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Mittwoch, 07 April 2021 08:13

Abtreibung in Lateinamerika bleibt kontrovers

Von
Nationale Kampagne für das Recht auf legale, sichere und freie Abtreibung in Argentinien. © www.facebook.com/CampAbortoLegal

Nach mehr als einem Jahrzehnt des Kampfes wurde die sichere und kostenlose Abtreibung am 30. Dezember 2020 in Argentinien legalisiert. Somit ist Argentinien das größte Land Lateinamerikas, das die Freiwillige Beendigung der Schwangerschaft (FBS) zulässt.

Derzeit ist die FBS in Lateinamerika in den Ländern Kuba, Uruguay, Guyana, Französisch-Guayana, Argentinien und in zwei Bundesstaaten in Mexiko legal, in El Salvador, Nicaragua, Honduras, Haiti und der Dominikanischen Republik dagegen völlig verboten. In den übrigen Ländern Lateinamerikas ist ein Schwangerschaftsabbruch legal nur sehr eingeschränkt möglich - etwa bei einer Vergewaltigung oder bei einem zu hohen gesundheitlichen Risiko für die Schwangere oder den Fötus.

Nach Angaben des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) weist die Region weltweit die zweithöchste Schwangerschaftsrate bei Teenagern auf. Dies ist auf eine Kombination von Faktoren wie mangelnde Sexualerziehung, Zugang zu Verhütungsmitteln und zunehmende sexuelle Gewalt gegen Frauen zurückzuführen.

Zweifellos hat der argentinische feministische Kampf einen großen Einfluss auf die Mobilisierung feministischer Gruppen in ganz Lateinamerika. Ihr Erfolg ist zu einem Symbol der Hoffnung und zu einem Beispiel für feministische Gruppen geworden, um Druck auf Regierungen auszuüben und Gesetze zu fordern, welche die sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen und Schwangeren schützen und verteidigen.

Die grüne Flut

Die Reaktionen auf die argentinische Entscheidung in der Region waren sehr unterschiedlich. In Venezuela, wo Abtreibung wie in Costa Rica, Guatemala, Paraguay und Peru nur erlaubt ist, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist - sprich Vergewaltigung und Gefahr für den Fötus stellen keine legalen Gründe für eine Abtreibung dar -, erklärte der Präsident der offiziellen Nationalversammlung, dass bereits Vorschläge zur Entkriminalisierung von Abtreibung eingebracht wurden. Weniger als einen Monat später berichtete jedoch die BBC über den Fall der Lehrerin und Aktivistin Vanesa Rosales aus Venezuela, die unter Hausarrest steht und auf ihren Prozess wartet, da sie ein 13-jähriges vergewaltigtes Mädchen bei der Abtreibung unterstützte. Freigelassen wurde hingegen der mutmaßliche Vergewaltiger, der mittlerweile geflohen ist und von Interpol gesucht wird.

Con la firma del presidente Alberto Fernández se promulga la Ley que reconoce la soberanía de las muejres argentinas sobre sus cuerpos y decisiones. Es LEY (Foto: © www.facebook.com/CampAbortoLegal)
Mit der Unterschrift des Präsidenten Alberto Fernández wird das Gesetz verkündet, das die Souveränität argentinischer Frauen über ihren Körper und Entscheidungen anerkennt. (Foto: © www.facebook.com/CampAbortoLegal)

In Mexiko erklärte Präsident López Obrador, es sei an der Zeit, über eine nationale Entkriminalisierung der Abtreibung zu sprechen, da bisher die mexikanischen Staaten eigenständig über die Legalität von Abtreibungen entscheiden können.

Auch in Chile wird die Debatte zur Entkriminalisierung der Abtreibung - welche bisher bei Vergewaltigung, bzw. bei Gefahr der schwangeren Person oder des Fötus legal möglich ist - geführt.

Im Gegensatz dazu twitterte der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro einen Tag nach der Entscheidung Argentiniens: „Solange es von mir und meiner Regierung abhängt, wird eine Abtreibung auf unserem Boden niemals genehmigt. (...)".


