Die deutsch-spanische Kulturzeitschrift Österreichs

CulturaLatina: Lateinamerikanische Zeitschrift Österreichs auf Spanisch und Deutsch


CULTURA DE AUSTRIA

  • Tracht y Dirndl
    Tracht y Dirndl El Tracht para los hombres y Dirndl para las mujeres, son los trajes típicos de…
  • ¿Qué es Krocha?
    ¿Qué es Krocha? Krocha en dialecto y Kracher en el idioma alemán estándar. Se denomina “Krocha” o “Kracher”…
  • ¿Conoce las "Mohnzelten"?
    ¿Conoce las "Mohnzelten"? Mohnzelten, en español "tiendas/carpas de amapolas" son una especialidad dulce típica de la región del…
  • ¿Comida vienesa o de Austria?
    ¿Comida vienesa o de Austria? La gastronomía vienesa no se puede comparar con la del resto de los Estados federados…
  • El Palacio de Schönbrunn
    El Palacio de Schönbrunn El Palacio de Schönbrunn construido en el siglo XVI es una de las principales obras…
Donnerstag, 11 November 2021 21:03

uugot.it: Leicht Deutsch lernen und sich in der Gesellschaft integrieren

Von María Andrea Isabel Múñoz Armijo
Philipp Etzlinger Foto: Ivett Ángeles Litano

Das Erlernen einer Sprache kann manchmal schwierig sein. Das Erlernen der Kultur eines Landes kann sogar noch härter sein. Der in Österreich geborene Philipp Etzlinger musste erfahren, was ein Migrant in Sachen Kommunikation durchmachen muss. Er entdeckte einen Nischenmarkt, auf dem er beide Seiten der Medaille kannte. Ein ideenreicher Problem Solver hat gemeinsam mit seinem Team ein Lern- und Integrationswerkzeug entwickelt: uugot.it.

Die Applikation gewann bereits wichtigen Auszeichnungen wie: „Digital Business Award der Austria Presse Agentur & Styria Digital One (2018, 3. Platz), „Integrationspreis der Stadt Linz“ (2017),“Call4Europe Award“ (2016), Österr. Flüchtlings- und Migrationspreis (2015,2. Platz).

Derzeit gibt es drei Varianten von uugot.it:

uugot.it TV: Frei zugängliche Version für Privatpersonen mit täglichen Berichten von Fernsehsendern. Verfügbar in mehreren Sprachen.

uugot.it sCOOLing: Für Schulen und Klassen mit begleitendem Unterrichtsmaterial auf den Stufen A1 bis C1.

uugot.it sCOOLingplus: Für Unternehmen, Organisationen und kommunale Einrichtungen. Spezifische Inhalte werden mit der Technologie von uugot.it aufbereitet.

Wie entstand die Idee zur App?

Mein ERASMUS-Studium führte mich nach Paris um auf der INSEEC, einer Grand Ecole de Commerce, zu studieren. In Frankreich angekommen, bemerkte ich jedoch sehr rasch, dass mein Schulfranzösisch nicht ausreichend war, um den Vorlesungen auf der Uni zu folgen. Ich musste somit schnellstens mein Französisch aufmöbeln, um letztendlich die Prüfungen positiv absolvieren zu können. Ich ging damals radikal an die Sache heran. Ich bin nicht mit anderen Österreichern in eine WG, sondern bin mit einer Französin zusammengezogen. Es ist ja bekannt, dass Franzosen im Allgemeinen nicht so gerne Fremdsprachen sprechen, d.h. man ist automatisch dazu gezwungen, sich mit Französisch durchzuschlagen. Bei meiner Wohnungskollegin war das auch der Fall. Sie sprach nur rudimentäres Englisch und am Anfang war es eher so, dass wir uns mit Händen und Füßen verständigten. Die Kommunikation war somit nicht sehr tiefgründig.

Philipp Etzlinger: uugot.it fördert den Integrationsprozess von Zuwanderern. (Foto: Ivett Ángeles Litano)
Philipp Etzlinger: uugot.it fördert den Integrationsprozess von Zuwanderern. (Foto: Ivett Ángeles Litano)

Aber trotz allem, es half ungemein das Vokabular wieder ins Gedächtnis zu rufen und zu festigen. Zusätzlich habe ich mir oft die Nachrichten im Hauptabendprogramm angesehen. Es interessierte mich sehr, was in anderen Landesteilen Frankreichs geschah – etwa in Bordeaux, Montpellier oder auch anderswo… Bei globalen Themen tat ich mir relativ leicht. Untertags las ich online österreichische Tageszeitungen und deswegen wusste ich schon mal, worum es ging. Durch die Nachrichten auf France 2 konnte ich nicht nur bald die Sprache besser verstehen, es wurde mir auch die französische Sichtweise bewusst. Wie wird über bestimmte Themen gedacht, wie ist der öffentliche Diskurs? Das fand ich unglaublich spannend – wohl auch, weil mich die französische Kultur immer schon sehr interessiert hatte.

