Die Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, öffentlicher Verwaltung, Wissenschaft, zivilgesellschaftlichen Organisationen und migrantischen Communities zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam über die Herausforderungen und Chancen des Zusammenlebens in einer vielfältigen Gesellschaft nachzudenken.
Dem partizipativen Ansatz von Viena Latina folgend, bildeten die Erfahrungen von Personen mit Migrationshintergrund den Ausgangspunkt für einen direkten Dialog mit jenen, die politische Prozesse mitgestalten. Ziel war es nicht, über sie zu sprechen, sondern ihnen zuzuhören.
Barrieren, Teilhabe und Zugehörigkeit
In den Arbeitsgruppen wurden Themen wie sprachliche und bürokratische Hürden, der Zugang zum Arbeitsmarkt, politische und gesellschaftliche Teilhabe, Zugehörigkeitsgefühl sowie die Rolle von Community-Netzwerken diskutiert.
Eine der Arbeitsgruppen betonte, dass die Komplexität des österreichischen Verwaltungssystems bei neu zugewanderten Menschen Ängste und Unsicherheiten hervorrufen kann, insbesondere wenn Beratungsangebote und soziale Netzwerke fehlen. Eine frühzeitige Unterstützung könne dazu beitragen, die Integration zu erleichtern und zugleich das Verständnis für die österreichische Gesellschaft zu fördern.
Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt betraf die Herausforderungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt sowie die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit zwischen unterstützenden Organisationen und migrantischen Communities zu stärken. Zudem wurden Fälle von Arbeitsausbeutung thematisiert und die Bedeutung von Chancengleichheit unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus hervorgehoben.
Was bedeutet Integration?
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Frage, wie Integration verstanden werden sollte. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es weder eine allgemeingültige Definition noch eine Instanz gibt, die verbindlich festlegen kann, wann eine Person als „integriert“ gilt.
Statt Integration als einseitigen Prozess oder als Forderung nach kultureller Anpassung zu verstehen, wurde sie als gemeinsame Verantwortung von Zugewanderten und Aufnahmegesellschaft beschrieben.
Zudem wurde die Notwendigkeit betont, die im öffentlichen Diskurs verwendeten Begriffe zu hinterfragen und verstärkt Konzepte in den Mittelpunkt zu rücken, die Zusammenleben, aktive Teilhabe und eine inklusive Bürgerschaft fördern.
Projekt Viena Latina – VIELAC
Der Workshop for Migration Policy Makers war die Abschlussveranstaltung des von der EU finanzierten Projekts „Vienna Latina VIELAC“, einer Initiative des Österreichischen Lateinamerika-Instituts, des Wien Museums und der Akademie der bildenden Künste Wien.
Geleitet wird das Projekt vom Historiker Berthold Molden vom Österreichischen Lateinamerika-Institut (LAI) und wird seit zwei Jahren mit einem interdisziplinären Team bestehend aus Russel Altamirano (LAI), Rayen Cornejo (LAI), Carla Bobadilla (Akademie der Bildenden Künste) und Marcela Torres Heredia (Wien Museum) sowie zahlreichen Forscher:innen, Künstler:innen, Kulturvermittler:innen, Citizen Scientists und Vertreter:innen der migrantischen Communities erfolgreich umgesetzt.
Seit 2024 arbeitet VIELAC mit partizipativen Methoden wie Oral History, partizipativer Fotografie (Photovoice), Stadtspaziergängen und der Erstellung digitaler Archive, um die Erfahrungen lateinamerikanischer und karibischer Communities in Wien sichtbar zu machen. Während des Workshops betonte Molden, dass die Schaffung von Räumen für Dialog und Vertrauen, in denen Migrantinnen und Migranten ihre Erfahrungen teilen und sich aktiv einbringen können, zu den größten Erfolgen des Projekts zählt.
In den vergangenen zwei Jahren hat VIELAC 66 Citizen Scientists ausgebildet, 28 offizielle Veranstaltungen organisiert und mehr als 750 Menschen persönlich eingebunden. Einer der wichtigsten Erfolge des Projekts war die Schaffung von Begegnungs- und Dialogräumen, die es den Communities ermöglichten, ihre Migrationserfahrungen sichtbar zu machen und ihre eigenen Perspektiven einzubringen.
Das Projekt endete mit dem Appell, die Zusammenarbeit zwischen Politik, Institutionen und Zivilgesellschaft weiter auszubauen. Migrantinnen und Migranten brauchen Räume, in denen sie ihre Erfahrungen austauschen, ihre Perspektiven sichtbar machen und sich aktiv an gesellschaftlichen Debatten beteiligen können.
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Projekt „Viena Latina – VIELAC“
www.vienalatina.org