Honduras hat seit mehr als zwei Jahrzehnten das vollständige Abtreibungsverbot durch Verankerung in der Verfassung vor der Möglichkeit einer künftigen Legalisierung „abgeschirmt“. Diese Aktion ist eine Position gegen die argentinische Entscheidung in einem Land, das durch seinen religiösen Konservatismus gekennzeichnet ist, der die politischen Machtbereiche durchdringt.

Wenn es um Abtreibung in Lateinamerika geht, ist es daher unumgänglich, über die Kirche als einen der relevanten Akteure in der Debatte zu sprechen, da sie nicht nur das öffentliche Denken formt, sondern auch starke politische Bindungen und Einflussbereiche bei der Entscheidungsfindung aufweist. So twitterte Papst Franziskus einen Tag vor der argentinischen Entscheidung: "Der Sohn Gottes wurde verworfen geboren, um uns zu sagen, dass jede verworfene Person ein Kind Gottes ist (...)."

Miles de mujeres marcharon en Ciudad de México el 8 de marzo (2019). (Foto: © Adriana Alarcón)
Tausende Frauen marschierten am 8. März (2019) in Mexiko-Stadt. (Foto: © Adriana Alarcón)

Domino-Effekt?

Sowohl die moralische und soziale Verurteilung durch patriarchale Strukturen als auch der religiöse Konservatismus sind zutiefst in der lateinamerikanischen Kultur und Politik verwurzelt und machen radikale rechtliche Änderungen unmöglich. Was jedoch passieren kann, ist eine allmähliche Veränderung, bei der Regierungen wie in Argentinien durch eine Kombination sozialen Drucks und neuer Visionen der Entscheidungsträger die Tür zur Legalisierung der FBS öffnet.

Der Kampf feministischer Gruppen gegen diskriminierende Strukturen steht erst am Anfang und wird durch Erfolge wie in Argentinien weiter angetrieben. In Mexiko beispielsweise hat der Druck feministischer Bewegungen die Schaffung von Gesetzen wie “Ley Olimpia” und “Ley Ingrid” zum Schutz von Frauen ermöglicht.

Tatsache ist, dass Frauen die abtreiben möchten, dies unabhängig von der Legalität tun und auch weiterhin tun werden. Die Kriminalisierung der Abtreibung zwingt hingegen Schwangere, den Abbruch unter teilweise unsicheren Umständen durchzuführen oder durchführen zu lassen. Das betrifft insbesondere Frauen, die von Armut betroffen sind, da es für diese keine Möglichkeit gibt, in Länder zu reisen, in welchen eine Abtreibung legal möglich ist. Daher bleibt zu hoffen, dass aufgrund des argentinischen Umdenkens zeitnah auch ein Perspektivwechsel der Regierungen anderer Länder stattfindet, welcher Abtreibung als Problem der öffentlichen Gesundheit anerkennt und die betroffenen Personen in ihren Entscheidungen unterstützt.

Letzte Änderung am Samstag, 10 April 2021 13:29
Lic. Ariadne Galicia

Ariadne Galicia (México) es Licenciada en Relaciones Internacionales. Reside en Viena desde hace poco y planea hacer una Maestría en Periodismo. Ha trabajado en la Secretaría de Relaciones Exteriores de México y en la Embajada del Perú en México. Es una apasionada por las luchas sociales, por la política y escritura. En su tiempo libre disfruta de leer, hacer deportes, ir a museos y caminar en la naturaleza.

Ariadne Galicia (Mexiko) hat das Studium Internationalen Beziehungen absolviert. Sie lebt seit kurzem in Wien und plant einen Master in Journalismus zu machen. Sie hat im mexikanischen Außenministerium und in der peruanischen Botschaft in Mexiko gearbeitet. Sie engagiert sich leidenschaftlich für soziale Kämpfe, Politik und das Schreiben. In ihrer Freizeit liest sie gerne, treibt Sport, geht in Museen und in die Natur.

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