Ich schlüpfte damals selbst ein klein wenig in die Rolle eines Migranten, eines Fremden – wenn auch in wesentlich privilegierteren Verhältnissen, trotz meiner bescheidenen Unterkunft in der Pariser Banlieue, in der es nicht nur einmal zu größeren Polizeirazzien kam. Und ich lernte sehr viel dabei. In Gesprächen mit anderen internationalen Studierenden an unserer Grand Ecole fand ich heraus, dass viele von ihnen lokales Fernsehen nutzten, um ihr Französisch zu verbessern.

Nur gab es eine große Schwierigkeit: Das alles spielte sich im Jahr 2004 ab, zu einer Zeit, als es Smartphones und Apps noch nicht gab. Das erste iPhone wurde erst 2007 erfunden.

Was bedeutete das? Das Fernsehen war damals noch linear, d.h. man konnte es nur „live“ sehen, in normaler Geschwindigkeit. Man konnte Sendungen nicht anhalten oder gar zurückspielen, um Passagen, die man nicht verstanden hatte, noch einmal zu wiederholen. Es war also ziemlich schwierig, wenn man die Sprache nicht beherrschte. Gerade zu Beginn fühlte ich mich regelmäßig überfordert. Ich saß auf meinem Bett und schrieb mir während der Nachrichten alle wichtig erscheinenden Wörter auf, die ich nicht verstanden hatte. Ich schlug sie zeitgleich in meinem Wörterbuch nach. Natürlich war das alles ein Overkill.

Trotzdem, obwohl es so mühsam war, hat es mir sehr geholfen, richtig Französisch zu lernen und die Landsleute besser zu verstehen – auch im übertragenen Sinne. Meine Erfahrungen kamen mir später wieder in den Sinn und ich wollte mit den neuen technologischen Möglichkeiten den Menschen ein Tool als Hilfestellung zur Verfügung stellen, welches ich mir damals auch dringend gewünscht hätte.

Für welche Zielgruppe ist die App gedacht?

uugot.it wurde von Anfang an als Integrationslösung gedacht. Migration, Integration und Inklusion ist in unserer globalisierten Welt ein zentraler gesellschaftlicher Themenkomplex und wird es auch zukünftig bleiben. Fernsehen kann, wenn richtig eingesetzt, ein nützliches Werkzeug sein, denn Fernsehen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es macht verständlich, was uns ausmacht, was uns prägt. Die Themen unserer Gesellschaft werden abgebildet, Ansichten, Kultur, Werte und Traditionen werden transportiert. Über das Medium Bewegtbild können die Menschen abgeholt werden, auch wenn sie zu Beginn noch wenig Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft haben. Zugewanderte finden einen idealen Nährboden vor, ein Mittel, um sich auf die Gesellschaft zuzubewegen. uugot.it richtet sich an alle, die sich auf die hiesige Gesellschaft einlassen und mehr über sie erfahren möchten, aber den Inhalten aufgrund der Sprachbarriere noch nicht folgen können. uugot.it ist ein Begleiter, der dabei hilft, am Tagesgeschehen teilzuhaben, lokale oder regionale Besonderheiten zu verstehen, aber auch die Umgangssprache zu erwerben.

Es ist schon für deutsche Muttersprachler schwierig genug, ständig auf dem Laufenden zu bleiben. Wie schwierig ist es dann erst recht für Menschen, die eine andere Muttersprache gelernt haben und Deutsch erst später im Leben, als Zweitsprache aneignen? Genau aus diesem Grund haben wir einen Corona-Kanal eingerichtet -> tägliche ORF-Informationen aus der ZIB und ZIB2 sprachbarrierefrei – egal ob am Android-Smartphone, iPhone oder via Browser.

Philipp Etzlinger: Fernsehen kann, wenn richtig eingesetzt, ein nützliches Werkzeug sein, denn Fernsehen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft.  (Foto: Ivett Ángeles Litano)
Philipp Etzlinger: Fernsehen kann, wenn richtig eingesetzt, ein nützliches Werkzeug sein, denn Fernsehen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. (Foto: Ivett Ángeles Litano)

Was sind die Vorteile von uugot.it?

