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Mittwoch, 30 September 2015 16:10

Malerin Elidia Kreutzer: “Die Manipulation führt das Volk zum Gedächtnisverlust”

Geschrieben von
Tierra © Elidia Kreutzer (Foto: Andreas Kreutzer)

Elidia Kreutzer, Künstlerin, Hausfrau, Unternehmerin, geborene Kolumbianerin, von Herzen Österreicherin. Sie hat an verschiedenen Ausstellungen in Österreich, Kolumbien, Korea, im Sudan, in Kroatien und Griechenland teilgenommen. In einem Exklusivinterview erzählt sie, wie eine lateinamerikanisch-europäische Künstlerin denkt.

Text: María Taramona / Übersetzung: Michael Puchner

Frau Kreutzer zeigt ihre Kreativität mit Bildern, die überraschen, mit ihrem Stil, der eine Mischung aus abstrakter, expressionistischer und konzeptueller Kunst darstellt. Werke, die die Sinne, Emotionen und Gefühle wecken. Das ist die Mission eines jeden Künstlers, die Malerin erreicht dies umgehend.

Pintora Elidia Kreutzer

Frau Kreutzer, wie würden Sie Ihren künstlerischen Stil definieren?
Du hast das eingangs schon sehr gut getroffen, es ist eine Mischung aus abstrakter, expressionistischer und konzeptueller Kunst, wo der Mittelpunkt der Mensch, im Speziellen die Frau ist und ich verfolge folgendes Thema: ab welchem Zeitpunkt in unserer Geschichte wurde die Frau ein Mensch zweiter Klasse, welche Faktoren führten dazu, etc. La Madre © Elidia Kreutzer

»...ab welchem Zeitpunkt in unserer Geschichte
wurde die Frau ein Mensch zweiter Klasse«

Ihre Arbeit in Bezug auf den Protest aufgrund der Tragödie des indigenen Volkes, den *Kogui in der Sierra Nevada in Kolumbien hat in der Öffentlichkeit eine tiefe Spur hinterlassen. Als Künstlerin verarbeitet man aktuelle Probleme und führt durch die Werke zur Reflexion. Aber bis zu welchem Punkt kann die Kunst dem Betrachter die aktuelle Situation ins Bewusstsein rufen?
Das ist eine wirklich sehr interessante Frage und ich stelle sie mir auch selbst öfters und ich glaube, als Künstlerinnen haben wir eine große Verantwortung, da unsere Sicht ein bisschen weiter geht, als es uns die Realität zeigt. Wenn wir malen sind wir von der Realität beeinflusst, die uns umgibt und wir müssen zwangsläufig das Gefühl, das uns die Situation vermittelt ausdrücken. Dann formen wir diese Emotion oder dieses Gefühl gemäß dieser Vision und das ist meiner Meinung nach der Grund dafür, dass der Betrachter dieses Gefühl erfahren darf. Er sieht es aus einem anderen Blickwinkel, sei es Malerei, Bildhauerei, Musik, Literatur, etc.

Haben Sie Pläne für eine neue Thematik? Wie interpretieren sie die Situation der „kulturellen und sozialen Integration der Ausländer in Österreich? Oder weiter gedacht die Problematik der Asylanten in Europa?
Momentan mache ich mit meinem Thema der Recherche weiter und von da aus resultieren neue Werke. „Kulturelle und soziale Integration“ ist ein recht komplexes Thema, da es bei jedem anders ist. Ich denke, um sich in eine andere Kultur zu integrieren, muss man integriert werden oder mit seiner eigenen Kultur identifiziert werden und dann geht es um respektieren, verstehen und akzeptieren. Das sind für mich die Bausteine, die eine Gesellschaft wachsen lassen. Das Problem in Europa in Bezug auf die Asylanten… ich finde, der Europäer hat die Geschichte vergessen. Sie haben die Härte zweier Kriege miterlebt, in denen tausende und Millionen alles verloren haben und auch Flüchtlinge waren. Dabei spielen die Politiker eine Hauptrolle. Durch das Spiel mit der Manipulation führt man das Volk zum Gedächtnisverlust und es bleiben nur mehr Gefühle des Hasses und des Rassismus.

