Am vergangenen Freitag gingen mehrere Gruppen von Kolumbianern in Wien, Salzburg und Innsbruck auf die Straße, um die Demonstrationen und den nationalen Streik in Kolumbien zu unterstützen. Wie Marcela Torres, eine in Wien lebende kolumbianische Aktivistin und Anthropologin berichtet, ist die Unzufriedenheit darauf zurückzuführen, dass Präsident Iván Duque und Finanzminister Alberto Carrasquillo mit einer neuen Steuerreform die Staatseinnahmen erhöhen wollten, die eine gewisse Hilfe gegen das Coronavirus bedeuten würde. Eine Steuerreform, die eine Erhöhung der Einkommens- und Rohstoffsteuern vorsah, die die Kolumbianer nicht hätten verkraften können und die Geschäftsleute und Banker begünstigen würde. "Der Streik wurde ursprünglich von den verschiedenen Arbeiterklassen ausgerufen und ihnen schlossen sich andere Berufsgruppen an, die die Gelegenheit sahen, ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen, einerseits wegen dieser Steuererhöhungen aber natürlich auch wegen der Umstände, die durch Covid und andere Probleme verursacht werden, die das Land auf verschiedene Weise plagen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Forderung an die Regierung, das 2016 in Havanna unterzeichnete Friedensabkommen (zwischen kolumbianischer Regierung und den Farc-Rebellen) umzusetzen, das die gewünschten Erwartungen nicht erfüllte. Laut Recherchen könnten diese zu Gewaltzyklen führen, die eigentlich abnehmen sollten", betont Torres.
Protest in Wien
Warum haben die KolumbianerInnen in Wien protestiert?
“Das konnte man auf ihren Transparenten lesen: 'Es sind schon 20 Jahre uribistische Diktatur', 'Ich nehme an dieser Demonstration teil, weil mich die Regierung zu Hause dafür töten würde', 'Sie wollen uns für die Kugeln bezahlen lassen, mit denen sie uns töten', 'Es gibt Reichtum und Schönheit, aber sie sind mit dem Blut der Menschen bedeckt', "'hat die Polizei JEANSDAY (sexuelle Gewalt)', 'Sie wollten uns begraben, aber sie wussten nicht, dass wir Samen sind', 'Soziale Ungleichheit ist gewalttätiger als jeder Protest', 'Wenn sie dich zensieren, schreien wir draußen für dich', sagt der kolumbianische Künstler Antonio Zapata.
Ein sehr aktuelles Transparent lautete: 'Kolumbianer haben ihre Augen geöffnet, deshalb will die Regierung sie für immer schließen', in Anspielung auf die 23 Menschen, die durch Gummigeschosse, die ihnen die Armee ins Gesicht schoss, ein Auge verloren.
Rund 300 Menschen nahmen an der Solidaritätsveranstaltung für Kolumbien am Platz der Menschenrechte teil. Erwähnenswert ist die große Unterstützung durch die chilenische Gemeinde und andere LateinamerikanerInnen. Die Atmosphäre umfasste tanzende Euphorie, das Singen der kolumbianischen Nationalhymne, gerufene Slogans, abschreckende Statistiken und bereits am Abend, Kerzen und Regen machten die „Performance über den Tod“ noch herzzerreißender.
„‘Cali, amigo, Wien ist mit dir’ war ein Refrain, der oft wiederholt wurde. Die Unterstützung für die Stadt Cali wurde hervorgehoben, weil sie am meisten unter der Militarisierung, vor allem in der Nacht leidet. Die Provokation war eine klare Strategie der Armee, damit die Bevölkerung mit Gewalt antwortet und somit eine Rechtfertigung für den Einsatz schwerer Artillerie bestand", erzählt Antonio Zapata.
Unter den Teilnehmern des Protestes in Wien waren auch: der kolumbianische Tenor Kirlianit Cortés, der Sänger El Indio, die kolumbianische Saxophonistin und Klarinettistin Laura Valbuena, sängerin Laura Aya, Sebastián Fonseca, Mauricio Echeverri, Juan Pulido, der plastische Künstler Antonio Zapata und viele andere Menschen aus der lateinamerikanische Community, die sich mit dem kolumbianischen Volk solidarisch zeigten.
Demonstrationen gehen in Kolumbien weiter
Alberto Carrasquilla (Finanzminister) zog den Steuervorschlag zurück und legte letzten Montag sein Amt nieder, aber das Volk "kämpft" weiter für eine allgemeine Verbesserung und für die Verteidigung der Menschenrechte. Präsident Ivan Duque, der die Politik des ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe fortsetzt, behauptet, es handele sich um einen terroristischen Anschlag. „Diese terroristischen Gruppen haben Pläne, unsere Polizeibeamten zu ermorden. Sie haben den Befehl gegeben, sie zu verbrennen“, sagt Verteidigungsminister Diego Molano. Eine sehr merkwürdige Ähnlichkeit zu Venezuela, da der venezolanische Präsident Nicolas Maduro das Gleiche sagte, dass es ein terroristischer und/oder US-Angriff war, als die VenezolanerInnen auf die Straße gingen, um zu protestieren. Der Unterschied zwischen den Protesten in Venezuela und Kolumbien besteht darin, dass die VenezolanerInnen verloren haben, nicht nur wegen der vielen Toten, sondern weil sie des Kampfes müde wurden und es nie zu Veränderungen kam.
Alvaro Uribe seinerseits schrieb auf seinem Twitter-Account: "Unterstützen wir das Recht der Soldaten und Polizisten, ihre Waffen zu benutzen, um ihre Integrität zu verteidigen und um Menschen und Eigentum vor den kriminellen Handlungen des Terrorismus zu schützen. Sein Account wurde gesperrt.