Österreichs deutsch-spanisches Medium für Diplomatie, internationale Beziehungen und Kultur
Samstag, 14 März 2026 01:29

Medizinisches Cannabis und Drogenpolitik: Patienten fordern bei der UNO humanere Vorschriften für CBD

Von
Vertreter des Veterans Action Council während der Podiumsdiskussion „CBD-reiches Cannabis: Politik und Patientenerfahrungen“ Foto: CulturaLatina

Wien.- Unter Tränen und persönlichen Zeugenaussagen forderten Expert:innen, Anbauer:innen und Patientenvertreter:innen in Wien humanere politische Maßnahmen für den Zugang zu medizinischem Cannabis – insbesondere bei chronischen Schmerzen, schwerer Epilepsie und katastrophalen Erkrankungen.

Was als technisches Panel über medizinisches Cannabis begann, entwickelte sich zu einem der emotionalsten Momente der Woche während der 69. Sitzung der Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen (CND) in Wien. Zwischen persönlichen Berichten, Erinnerungen an verstorbene Patient:innen und Erfahrungen von Familien, die außerhalb der traditionellen medizinischen Strukturen Linderung fanden, hörte die Diskussion über CBD-reiches Cannabis auf, eine abstrakte Debatte über Regulierung zu sein. Stattdessen stellte sich eine weitaus unbequemere Frage: Was passiert, wenn öffentliche Politiken zu spät für jene kommen, die leiden?

Die Veranstaltung mit dem Titel „CBD-Rich Cannabis: Policy and Patient Experience“ wurde von der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) organisiert, mit Unterstützung mehrerer internationaler Organisationen, darunter die European Coalition for Just and Effective Drug Policies (ENCOD), Fields of Green for All, die Law Enforcement Action Partnership sowie der Veterans Action Council.

Einer der eindrucksvollsten Momente war die Aussage des Forschers und Patientenaktivisten Forrest Hurd, Gründer des Netzwerks Caladrius. Er erzählte die Geschichte seines Sohnes Silas, bei dem eine schwere Form der kindlichen Epilepsie diagnostiziert wurde. Wie er berichtete, fand die Familie nach Jahren erfolgloser Behandlungen und Tausenden von Anfällen pro Monat schließlich Linderung durch cannabinoidbasierte Therapien, die in Zusammenarbeit mit Anbauer:innen und Fachleuten entwickelt wurden.

Forrest Hurd relata en Viena la experiencia de su hijo con epilepsia severa y el acceso a terapias basadas en cannabinoides. Foto: CulturaLatina.
Forrest Hurd berichtet in Wien über die Erfahrungen seines Sohnes mit schwerer Epilepsie und den Zugang zu Therapien auf Cannabinoidbasis. Foto: CulturaLatina.
CBD-Rich Cannabis: Policy and Patient Experience. Foto: CulturaLatina
Einblick in den Vortrag „CBD-reiches Cannabis: Politik und Patientenerfahrungen“. Foto: CulturaLatina
CBD-Rich Cannabis: Policy and Patient Experience. Foto: CulturaLatina
Vertreter des Veterans Action Council während der Podiumsdiskussion „CBD-reiches Cannabis: Politik und Patientenerfahrungen“, die am Sitz der Vereinten Nationen in Wien stattfand. Foto: CulturaLatina. 
CBD-Rich Cannabis: Policy and Patient Experience. Foto: CulturaLatina
Die Teilnehmer sehen sich Fälle von Krankheiten an, bei denen sich der Gesundheitszustand durch den Konsum von Cannabis verbessert hat. Foto: CulturaLatina

Hurd betonte, dass viele Familien gezwungen sind, außerhalb der traditionellen medizinischen Systeme nach Lösungen zu suchen, wenn öffentliche Politiken den Zugang zu potenziell hilfreichen Behandlungen einschränken. In seinem Beitrag erinnerte er daran, dass isoliertes CBD in vielen schweren Fällen nicht ausreicht und einige Patient:innen breitere Kombinationen von Cannabinoiden benötigen, wie sie in der Pflanze natürlich vorkommen.

