ihr Projekt "Karla Karibe". In ihrem Laden-Atelier im 9. Bezirk von Wien bietet sie einzigartige handgefertigte Objekte aus eigener Produktion sowie Werke anderer lateinamerikanischer Handwerker und Maler in Wien an.

Mit welchen Schwierigkeiten sahen Sie sich bei der Entwicklung ihres Projekts konfrontiert?

Es war ein langer und anspruchsvoller Prozess, diesen Laden zu bekommen. Zunächst war der Raum in einem baufälligen Zustand und musste renoviert werden. Es handelte sich um einen Lagerraum der Firma, die für die Gebäudereparaturen zuständig war. Die Renovierung kostete viel mehr Geld, als ich geschätzt hatte. Dann bekam ich die Finanzierung von der Wirtschaftsagentur Wien. Ich habe mich um die Finanzierung beworben, alle Anforderungen erfüllt und sie erhalten. Die Wirtschaftsagentur bietet zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten und Programme für Kreative, Unternehmer usw. Die Finanzierung, für die ich mich beworben habe, war für Unternehmer gedacht, die einen Laden mit Renovierungsbedarf hatten, vorzugsweise zur Straße hin. Mit anderen Worten, ich erfüllte alle Anforderungen. Aber natürlich waren auch viele Dokumente, Stempel und Papierkram erforderlich, um dies zu erreichen.

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Shop-Atelier von "Karla Karibe" im 9. Wiener Bezirk. Foto: Karla Karibe.

Warum entstand die Idee, den Karla Karibe Laden zu eröffnen?

Ich habe Architektur studiert, allerdings in Venezuela. Hier ist es also etwas schwieriger. Das erste Mal, als ich nach Wien kam, war ich nur zu Besuch und hatte nicht vor zu bleiben. Aber dann kam die Liebe und später wurde ich schwanger. Also blieb ich ein paar Jahre, musste natürlich Deutschkurse machen, und als meine Tochter älter wurde, überlegte ich, was ich tun könnte. Mir wurde geraten, mein Studium hier in Österreich noch einmal zu absolvieren, diesmal auf Deutsch, aber das wollte ich nicht. Ich dachte: Eigentlich bin ich eine kreative Person, und das, was ich liebe, ist zu erschaffen und zu machen. Also genieße ich es genauso, ein Gebäude zu entwerfen wie ein Paar Ohrringe zu gestalten. Ich habe mich nicht unterkriegen lassen.

Auf der Suche nach meiner Richtung dachte ich zunächst an Naturkosmetik. Ich erkundigte mich bei der Wirtschaftskammer, und man sagte mir, dass die Herstellung von Naturprodukten reglementiert ist. Da ich keine Apothekerin, Chemikerin oder etwas Derartiges bin, hatte ich keine Möglichkeit, das zu tun. Ich fragte dann nach Kunsthandwerk, und damit gab es kein Problem. Also machte ich mich daran, alle rechtlichen Formalitäten zu erledigen und nahm glücklicherweise an einem Workshop teil, der von einer Argentinierin bei der Wirtschaftskammer in Spanisch geleitet wurde. So konnte ich gut verstehen, was ich als selbstständige Person tun musste. Der Kurs diente dazu, zu verstehen, worauf man sich einlässt, denn die Regeln für die Selbstständigkeit in Lateinamerika sind im Vergleich zu Österreich sehr unterschiedlich. Mein Rat an diejenigen, die selbstständig werden möchten, ist, einen der Workshops zu besuchen, die von der Wirtschaftskammer angeboten werden, denn sie werden in verschiedenen Sprachen angeboten. Viele Menschen investieren Geld und starten ein Unternehmen, ohne die Anforderungen zu erfüllen, und verlieren dann ihre Investition.

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Shop-Atelier von "Karla Karibe" im 9. Wiener Bezirk. Foto: Karla Karibe. Foto: María Andrea Múñoz.

Die Idee für diesen Laden mit Kunsthandwerk entstand, weil ich viel Erfahrung auf Märkten hatte. Aber um ehrlich zu sein, selbst wenn der Verkauf auf einem Markt jeglicher Art gut läuft, wenn man alle Stunden bedenkt, die man investiert hat, um auf diesem Markt präsent zu sein – zum Beispiel den Tisch mitbringen, weil er nicht immer da ist, sicherstellen, dass alles in einen Koffer passt, Transportkosten –, gibt es viele Ausgaben und verlorene Zeit. Außerdem sind die besten Märkte die Weihnachtsmärkte, obwohl es auch im Sommer und Frühling Märkte gibt. Aber vom Besuch von Märkten kann man nicht leben. Es zwingt einen dazu, nach Arbeit zu suchen und manchmal werden Märkte zu einem Nebeneinkommen. Also sprach ich mit meinem Mann, der mich sehr unterstützt hat, und du weißt, die Österreicher suchen mehr nach Sicherheit. Er sagte mir anfangs: Such dir einen Job und du hast jeden Monat dein Geld, denn als Selbstständige muss man alles machen, von der Buchhaltung bis zu den Produkten. Ich mache sogar die Etiketten selbst. Es ist also viel Arbeit, aber ich erklärte meinem Mann, dass es das ist, was ich tun möchte. Deshalb haben mein Mann und ich beschlossen, einen Laden zu eröffnen. Während der Pandemie habe ich mich mit der Bürokratie beschäftigt, aber aufgrund der Gesundheitskrise war der Prozess noch langsamer.

