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Donnerstag, 05 November 2020 22:57

“El canto del cisne negro”: Liebesgrüße aus Wien an die klassische und lateinamerikanische Musik

Von Christian Blanco
Nicole Peña-Comas y Hugo Llanos Campos se complacen en presentar el CD "El canto del cisne negro" - Ars Produktion. Foto: Stefan Galván

Die renommierte dominikanische Cellistin Nicole Peña-Comas und der junge chilenische Pianist Hugo Llanos Campos präsentieren ihr neues Album „El canto del cisne negro“, eine Zusammenstellung lateinamerikanischer Stücke mit Wurzeln in der klassischen Musik. 

Wie bist du nach Wien gekommen?

Nicole: Ich bin dank der Tatsache gekommen, dass meine Schwestern, die auch Musikerinnen sind, (Nathalie, Sopranistin und Pianistin und Evelyn, Flötistin) in Wien studierten. Nach dem Abitur habe ich mich auch für das musikalische Abenteuer in Wien entschieden.

Hugo: Meine Geschichte in Wien reicht sechs Jahre zurück. Damals fragte ich mich, ob ich in St. Petersburg oder Wien studieren sollte. Zuerst besuchte ich Wien und verliebte mich in die Stadt, dann kam ich wieder, um die Aufnahmeprüfungen abzulegen. Schließlich habe ich mich wegen seiner hohen Lebensqualität und Musik für Wien entschieden. Ferner war mein Bruder hier und das war eine zusätzliche Unterstützung in meinem Leben.

Nicole, warum das Cello?
Es ist wirklich eine sehr lustige Geschichte, da ich Geige lernen wollte und es zu dieser Zeit an der Musikschule keine Plätze mehr für Schüler gab. Sie schlugen mir vor Cello zu probieren, obwohl ich nicht wusste, was es war. Dann habe ich es versucht und der Rest ist Geschichte.

Nicole Peña-Comas y Hugo Llanos Campos muestran el álbum
Nicole Peña-Comas und Hugo Llanos Campos zeigen die CD "El canto del cisne negro" eine Zusammenstellung lateinamerikanischer Stücke mit tiefen Wurzeln der klassischen Musik. (Foto: Stefan Galván).


Welche Kriterien gab es für eure Auswahl der Werke des Albums?

Nicole: Da wir lateinamerikanische Musiker in Europa sind, wollten wir klassische lateinamerikanische Werke inkludieren. Deswegen wählten wir zwei Sonaten aus, die die Säule unseres Albums bilden, nämlich die Sonate des Mexikaners Manuel Ponce und die Sonate des Argentiniers Constantino. Andererseits waren in dieser Selektion auch die Kompositionen der Romantik wichtig.

Hugo: Wir wollten auch kurze Stücke einbauen, nämlich „Se juntan dos palomitas“ des Chilenes Luis Saglie als Hommage an Violeta Parra, oder „O canto do cisne negro“ vom brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos.

Während euer Karriere können wir euer Engagement sehen, sich an die Wurzeln der lateinamerikanischen Musik zu erinnern und das Interesse an klassischer Musik beizubehalten. Können beide Welten Hand in Hand gehen?

Nicole: Ja, ich denke schon. Tatsächlich gibt es eine Menge lateinamerikanische klassische Musik, die noch unbekannt ist. Eine unserer Aufgaben ist es, diese Musik zu „retten“ und sie in den verschiedenen Szenarien anzukündigen. Gesagt wird, dass man etwas besser in der eigenen „Sprache“ interpretiert oder versteht. Diese ausgewählten Werke unseres Albums wurden in unserer Sprache geschaffen.

Hugo: Ich glaube fest daran, dass lateinamerikanische Musik einen großen Einfluss auf die klassische Musik hat (oder umgekehrt). In den letzten Jahren habe ich dank des Soloalbums, an dem ich arbeite und das ich erforsche, festgestellt, dass es im 19. Jahrhundert viele weltreisende Komponisten gab, die es geschafft haben, die europäische klassische Tradition mit der lateinamerikanischen zu vereinen. Wie im Fall von Louis Moreau Gottschalk, dem chilenischen Federico Guzmán oder dem deutsch-chilenischen Guillermo Deichert. Wir zeigen mit diesem Album Komponisten, die es geschafft haben, die klassische Tradition mit der lateinamerikanischen zu vereinen und das in einer zeitgemäßeren Perspektive.

Nicole Peña-Comas y Hugo Llanos Campos son talentos latinoamericanos que resaltan la música clásica y latinoamericana en Europa. (Foto: Stefan Galván).
Nicole Peña-Comas und Hugo Llanos Campos sind lateinamerikanische Talente, die klassische und lateinamerikanische Musik in Europa hervorheben. (Foto: Stefan Galván).

Nachdem du (Nicole) 2017 das Projekt «Spirituosi» gestartet und 2019 mit Hugo das Duo Selvaggio gegründet hast, erreicht dieses Engagement, die lateinamerikanische Musik der Welt bekannt zu machen, nun mit eurem Album El canto del Cisne Negro seinen Höhepunkt. Erzähle uns, wie die Geschichte war.

