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Sonntag, 26 Januar 2020 21:34

In Österreich ist ein neues Festival erfolgreich entstanden: „Chilenidades“

Geschrieben von
v.l.n.r.: Luis Parra, Präsident des chilenischen Vereins mit einem Teil seines Teams. Rechts Markus Toth, Koordination des Bereichs Kino, Grafik, Übersetzungen, Texte und Audiovisuelle Produktion. (Foto: Ivett Angeles Litano)

"Chilenidades" ist das neue Wiener Kulturfestival. Hier erfahren Sie, wie diese Idee entsteht und wer dieses Projekt inszeniert.

Diese Initiative, die ursprünglich auf einer Idee des in Wien lebenden chilenischen Künstlers und Musikers Luis Parra basierte. Es zielte darauf ab, in Wien ein breites Panorama der chilenischen Kultur in einigen ihrer vielfältigen Ausdrucksformen zu zeigen.

Um zu wissen, wie die Idee des Festivals entstand, und um seine Meinung zu erfahren, unterhielt sich CulturaLatina mit Luis Parra in einem Café auf der berühmten Ringstraße vor der Wiener Hofburg.
Auf die Frage, ob er uns in der dritten Person „etwas über Luis Parra“ erzählen könne, sagte er uns wörtlich: „Luis Parra kam 1990 in Wien an und erhielt 2003 die österreichische Staatsangehörigkeit. Er ist Sohn von Bauern in Chile, hatte keine höhere Ausbildung, nur die Grundausbildung. Nach der Selbsterziehung wurde die Ausbildung vergleichbar mit der Sekundarschulbildung gemacht. In der Musik trat Luis Parra erst im Alter von 21 Jahren auf und lernte tatsächlich, im Gefängnis Musik zu machen. 1974 wurde er nach dem Staatsstreich in Chile verhaftet, weil er ein junger sozialistischer Militant war, und hatte das Glück, mit jemandem zusammen in der Zelle zu sein, der sich mit Musik auskannte und ihm das Gitarrespielen beibrachte. Von dort kam der Drang, der der Musik gewidmet war.“

Luis erzählte uns auch allgemein von seinen Erfahrungen in Österreich als Neuling und wie er die Art und Weise sehen und leben musste, wie einige Lateinamerikaner versuchten, etwas aus ihrem Land in ihrer neuen Umgebung in Wien zu „präsentieren“. Und viele dieser Aktivitäten drehten sich um lateinamerikanische Folklore oder Volksmusik und Gastronomie oder Tanz. Dies war verständlich, da all dies gleichzeitig auch dazu diente, die nationale und die eigene Identität zu stärken, weit weg von der Heimat, in einem so anderen Land.

Luis Parra Madariaga, presidente y coordinador de la asociación cultural Chilenidades. (Foto: Ivett Angeles Litano).
Luis Parra Madariaga, Präsident und Koordinator des Kulturvereins Chilenidades. (Foto: Ivett Angeles Litano).

Im Laufe der Zeit entdeckte Luis andere Wege, um den Kontakt zu seiner Kultur aufrechtzuerhalten und gleichzeitig eine Brücke und einen Dialog mit Österreich zu bauen. Dies geschah durch Musik. So hat er seit Jahrzehnten unzählige Konzerte, Workshops, Vorträge und Bildungstreffen in Wien und vielen anderen Städten durchgeführt, die von einer Eventagentur unter der Leitung und Koordination von Luis organisiert wurden. Bei diesen Aktivitäten hat Luis mit einer Gruppe von zwei Musikern und unzähligen Musikinstrumenten Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und auch älteren Menschen die spanischsprachige lateinamerikanische Welt (aus Mexiko und sogar bis Feuerland) vorgestellt. Durch Musik und Gesang hat er die Unermesslichkeit unseres Kontinents und die Vielfalt seiner Geographie, Kultur und Geschichte gezeigt, reflektiert und kommentiert. Er hat mit seinen Zuhörern über die Anden, die Karibik oder den Amazonas gesprochen. Je nach Alter seines Publikums hat er ihnen Themen wie Ureinwohner, Umwelt, Entwaldung, Ursachen und soziale Kämpfe erzählt. Zusätzlich und mit einem ähnlichen Projekt, das aber bereits über 30 Jahre alt ist und speziell auf Kinder ausgerichtet ist, ist Luis mit dem berühmten Autor von Kindergeschichten und Geschichten Marko Simsa in ganz Österreich aufgetreten.

Wenn man diesen Lebenslauf von Parra kennt, ist es verständlich, dass früher oder später die Idee eines vielfältigeren Projekts aufkam und sich in diesem Fall auf sein Heimatland Chile konzentrierte. Der Künstler erzählte uns, dass in diesem Zusammenhang der Ursprung des Konzepts und des Programms der „Festival Chilenidades“ in seiner Vorstellung vor etwa 10 Jahren entstanden ist. Die lange Tragzeit war darauf zurückzuführen, dass es nicht gelungen war, eine angemessene Konstellation von Menschen und Umständen zu finden, die ihre Verwirklichung in dieser Zeit ermöglichten. Im Jahr 2019 war es schließlich nach mehreren Treffen mit jungen chilenischen Künstlern, die kürzlich in Österreich eingetroffen waren, und in mehreren Gesprächen mit anderen Teilnehmern der Initiative möglich, dieses ehrgeizige Projekt zu starten und umzusetzen.

