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Donnerstag, 04 Juni 2026 13:07

Erzbischof Josef Grünwidl: Orientierung, Dialog und Menschlichkeit als Wegweiser für die Zukunft

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Seiner Eminenz, der Erzbischof von Wien, Josef Grünwidl Foto: CulturaLatina

Bei seinem ersten Sommerempfang im Erzbischöflichen Palais als Erzbischof von Wien begrüßte Josef Grünwidl Vertreterinnen und Vertreter aus Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie zahlreiche Mitarbeitende der Erzdiözese Wien. In seiner Ansprache ging er auf die Rolle der Kirche in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen, die Frage nach Gott, die Verantwortung gegenüber den Schwächsten und die Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz ein.

Religion und Kirche können gerade in Zeiten der Unsicherheit Orientierung, Gemeinschaft und Hoffnung bieten. Für Grünwidl liegt die eigentliche Herausforderung der Kirche nicht in Debatten über interne Reformen, sondern in der grundlegenden Frage nach Gott: Wie kann Gott heute glaubwürdig, verständlich und überzeugend verkündet werden?

Seine Vision für die Erzdiözese Wien ist die einer „Kirche mit tieferen Wurzeln und weit geöffneten Türen“: fest im Glauben verankert und zugleich nahe bei den Menschen, ihren Fragen, Hoffnungen und Sorgen. Eine Kirche, in der der Glaube vertieft, die Gemeinschaft gestärkt und die Nächstenliebe konkret sichtbar wird.

Brücken bauen und zuhören

In der Vision des neuen Erzbischofs nimmt der Dialog einen zentralen Platz ein. Grünwidl versteht sich als Brückenbauer: innerhalb der Kirche, zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen sowie zwischen unterschiedlichen Religionsgemeinschaften. Für ihn sind das Schaffen von Räumen der Begegnung, das Fördern des Gesprächs und das Zuhören wesentliche Voraussetzungen für ein gesundes und respektvolles Zusammenleben.

Künstliche Intelligenz und Menschlichkeit

Ein weiteres Thema des Abends war die künstliche Intelligenz. Für Grünwidl ist die rasante technologische Entwicklung jedoch weit mehr als eine technische Frage. Sie stellt zugleich eine gesellschaftliche, ethische und theologische Herausforderung dar. In Anlehnung an die jüngsten Überlegungen von Papst Leo XIV. betonte er die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit neuen Technologien. Er erinnerte daran, dass jeder technologische Fortschritt dem Menschen und seiner Würde dienen müsse.

Neben Intelligenz braucht die Gesellschaft auch Weisheit, Menschlichkeit und Verantwortung. Entscheidend sei nicht allein die Leistungsfähigkeit der Technologie, sondern der Zweck, dem sie diene, sowie das Menschenbild, das sie präge und stärke.

Soziale Verantwortung als Auftrag

Für Grünwidl existiert die Kirche nicht um ihrer selbst willen, sondern um den Menschen zu dienen. Dieser Auftrag spiegelt sich in zahlreichen sozialen Initiativen wider, die von der Erzdiözese Wien und ihren Einrichtungen getragen werden. Dazu zählen Angebote für Familien, Kinder und Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die vielfältige Arbeit der Caritas sowie neue Projekte wie die erste pädiatrische Palliativstation Österreichs und ein Wohnprojekt für Mütter nach ihrer Haftentlassung.

Diese Initiativen stehen für eine Kirche, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt und insbesondere jenen Aufmerksamkeit schenkt, die Unterstützung, Begleitung und neue Perspektiven benötigen.

Religion als Rückbindung an Gott. Diese An- und Rückbindung des Lebens wird in Zeiten des Umbruchs wichtiger und notwendiger. Sie kann Orientierung und Resilienz bieten, ein Obdach für die Seele, Gemeinschaft, Orientierung für das Leben im Auf und Ab und sogar eine Hoffnungsperspektive, die über den Tod hinausführt.  —Erzbischof Josef Grünwidl

Erzbischof Josef Grünwidl. Foto: Stephan Schönlaub/Erzdiözese Wien
Erzbischof Josef Grünwidl. Foto: Stephan Schönlaub/Erzdiözese Wien

Neue Wege

Gerade in schwierigen Zeiten, zeigte sich der Erzbischof mit Blick auf die Zukunft optimistisch. Fast die Hälfte der Mitarbeitenden der Erzdiözese Wien wird in den kommenden Jahren das Pensionsalter erreichen. Diese Entwicklung bringt zwar erhebliche organisatorische Veränderungen mit sich, eröffnet aber zugleich Chancen für Erneuerung, neue Ideen und die Weiterentwicklung kirchlicher Strukturen.

Bereits als Administrator nahm Grünwidl mehrere personelle Neubesetzungen in zentralen Leitungsfunktionen vor. Dazu zählen die Bestellung eines neuen Finanzchefs, eines neuen Rechts- und Immobilienverantwortlichen sowie einer neuen Chefcontrollerin. Zudem stehen weitere Wechsel an, darunter die Nachfolge im Amt des Generalvikars und die Pensionierungen von Pressesprecher Michael Prüller sowie Dompfarrer Toni Faber.

Zeichen der Hoffnung

Trotz aller Herausforderungen erkennt Grünwidl zahlreiche Zeichen der Hoffnung: innovative Projekte, engagierte Mitarbeitende und eine lebendige Kirche, die sich weiterhin wandelt und weiterentwickelt. Wie er selbst betonte: „Die Kirche ist besser als ihr Ruf.“

Der Abend klang bei einem Buffet, Getränken und dem beliebten Kaffee von Mamas Café aus, einem sozialen Projekt zur beruflichen Integration von Alleinerziehenden.
In herzlicher Atmosphäre nutzten die Gäste die Gelegenheit zu Gesprächen und zum Networking, geprägt von der Nähe zu den Menschen, dem Charisma und der zukunftsorientierten Vision von Erzbischof Josef Grünwidl.

Markus Figl, alcalde del 1.º distrito de Viena (izq.), y Mag. P. Dariusz Schutzki CR, vicario episcopal y párroco, participaron en el Sommerempfang de la Arquidiócesis de Viena. Foto: Stephan Schönlaub/Erzdiözese Wien.
Markus Figl, Bezirksvorsteher des 1. Wiener Gemeindebezirks (links), und Dariusz Schutzki, Bischofsvikar und Pfarrer, nahmen am Sommerempfang der Erzdiözese Wien teil. Foto: Stephan Schönlaub / Erzdiözese Wien.
Vista general del primer Sommerempfang de la Arquidiócesis de Viena presidido por el arzobispo Josef Grünwidl, celebrado en el patio del Palacio Arzobispal. Foto: Stephan Schönlaub/Erzdiözese Wien.
Ansicht des ersten Sommerempfangs der Erzdiözese Wien unter dem Vorsitz von Erzbischof Josef Grünwidl, der im Innenhof des Erzbischöflichen Palais stattfand. Foto: Stephan Schönlaub / Erzdiözese Wien.
Letzte Änderung am Donnerstag, 04 Juni 2026 14:00
Redaktion

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