„Unsere Arbeit richtet sich an Menschen, die oft am Rande der Gesellschaft stehen, ausgebeutet und traumatisiert wurden. Unser Ziel ist es, ihnen die Fähigkeiten und das Selbstvertrauen zu geben, ein neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen“, erklärt Andrea Staudenherz, die selbst vier Jahre in der Prostitution gefangen war und sexuellen Missbrauch erlebt hat. Diese Erfahrungen inspirierten sie, Hope for the Future zu gründen, um Menschen mit ähnlichen Erlebnissen zu helfen.
Vielfältige Unterstützung für Betroffene
Seit seiner Gründung bietet Hope for the Future ein breites Spektrum an Programmen, um Betroffene auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Das Angebot reicht von Deutschkursen über Näh- und Handwerksworkshops bis hin zu Beratung und praktischer Hilfe bei der Arbeitsintegration. Besonders hervorzuheben ist ein Projekt in Kooperation mit einem Seminarhotel in Niederösterreich, das Betroffenen, die bereits am Trainingsprogramm des Vereins teilgenommen haben, eine sichere Arbeits- und Wohnmöglichkeit bietet. „Dieses Projekt richtet sich an Klienten, die aus Schutzhäusern kommen und noch keine eigene Wohnung haben. Sie können in einem regulären Arbeitsverhältnis im Hotel tätig sein und gleichzeitig erste berufliche Erfahrungen sammeln. So schaffen sie die Grundlage für finanzielle Unabhängigkeit und die Suche nach einer eigenen Wohnung“, erläutert Staudenherz.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Unterstützung sind kreative Selbsthilfeansätze, insbesondere in den Nähworkshops, in denen handgefertigte Produkte wie Taschen und Accessoires entstehen. Diese tragen nicht nur zur Finanzierung des Vereins bei, sondern bieten den Teilnehmern wertvolle Fähigkeiten, die ihnen helfen können, sich eine Existenz aufzubauen – sogar im Ausland, falls eine Rückkehr ins Herkunftsland notwendig wird. „Eine Nähmaschine kann für eine Frau in Nigeria zu einem Mittel der Selbstbestimmung und des Lebensunterhalts werden“, betont Staudenherz.
Das verborgene Problem in Österreich
Menschenhandel und Prostitution sind globale Probleme, die auch Österreich betreffen. Viele Menschen wissen nicht, dass diese Formen der Ausbeutung oft direkt vor ihrer Tür geschehen. Laut Schätzungen sind weltweit fast 50 Millionen Menschen von Menschenhandel betroffen, ein Großteil davon durch sexuelle Ausbeutung. Hope for the Future arbeitet eng mit nationalen und internationalen Organisationen zusammen, um Betroffenen zu helfen und das Bewusstsein für dieses Problem zu schärfen.
Die Klienten des Vereins stammen aus unterschiedlichen Ländern, darunter Rumänien, Nigeria, China und Ungarn. Während der Großteil der Betroffenen Frauen sind, verzeichnet der Verein in den letzten Jahren auch einen Anstieg bei männlichen Klienten. „In den neun Jahren unserer Tätigkeit hatten wir noch nie eine österreichische Klientin. Die meisten Opfer in der Prostitution in Österreich sind Ausländerinnen, häufig aus Osteuropa oder Afrika“, erklärt Staudenherz.
Multikulturelle Integration und Teamarbeit
Die Vielfalt der Herkunftsländer der Klienten spiegelt sich auch in der multikulturellen Ausrichtung des Vereins wider. Hope for the Future verfügt über ein Team von Mitarbeitern aus verschiedensten Kulturen, darunter Italien, Ungarn, die Ukraine, Iran, Kolumbien und Kasachstan. Diese Vielfalt ermöglicht es dem Verein, die kulturellen Hintergründe der Betroffenen besser zu verstehen und gezielt auf ihre Bedürfnisse einzugehen. „Unsere Weihnachtsfeiern sind ein schönes Beispiel für die bunte Vielfalt, die unser Team ausmacht – jeder bringt etwas aus seiner eigenen Kultur mit. Es ist eine besondere Art, unsere Gemeinschaft zu feiern“, so Staudenherz.
Finanzielle Herausforderungen und Zukunftsvisionen
Trotz der Erfolge steht Hope for the Future vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. „Wir finanzieren uns fast ausschließlich über Spenden und erhalten keine staatliche Unterstützung“, erklärt Staudenherz. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten und die Inflation haben die Spendenbereitschaft in den letzten Jahren stark beeinträchtigt, was es dem Verein erschwert, alle Projekte aufrechtzuerhalten. Dennoch ist der Bedarf an Unterstützung größer denn je.
Neben Geldspenden freut sich der Verein auch über Sachspenden wie Stoffe, Reißverschlüsse und Nähmaschinen, die in den Workshops verwendet werden. Diese Materialien ermöglichen den Teilnehmern, ihre neu erworbenen Fähigkeiten anzuwenden und Selbstvertrauen durch kreative Arbeit zu gewinnen. „Wir versuchen, so viele Ressourcen wie möglich nachhaltig zu nutzen. Aus gebrauchten Materialien entstehen neue Produkte – ein kleines Symbol für die zweite Chance, die auch unsere Klienten erhalten“, so Staudenherz.
Trotz der finanziellen Schwierigkeiten gibt es ehrgeizige Pläne für die Zukunft. „Wir möchten unseren Stickbetrieb weiter ausbauen und planen, in der Gastronomie tätig zu werden. Ein Café oder ein Cateringservice, in dem unsere Klienten arbeiten können, wäre eine großartige Möglichkeit, weitere Arbeitsplätze zu schaffen“, erklärt Staudenherz.
Erfolge und zukünftige Perspektiven
Trotz aller Herausforderungen kann Hope for the Future bereits zahlreiche Erfolge vorweisen. „Allein in diesem Jahr haben zehn unserer Klienten eine feste Arbeitsstelle gefunden, in der sie frei von Ausbeutung und in Würde arbeiten können“, berichtet Staudenherz stolz. Der Verein betreut inzwischen auch verstärkt männliche Opfer von Menschenhandel, vor allem in den Bereichen Arbeitsausbeutung und organisierte Bettelei. Seit 2019 machen Männer etwa ein Drittel der Klienten aus.
Alle Spenden an den Verein sind steuerlich absetzbar, und Hope for the Future trägt das Spendengütesiegel.
Ein Appell an die Gesellschaft
Abschließend richtet Andrea Staudenherz einen dringenden Appell an die Öffentlichkeit, aufmerksam zu sein und aktiv gegen Menschenhandel und Ausbeutung vorzugehen. „Menschenhandel passiert nicht nur in fernen Ländern. Es gibt ihn auch hier in Österreich, oft direkt vor unserer Tür“, warnt sie. Sie fordert die Gesellschaft auf, verdächtige Vorfälle zu melden, entweder bei der Polizei oder über spezielle Hotlines.
Der Verein ist zudem auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. „Wir freuen uns über jede Unterstützung, sei es in unseren Deutschkursen, handwerklichen Workshops oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Jede helfende Hand ist willkommen“, betont Staudenherz.
Abschließend sagt sie: „Unsere Arbeit ist oft herausfordernd, aber die Freude und Dankbarkeit unserer Klienten geben uns die Kraft, weiterzumachen. Gemeinsam können wir einen Unterschied machen – für eine Welt, in der Ausbeutung und Menschenhandel keinen Platz mehr haben.“

Eckdaten:
Verein HOPE FOR THE FUTURE
Andrea Staudenherz
office@hopeforthefuture.at
+43 (0)677 614 815 00
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