Nicole: Nun, es war eine sehr schöne und bereichernde Erfahrung, da Hugo ein großartiger Pianist und Musiker ist. Dies macht die Arbeit mit ihm sehr einfach und alles fließt schnell. Die Arbeit an dem Album war sehr intensiv, da es viel Vorbereitung erfordert, damit alles funktioniert. Wir freuen uns, dass wir mit unserem Konzert am 4. November im Cervantes Institut in Wien und digital am 6. November unter dem deutschen Plattenlabel ARS Produktion persönlich starten können.

Hugo: Ich habe Nicole dank ihrer Schwester Evelyn getroffen, die ich bei ihrer Masterprüfung begleitet habe. Dort schlug Nicole mir dieses Projekt vor und ich war sofort begeistert. Ich fühlte mich sehr identifiziert mit der Idee, die sie mit dem Album zeigen wollte. Damals, als wir das erste Mal spielten, hatte ich das Gefühl, dass wir sofort verstanden, wie wir die Musik des anderen sehen. Dies war der Schlüssel, um das Vertrauen zu erlangen, das wir heute als Duo haben. Heutzutage bedeutet es, der Welt dieses Album zu zeigen, die Leistung zu erbringen, die wir während dieses Prozesses geleistet haben, was uns sehr glücklich macht.

Nicole, du hast auch eine Karriere als Solistin aufgebaut, zum Beispiel beim Nationalen Sinfonieorchester der Dominikanischen Republik und beim Nationalen Konservatorium von Santo Domingo. Möchtest du diese Idee in Zukunft hier in Europa verfolgen?

Solistin zu sein, ist von Anfang an der Traum eines jeden Musikers, und ich fühle mich sehr geehrt, Gastsolistin der Saison des National Symphony Orchestra der Dominikanischen Republik geworden zu sein. Tatsächlich habe ich Haydns Konzert in C-Dur mit dem Concentus21 Orchester in Wien gespielt, was ein unvergessliches Erlebnis war. Was für ein Privileg! Natürlich bin ich fasziniert, wenn ich weitermachen kann, obwohl es viel Arbeit erfordert.

Hugo, du hast in Österreich Musik studiert, Konzerte gegeben und Preise gewonnen. Werden wir dich in die Fußstapfen von Claudio Arrau treten sehen?  Wirst du eines Tages ein Konzert in Mürzzuschlag geben? 

Claudio Arrau wollte am 11. Juni 1991 im österreichischen Mürzzuschlag auftreten, um die Eröffnung des Johannes-Brahms-Museums mit Werken von Beethoven, Mozart und Liszt zu würdigen. Er starb jedoch am 9. Juni 1991 im Mürzzuschlag.

Wenn ich in Mürzzuschlag spielen würde, wäre es mir eine große Ehre, dem Maestro Arrau Tribut zu zollen. Für mich ist es sehr wichtig in Europa zu sein. Er war mein Vorbild als Musiker und Mensch. Ich fühle mich sehr identifiziert mit seiner Geschichte. Schon in jungen Jahren wanderte er von Chile nach Europa aus und baute von Grund auf einen Weg voller Erfolge. Ich würde mir einen Weg wie den seinen für mich wünschen.

Nicole, zusätzlich zu der immensen Anzahl von Konzerten, Projekten und Veranstaltungen, die du koordiniert oder an denen du teilgenommen hast, unterrichtetest du Cello, Blockflöte, Musiktheorie usw. Zusätzlich studiertest du an der Universität Wien Übersetzung. Können wir sagen, dass deine Bemühungen zur Förderung von Kultur und Musik darauf abzielen, "über die Bühne hinaus zu gehen"?

Ja, in der Dominikanischen Republik hatte ich die Gelegenheit, mit El Sistema (Nationales System der Jugend- und Kinderorchester von Venezuela) und mit der Fundación Fiesta clásica zusammenzuarbeiten, die versucht, die Arbeit von El Sistema in der Dominikanischen Republik fortzusetzen. Durch die Trébol-Stiftung in der Dominikanischen Republik, die ich 2012 mit meinen Schwestern gegründet habe, entwickelten wir eine musikalische und soziale Ausbildung, insbesondere in der südlichen Region des Landes, wo die Rate schwangerer Mädchen am höchsten ist. Auch in Wien habe ich mit Institutionen wie SUPERAR (Verein zur Förderung der Musik) zusammengearbeitet, die die Aufgabe haben, Kindern unabhängig von ihrer Religion, Kultur und / oder sozialen Klasse kostenlosen Unterricht und Zugang zu Musik anzubieten. Außerdem unterrichte ich Cello an zwei Schulen in Wien und gebe Meisterkurse. Zum Beispiel wurde ich diesen Sommer zum 5. Quito Cellos Festival eingeladen und im November werde ich als Lehrer an der digitalen Ausgabe von FOSICA 2020 in Kolumbien teilnehmen.