Um den Grundstein bestmöglich und nach einem offiziellen Schema zu legen, bildeten acht Personen aus verschiedenen Ländern und Berufen einen Verein, der bei den österreichischen Behörden registriert wurde. Nachdem der Verein diesen Schritt getan hatte, begann der lange und mühsame Prozess der Planung, Entwicklung und Durchführung des Festivals.

Asistentes a la inauguración del festival Chilenidades. (Foto: Ivett Angeles Litano).
Publikum in der Eröffnung des Festivals Chilenidades. (Foto: Ivett Angeles Litano).

Das Programm des Festivals folgte dem ursprünglichen Luis Parras Ziel: das typische Schema der Organisation einer traditionellen chilenischen Feier zu überschreiten und in mehreren Veranstaltungen und an verschiedenen Bühnen und Veranstaltungsorten ein weites Panorama zu präsentieren, das Vertrauen in die Verschiedenartigkeit der chilenischen Kultur vermittelt und sie widerspiegelt die kulturellen Ausdrucksformen des traditionellen und zeitgenössischen Chiles. Zu diesem Zweck hat der Verein auch eine große Gruppe von fast zwanzig Personen in den Organisationsprozess eingebunden, nicht nur aus Chile, sondern auch aus Lateinamerika und anderen Ländern. Der gemeinsame Nenner war und ist gewerkschaftlich und gemeinnützig tätig: die Bewunderung für Chile und seine Kultur.

Parte del equipo de Chilenidades (Foto: Ivett Angeles Litano)
Teil des Chilenidades-Teams. (Foto: Ivett Angeles Litano)

Eine der Entscheidungen, die von Anfang an getroffen wurden, war, das Kino als künstlerischen Ausdruck in sein Programm zu integrieren. Dies ist auf den Boom zurückzuführen, den die chilenische Filmkunst in den letzten Jahren erlebt hat, und auf die unzähligen internationalen Anerkennungen, die sie erhalten hat.

Aus diesem Grund wurde das Festival im Kino und mit dem außergewöhnlichen Film „Neruda“ (von Pablo Larraín) eröffnet. Darüber hinaus ist dieser Raum ein Juwel der Filmkultur und der Wiener Tradition: das Bellaria Kino. Dieses Kino, eines der ältesten in Wien, hat noch immer eine sehr originelle Dekoration und Atmosphäre. Es ist ein Kino, das der traditionellsten und typischsten österreichischen Kinematographie seit jeher einen besonderen Stellenwert einräumt. Hier kann das Publikum seit Jahrzehnten Musikkomödien, österreichbezogene historische Dramen sowie Filme (meist in Schwarzweiß) aus der Zeit zwischen den Kriegen, sowie aus den 40er und 50er Jahren kennen und schätzen.

Daher war die Eröffnung eines Festivals der chilenischen Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts an diesem sehr repräsentativen Ort der „Wiener“ von außerordentlicher Bedeutung. Diese Idee zeigt unserer Meinung nach deutlich, dass die Kultur der lateinamerikanischen Communitys, die in Österreich leben, auch vom Kontrast und dem Dialog mit der Umgebung lebt, in der wir uns befinden: die Hauptstadt eines Landes im Herzen Europas. Die Eröffnung auf diese Weise zur kulturellen Begegnung „Österreich-Chile“, war zweifellos ein großer Erfolg des Chilenidades Festivals.

So wurde das Chilenidades Festival an verschiedenen Orten und auf verschiedenen Bühnen aufgeführt: Kino, Literatur, Poesie, populäre- und Volksmusik, sowie chilenische Küche. So wurde gezeigt, dass die regionale Kultur lateinamerikanischer Länder auch weltweit universell sein kann.

Eine Initiative dieser Art ist in ihrer Breite und ihrem Konzept nicht so häufig wie eine kulturelle Manifestation einer in Österreich lebenden lateinamerikanischen Gemeinschaft. Deshalb ist es mehr als willkommen - und wie Luis Parra zu sagen: „Es wäre zu erwarten und zu wünschen, dass andere ähnliche lateinamerikanische Festivals entstehen und sich in den kulturellen Ereignissen Österreichs etablieren können.“

Wir wünschen dem Organisationsteam des Festivals für die Zukunft viel Erfolg und schließen diese Geschichte mit dem Zitat, aus dem wir ein Fragment zu betiteln dieses Artikels entnommen haben. Unserer Meinung nach, spiegelt dieses Zitat die Möglichkeiten und poetischen Visionen eines Festivals wie Chilenidades wider.

„Das Pflanzenuniversum flüstert nur so lange, bis ein Sturm alle terrestrische Musik in Gang setzt.“

*Aus dem autobiografischen Buch „Ich bekenne, ich habe gelebt: Memoiren“, Pablo Neruda

 

Webseite FESTIVAL CHILENIDADES: chilenidades.com

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