Ich habe den Laden so gestaltet, dass er sich wie ein Zuhause anfühlt. Die Gemälde und Kunsthandwerke machen ihn zu einem farbenfrohen Geschäft, das Aufmerksamkeit erregt. Was die Kunden betrifft, gibt es zwei Arten: Lateinamerikaner:innen, die aus Neugier eintreten, und das österreichische Publikum, das schüchtern ist, öfter vorbeigeht und dann hereinkommt. Ich wollte unbedingt Kaffee anbieten, aber dafür brauchte ich andere Zertifikate und Dokumente.

Was ist das Konzept des Karla Karibe Shops?

Das Konzept von Karla Karibe entstand, um Kunst und Handwerk aus Lateinamerika zu fördern, da mir aufgefallen ist, dass lateinamerikanische Musik mehr Verbreitung und Erfolg hat. Musik zieht ein Publikum an, wird geschätzt und fällt auf. Im Gegensatz dazu ist es mit Kunst und Handwerk schwieriger, da es weniger Verbreitung gibt. Während meiner Jahre in Wien habe ich viele Künstlerinnen und Handwerker:innen kennengelernt, wir haben uns auf Märkten getroffen und sind Freund:innen geworden. Wir haben eine schöne Gemeinschaft aufgebaut. Deshalb kenne ich die Freuden und Mühen dieses Berufs.

Ich wollte diesen Raum nicht nur für mich und meine Kreationen schaffen, sondern auch irgendwie all meinen Freunden und Landsleuten aus Lateinamerika helfen. Ich weiß, wie schwierig es ist, in Wien einen Laden zu mieten oder zu kaufen, es ist praktisch unmöglich. Viele Menschen müssen von Markt zu Markt gehen, und viele werden deprimiert und frustriert, weil sie ihre Leidenschaft nicht ausüben können, wenn sie die Rechnungen bezahlen müssen.

Das ist auch ein Vorteil für alle, denn in meinem Laden biete ich Vielfalt an. Es geht nicht darum, miteinander zu konkurrieren, sondern einander zu helfen. Die geteilte Liebe ist doppelt, wie wir in meinem Land sagen, weil sich die Nachricht verbreitet. Der Hauptpunkt ist, dass die Produkte im Laden von Hand gemacht sind und nicht in Massenproduktion in Ländern hergestellt werden, in denen die Arbeiter:innen schlecht bezahlt und die Arbeitsbedingungen armselig sind. Hier wird niemand ausgebeutet.

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Shop-Atelier von "Karla Karibe" im 9. Wiener Bezirk. Foto: Karla Karibe.
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Shop-Atelier von "Karla Karibe" im 9. Wiener Bezirk. Foto: Karla Karibe.

Wie werden Sie die lateinamerikanische Kultur verbreiten?

Dank meiner Beteiligung an der Lateinamerikanischen Konföderation konnte ich viele Künstler kennenlernen und die Schwierigkeiten erfahren, die sie hier durchmachen. Daher entstand die Idee, Ausstellungen in meinem Laden zu veranstalten. Der vorhandene Raum kann genutzt werden, da die Wände hoch sind, und ich präsentiere auch meine eigenen Gemälde. Während der Pandemie habe ich mich erneut mit der Kunst verbunden, insbesondere mit Zeichnen und Malen, was das erste war, was ich in Venezuela studiert habe, bevor ich mich der Architektur widmete.

Ich möchte, dass dieser Laden ein kultureller Raum wird. Deshalb wird monatlich ein neuer Künstler ausstellen, es wird Buchpräsentationen und Workshops geben. Früher habe ich solche Workshops im Frauenzentrum des WUK angeboten, sowohl auf Englisch als auch auf Spanisch, und ich möchte dasselbe hier machen. Die Leute, die an den Workshops teilnehmen, schätzen die Möglichkeit, Netzwerke zu knüpfen und Menschen zu treffen, die dasselbe gerne tun. Auch wenn ich Workshops anbiete, erkläre ich beispielsweise bei Makramee zuerst seine Geschichte. Es ist wie eine Unterrichtsstunde, und mit angemessener Anleitung können erstaunliche Dinge entstehen. Ich habe gesehen, wie Menschen, die denken, dass sie nicht in der Lage sind, etwas zu schaffen, so glücklich und stolz auf das sind, was sie in meinen Workshops geschaffen haben.

Die Objekte, Gemälde und Workshops, die ich anbieten werde, werden zu erschwinglichen Preisen sein, weil ich fest an Solidarität glaube. Ich setze mich in die Lage von Menschen, die nicht die wirtschaftliche Möglichkeit haben, Kurse in Wien zu bezahlen oder schöne, gut gemachte und qualitativ hochwertige Produkte zu kaufen. Ich glaube, dass jeder das Recht hat und Zugang zu schönen Dingen haben sollte, unabhängig von der Kaufkraft der Menschen.

KARLA KARIBE
www.karlakaribe.com
Sechsschimmelgasse 17
Wien 1090

Letzte Änderung am Montag, 25 Dezember 2023 15:19
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