Während des Panels wurde auch an den Züchter und Aktivisten Wade Laughter erinnert, der für seine Arbeit mit Patient:innen sowie für seinen Beitrag zur Entwicklung von CBD-reichen Cannabissorten bekannt war, die für therapeutische Zwecke eingesetzt werden.

Im Teil der Veranstaltung, der dem internationalen Rechtsrahmen gewidmet war, sprach Pavel Pachta, Experte für Drogenregulierung und ehemaliger Funktionär im internationalen System der Suchtstoffkontrolle. Pachta erklärte, dass sich die Auslegung der internationalen Verträge in den letzten Jahren weiterentwickelt habe und dass Staaten Spielraum hätten, regulatorische Rahmenwerke zu schaffen, die den Zugang zu Cannabis für medizinische Zwecke ermöglichen.

Seinen Worten zufolge verbieten die internationalen Übereinkommen die Verwendung von Cannabis zu medizinischen Behandlungen nicht, solange ein angemessenes Kontrollsystem besteht.

Das Panel endete mit einem Aufruf an die Mitgliedstaaten, sicherzustellen, dass künftige Regelungen zu Cannabinoiden die klinische Realität der Patient:innen widerspiegeln. Die Teilnehmer:innen warnten, dass zu restriktive Politiken die verfügbaren therapeutischen Optionen einschränken und Menschen mit schweren Erkrankungen ohne Behandlung zurücklassen könnten.

Über die technischen und rechtlichen Aspekte hinaus hinterließ das Treffen eine Botschaft, die von mehreren Teilnehmer:innen wiederholt wurde: Mitgefühl sollte nicht im politischen Diskurs stehen bleiben, sondern sich in konkreten Maßnahmen niederschlagen, die dazu beitragen, das Leiden von Patient:innen zu lindern.

CBD-Rich Cannabis: Policy and Patient Experience. Foto: CulturaLatina
Pavel Pachta, Experte für Drogenregulierung und ehemaliger Mitarbeiter des internationalen Systems zur Kontrolle von Betäubungsmitteln, rechts neben ihm Michael Krawitz. Foto: CulturaLatina
CBD-Rich Cannabis: Policy and Patient Experience. Foto: CulturaLatina
Wade Laughter, ein visionärer Cannabis-Züchter aus Nordkalifornien und Entdecker der CBD-reichen Sorte „Harlequin“, verstarb am 4. Juni 2025 im Alter von 72 Jahren. Foto: CulturaLatina
CBD-Rich Cannabis: Policy and Patient Experience. Foto: CulturaLatina
Endocannabinoid-System: Wie Cannabinoide aus der Pflanze, wie etwa THC, und jene, die vom Körper selbst produziert werden, mit Rezeptoren im Gehirn interagieren, um Funktionen wie Schmerz, Stress oder die Freisetzung von Neurotransmittern zu regulieren.  Foto: CulturaLatina

Schlüsselpunkte der Debatte über medizinisches Cannabis

Expert:innen und Patient:innen warnten vor den Auswirkungen zu restriktiver Politiken auf den Zugang zu medizinischem Cannabis.

Isoliertes CBD reicht nicht immer aus, um komplexe Erkrankungen wie schwere Epilepsien zu behandeln.

Manche Therapien erfordern Kombinationen von Cannabinoiden, die in der gesamten Pflanze vorhanden sind.

Expert:innen erinnerten daran, dass internationale Verträge den Einsatz von Cannabis zu medizinischen Zwecken erlauben.

Die Teilnehmer:innen forderten Regulierungen, die auf wissenschaftlicher Evidenz und auf den Erfahrungen von Patient:innen basieren.

Letzte Änderung am Samstag, 14 März 2026 11:20
Maria Taramona

María Elena Taramona de Rodríguez ist Journalistin, Grafikdesignerin sowie Chefredakteurin und Herausgeberin des zweisprachigen Magazins CulturaLatina & Österreich. Seit 2005 lebt sie in Österreich und gründete 2009 in Wien ihre eigene Werbeagentur, aus der später das Magazin entstand. Mit viel Engagement setzt sie sich dafür ein, kulturelle Verbindungen zwischen Österreich und der lateinamerikanischen Community zu stärken und den interkulturellen Austausch zu fördern.

 

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Newsletter Anmeldung
Please wait
Don't have an account yet? Register Now!

Sign in to your account