Dónde está la pluma © Elidia Kreutzer (Foto: Andreas Kreutzer)

Kehren wir zum Thema der Kunst zurück. Wie begann Ihre Karriere? Wie war der Beginn? Wurden sie mit Talent geboren oder mussten Sie lernen?
Seit klein auf hatte ich den Hang zur Kunst, später begann ich an der Bellas Artes zu studieren und lernte Techniken, Geschichte, etc. Aber wenn du das abschließt und deine Karriere beginnst sind diese Techniken zwar Basis, der eigentliche Faktor jedoch ist die Kreativität (was man auch Talent nennen könnte). Das führt dich zur Weiterentwicklung und zur Evolution neuer Techniken und zur Schaffung der Werke. Ob man mit Talent geboren wird oder sich es aneignet, für mich bleibt es ein Mysterium, ich weiß nicht, warum einige malen und andere betrachten. Vielleicht ist es wie beim Fußball, die einen spielen, die anderen schauen zu. Aber ich bin vollkommen überzeugt, dass die Rollen vertauscht werden könnten. Die, die etwas tun, werden zu Betrachtern und die, die betrachten, werden zu Schaffenden. Im Endeffekt glaube ich, dass wir alle mit Talent geboren werden.

»...um sich in eine andere Kultur zu integrieren, muss man integriert werden und mit seiner eigenen Kultur identifiziert werden«

Viele Menschen würden gerne malen oder zeichnen können wie Sie, aber sie glauben, sie schaffen es nicht. Haben Sie für diejenigen einen Ratschlag? Eine spezielle Technik, die Sie mit uns teilen könnten?
Denn in der Sequenz von Ideen, wenn ich schlussendlich denke, dass alle mit Talent geboren werden, denke ich dass es an Wissen und Selbstvertrauen mangelt. Man muss nicht an eine Schule gehen, um Gefühle ausdrücken oder mitteilen zu können, was im Endeffekt Kunst ist. Eine Technik zu teilen ist schwierig, da die Mehrheit meiner Werke gemischte Techniken beinhalten. Aber ich bin immer gern bereit, mit Menschen, die sich annähern und interessieren, zu teilen.

Kogui meditando © Elidia Kreutzer

Wer ist ihr Lieblingsmaler – kolumbianischer und österreichischer? Irgendein Einfluss? Vielleicht ein Maestro oder Inspiration?
Ich habe verschiedene kolumbianische Lieblingsmaler: David Manzur, Luis Caballero, Alejandro Obregón, etc. Von den österreichischen Künstlern ist es zweifelsohne Egon Schiele. Ich denke, alle waren in einem bestimmten Moment Motiv für meine Inspiration. Ein Meister der Inspiration: Rembrandt.

Wie entsteht ein Werk?
Meine Werke entstehen durch meinen Wunsch, mich zu kommunizieren, eine Emotion, ein Gefühl ausdrücken zu wollen, die Emotionen haben eine unerklärliche Komponente voller Abstraktheit und so enden sie auf der Leinwand.

Passiert Ihnen auch dieser lästige Moment der Selbstkritik?
Aber natürlich, nur sehe ich das nicht als Last an, denn diese Momente lassen mich weitergehen in meinen Kenntnissen. Als Mensch und als Künstlerin.

Frau Kreutzer, das Leben verläuft sehr rasch. Was bleibt? Was haben Sie für Erwartungen für die kommenden 5 Jahre?
Ufff, diese Frage ist sehr weitreichend und ich stelle sie mir nicht. Ich bevorzuge im Hier und Jetzt zu leben und ich denke, die Zukunft wird so kommen, wie Du das Jetzt gelebt hast.

Elidia Kreutzer Webseite: www.kreutzer.co.at

*Die Kogui: Ein indigenes Volk in Kolumbien, das an den nördlichen Hängen der Sierra Nevada von Santa Marta lebt. In den Tälern der Flüsse Don Diego, Palomino, San Miguel und Ancho. Es sind ca. 10.000 Menschen, die ihre eigene Sprache sprechen. 

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