Haydn oder Bach? (Die Frage bezieht sich auf eure Cello- und Klavier- oder Cembalo-Werke.)

Nicole: Haydn, besonders die Streichquartette.

Hugo: Ich glaube nicht, dass ich mich für einen entscheiden könnte. Für mich hat jeder von ihnen seinen eigenen Stempel. Bach ist einerseits der Vater der Fuge und der Polyphonie, der Komponist der Gott am nächsten steht, der ihm alles über die Grundlagen der Kunst des Spielens von Tasteninstrumenten schuldet. Und andererseits haben wir Haydn, den Vater-Komponisten der Symphonie und des Streichquartetts, der zur Entwicklung der Sonatenform in ihrer ganzen Pracht beigetragen hat. Er ist auch der Exponenten-Komponist des Sturm und Drangs, er spielt mit Agogik und Dynamik. Wie kein anderer erzeugt er Empfindungen wie: Betäuben, Schrecken, Amüsieren, Emotionen dominieren...

Wie war eure Erfahrung als lateinamerikanische Musiker in Wien? Seid ihr als Nicht-Europäer auf Schwierigkeiten gestoßen? Gab es Hilfe und Möglichkeiten?

Nicole: Gott sei Dank hatte ich das Glück, viele unterstützende Österreicher zu treffen. Ich fühle mich auch privilegiert, durch Stipendien so viel Unterstützung von der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien erhalten zu haben. Zum Beispiel wurde ich von Tokyo Foundation ausgewählt, das The Ryoichi Sasakawa Young Leaders Fellowship Fund (Sylff) Stipendium für hervorragende akademische Ergebnisse und menschliche Werte zu erhalten.

Hugo: Am Anfang ist alles schwierig. Du musst eine neue Sprache lernen und dich an eine völlig andere Gesellschaft und Kultur anpassen, wie die, aus der du stammst. Seit ich klein war, habe ich Hilfe von Chile erhalten, von Förderern, Institutionen und anonymen Menschen, die sich für meine musikalische Karriere interessiert haben, wofür ich immer dankbar sein werde. Auch Österreich bin ich dankbar, hier zu studieren und mich mit dem Wissen weltweit bekannter Lehrer zu bereichern und viele Möglichkeiten zu haben, in Konzerten zu spielen und meine Arbeit als Pianist zu zeigen.

Welche sind die nächsten Projekte, die ihr gemeinsam plant?

Nicole: Nun, wir haben eine Tour gemacht, um das Album in verschiedenen Ländern Europas, in Lateinamerika und in dem Rest der Welt zu präsentieren.

Hugo: Wir werden weiterhin mit demselben Engagement arbeiten, um der Welt unsere Arbeit zu zeigen.

 

CulturaLatina wünscht euch viel Erfolg mit der neuen CD “El canto del cisne negro” (Das Lied des schwarzen Schwans).

Das Magazin CulturaLatina dankt dem Cervantes-Institut für die Gastfreundschaft, damit die Fotos für diesen Artikel aufgenommen werden konnten.

 

Nicole Peña Comas und Hugo Llanos Campos

Nicole Peña-Comas y Hugo Llanos Campos
Nicole Peña-Comas und Hugo Llanos Campos. (Foto: Stefan Galván)

 

Nicole Peña-Comas wurde in eine Musikerfamilie in Santo Domingo geboren. Nach dem Abschluss des Bachelors und Masters in Cello in ihrer Heimatstadt und später in Wien, gab sie Konzerte und machte Tourneen durch die Dominikanische Republik, Österreich und Europa. Sie hat an zahlreichen Festivals teilgenommen und unzählige Projekte koordiniert. Zusätzlich zu ihrer jüngsten Solokarriere hat sie einige Jahre lang musikalische Duos gegründet, um lateinamerikanische und klassische Musik international zu verbreiten.

Hugo Llanos Campos ist ein chilenischer Pianist, der vor kurzem sein Studium abgeschlossen hat. Er studierte in Santiago de Chile und später in Wien, wo er verschiedene Auszeichnungen erhielt und einige Konzerte gab. Seit 2017 bildet er mit Nicole das Duo Selvaggio. Gemeinsam wollen sie die lateinamerikanische  Musikvielfalt mit ihrem Einfluss der Klassik bekannt machen.

 

EL CANTO DEL CISNE NEGRO
(DAS LIED DES SCHWARZEN SCHWANS)

- Nicole Peña-Comas
  Cello
- Hugo Llanos Campos
  Klavier

Werke von Heitor Villa - Lobos (Brasilien), Constantino Gaito (Argentinien), Luis Saglie (Chile), José Elizondo (Mexiko), Joaquín Nin (Kuba) und Manuel Maria Ponce (Mexiko). Label: ARS Produktion.

CD Cover
CD Cover "El canto del cisne negro" von Nicole Peña-Comas und Hugo Llanos Campos.
Letzte Änderung am Sonntag, 15 November 2020 09:27

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