Der große Vorteil liegt auf der Hand: uugot.it macht lokales Fernsehen verständlich, fördert zudem gleichzeitig den Spracherwerb - und zwar mit interaktiven intralingualen Untertiteln. Was bedeutet das? Bei uugot.it wird eine Sendung nicht mit anderssprachigen Untertiteln versehen. Dabei lernt man nämlich zu wenig. Vielmehr müssen, um die deutsche Sprache zu lernen, intralinguale, also gleichsprachige Untertitel eingesetzt werden. Eine deutschsprachige Sendung erhält deutsche Untertitel, die aber interaktiv sind. Das ist der Clou an der ganzen Sache. Die Wörter in der Untertitelung werden klickbar. Deutschlernende bekommen bei Wörtern, die sie nicht verstehen, per Touch oder Klick eine Übersetzung eingeblendet. Gleichzeitig werden diese Begriffe in der uugot.it-App gespeichert, damit die User später mit ihren individuellen Lernwörtern und interaktiven Vokabelkarten arbeiten können. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Abspielgeschwindigkeit von Videos an die eigenen sprachlichen Fähigkeiten anzupassen.

Auf welche Schwierigkeiten bist du bei der Antragstellung gestoßen?

Die Idee für uugot.it entstand, wie vorhin geschildert, aus dem eigenen Erleben heraus. Ich wollte das Sprachproblem, das ich im fremdsprachigen Ausland erfahren hatte, für andere lösen. Ich erinnere mich gut, dass ich von einem Jurymitglied belächelt wurde, als ich uugot.it erstmals vorstellte. „Das kann nicht funktionieren, das geht nicht“, hieß es im Jahr 2014. Als 2015 und 2016 die großen Fluchtbewegungen einsetzten, kam Bewegung in die Sache. Nun wurde plötzlich dringend nach Lösungen gesucht. Heute liegen die Schwierigkeiten darin, eine flächendeckende Finanzierung aufzustellen bzw. auf breiter Basis mit Vereinen und Organisationen, wie auch dem ÖIF und NGOs, zusammenzuarbeiten. Fakt ist, dass uugot.it nur zum Teil von öffentlicher Hand finanziert wird. In Österreich gibt es momentan grosso modo nur Projektfinanzierungen, was eine langfristige Planung schwierig macht – dazu sind aber auch Politikzyklen zu kurz.

Philipp Etzlinger: uugot.it macht lokales Fernsehen verständlich, fördert zudem gleichzeitig den Spracherwerb - und zwar mit interaktiven intralingualen Untertiteln. (Foto: Ivett Ángeles Litano)
Philipp Etzlinger: uugot.it macht lokales Fernsehen verständlich, fördert zudem gleichzeitig den Spracherwerb - und zwar mit interaktiven intralingualen Untertiteln. (Foto: Ivett Ángeles Litano)

Glaubst du, diese App könnte bei der Integration helfen?

Ich glaube das nicht nur, ich weiß es! Ich weiß es aus meiner eigenen Erfahrung heraus. Als ich in Frankreich lebte, hätte ich mir so ein Tool händeringend gewünscht, um Land und Leute besser verstehen zu können. Ich weiß es aber auch von unseren NutzerInnen. Bei Umfragen geben eigentlich fast alle unser User an, dass sie uugot.it nutzen, um die Vorgänge im Land besser zu verstehen – und natürlich um besser Deutsch zu lernen.

Aber es gelten, wie eigentlich immer beim Lernen, folgende Prämissen: Der Content muss für den User von Belang sein und der User muss die entsprechende intrinsische Motivation mitbringen, um dranzubleiben.

Was unterscheidet uugot.it von anderen Apps?

Die Förderung von Integration und Inklusion liegt quasi in unserer DNA. Jeder Mensch, der in ein anderes Land kommt, steht vor großen Herausforderungen, insbesondere wenn er oder sie die Landessprache nicht beherrscht. Eine neue Sprache, eine andere Kultur, Unterschiede bei allen möglichen Regelungen und in so gut wie allen Lebensbereichen. uugot.it hilft Zugewanderten, sich in dieser neuen Umgebung leichter zurechtzufinden. Dazu zählt auch die Umgangssprache. Im Deutschkurs, in einer Sprachlern-App wird Standardsprache vermittelt. Bleibt für MigrantInnen noch immer die große Schwierigkeit, die Umgangssprache auf der Straße oder gar Dialekte zu verstehen. uugot.it setzt genau an diesem Punkt an.
In der vom Bundeskanzleramt über den NAP.I teilgeförderten Lösung geht es aber auch darum, der tagesaktuellen Medienberichterstattung in Österreich leichter folgen zu können, um so – nicht nur in Corona-Zeiten, aber hier zeigt sich die Dringlichkeit wohl am deutlichsten – eine Anlaufstelle für migrantische Communities zu sein.

Website: www.uugot.it

Letzte Änderung am Sonntag, 21 November 2021 14:38

Newsletter Anmeldung

Don't have an account yet? Register Now!

Sign in to your account