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Donnerstag, 14 Februar 2019 00:24

Icíar Bollaín: „Mich interessieren Filme, die von wahren Begebenheiten erzählen“

geschrieben von Laura Garrido | Übersetzung: Redaktion
Icíar Bollaín feiert ihren Film YULI im Filmcasino Wien. Foto: Karola Riegler

Die Regisseurin Icíar Bollaín ist in Wien, um die Premiere ihrer neuen Produktion YULI zu besuchen. Die Geschichte des kubanischen Ballettstars Carlos Acosta, der der erste, nicht weiße Romeo der Geschichte ist.

Icíar Bollaín redet gern. Sie spricht leidenschaftlich und unermüdlich über ihre Arbeit, über ihre monatelange Werbung ihres neuen Films Yuli, in und außerhalb Spaniens. Während ihres Aufenthalts in Wien, anlässlich der Premiere ihres neuen Werkes am 15. Februar im Filmcasino Wien, konnten wir uns mit der spanischen Regisseurin unterhalten. Sie wird nach der Vorführung des Films im Kolloquium mit ihrem Ehepartner, Paul Laverty Drehbuchautor des Films, Rede und Antwort stehen.

Yuli setzt auf eine neuartige Erzählung, in der der Tanz zu einem zentralen Element wird, um die Geschichte von Carlos Acosta zu erzählen, einem der wichtigsten Balletttänzer unserer Zeit, der die erste Figur des Royal Ballet in London wurde.

Eine faszinierende Geschichte mit Havanna als Schauplatz. Über die Kindheit und Jugend von Carlos Acosta, dessen Vater ihm den Spitznamen Yuli gab, daher der Titel des Films, und ihn gegen seinen Willen zwang Ballett zu lernen.

Icíar Bollaín al momento de la entrevista en Viena con la periodista Laura Garrido. (Foto: Karola Riegler).
Icíar Bollaín zum Zeitpunkt des Interviews in Wien mit der Journalistin Laura Garrido. (Foto: Karola Riegler)

Sehr schön, dass du in Wien bist, um deinen neuen Film Yuli zur Premiere zu bringen.
Wenn ein Filmverleih wie in diesem Fall Polyfilm, der bereits El Olivo vertrieben hat, einen Film von dir nimmt, weißt du schon, dass er eine Risiko eingeht. Es gibt einen Markt mit einem riesigen Filmangebot und dabei zu sein unterstützt den Film, und hilft ihnen. Es ist eine Art, um die Öffentlichkeit zu erreichen und sie aufmerksam zu machen. Außerdem liebe ich es. So kann man sehen, wie der Film in anderen Ländern aufgenommen wird.
Es ist sehr interessant zu sehen, wie universell der Film ist, ob die Leute in denselben Momenten lachen oder sich je nach Land für dasselbe begeistern.
Vor ein paar Wochen war ich in Deutschland und es war phänomenal. Es ist eine große Freude zu sehen, dass sich die Arbeit gelohnt hat und der Einsatz vom Filmverleih sich rentiert. Es gibt viele lateinamerikanische Besucher, natürlich Kubaner, aber auch ein deutschsprachiges Publikum mit großem Interesse an der Spanischen Sprache.

Um ein Biopic (Verfilmung des Lebens einer Person) zu produzieren, muss man sich an eine Geschichte halten. Ist es dann "wie erzählst du es", was den Unterschied ausmachen sollte, wenn man den Film macht?
Biopics sind sehr schwer zu machen, bereits die Zusammenstellung des Skripts. Paul war von Anfang an sehr aufmerksam, das Skript zu schreiben, und wollte nicht ein Ereignis nach dem anderen erzählen. Deshalb hat er diese dreifache Struktur geschaffen, die sich aus der Vergangenheit zusammensetzt, an die sich Carlos (seine Kindheit und Jugend) erinnert, an die Gegenwart, die Carlos Acosta selbst im Theater von Havanna darstellt, indem er sich sein eigenes Tanzleben vorstellt und dann der Tanz selbst, der Szenen aus dem Leben von Carlos erzählt. Der Film geht von der Gegenwart in die Vergangenheit, und wenn die Geschichten in Form von konventioneller Fiktion erzählt und noch dazu plötzlich getanzt werden, wird auch die Erzählung unterbrochen.
Das Zweite, was bei Biografien passiert, ist, dass man sich an das, was passiert ist, halten muss, und du kannst nicht viel ändern aber man muss genau auswählen, was erzählt wird.
Bei allem, was über Carlos Leben gesagt werden konnte, war besonders die Beziehung zu seinem Vater. Und das brachte das Rassenmotiv mit sich, die Tatsache, ein Schwarzer zu sein, der schließlich im Herzen des Royal Ballett tanzte. Es gibt auch einen sehr schönen Teil, der die Geschichte von Carlos Familie zeigt, und einen Einblick in viele kubanische Familien gibt.

Außerdem hattest du auch Carlos Acosta als Schauspieler, der sich selbst interpretierte und aufmerksam war, was und wie es erzählt wurde.
Carlos war vom Drehbuch fasziniert und hat uns tatsächlich freie Hand gelassen. Abgesehen davon, ist er ein sehr beschäftigter Mann und als wir anfingen, wurde ihm sofort klar, dass er die Choreografie nicht machen konnte, obwohl er es gerne gemacht hätte. Carlos hat mir von Anfang an gesagt: „Ich bin für das Tanzen und du für das Filme machen verantwortlich“. Die Wahrheit ist, dass ich es zu schätzen weiß, weil es anders sehr kompliziert gewesen wäre.
Carlos kam erst am Schluss der Dreharbeiten, weil er mit seinem Ballett Ensemble in Großbritannien auf Tournee war. Er machte seine Szenen und er setzte sich danach hin, um den Film als Zuschauer anzusehen.

Wie du sagtest, der Tanz neben der Musik ist ein zentrales erzählendes Element des Films. Das war eine Herausforderung. Hattest du eine frühere Tanz- oder Musik Ausbildung?
Es hat eine Menge vorhergehende Arbeit gebraucht. Mit sieben Jahren habe ich als Kind Ballett getanzt und es schien mir eine Qual zu sein, also habe ich damit aufgehört und mit Judo angefangen, was mir unterhaltsamer erschien. 
Die Anpassung von Choreografie und Musik. Und bis wir den Film schnitten, wussten wir nicht, wie die Vermischung aus Tanzen und fiktionaler Erzählung funktionieren würde. Ja, es war uns gelungen sicherzustellen, dass diese Mischung die Geschichte nicht bremste und der Zuschauer nicht verloren ging. Wie zum Beispiel in der Szene des Schlagens, wo wir von Erinnerungen an die Vergangenheit zum Tanz kommen und gehen. Das war alles experimentell.

Icíar Bollaín:
Icíar Bollaín: "Ich denke, in der Geschichte von Carlos Acosta können wir uns selbst dargestellt sehen, auch wenn wir nicht tanzen, nicht schwarz und keine Kubaner sind." (Foto: Karola Riegler)

Der Zuschauer ist nicht daran gewohnt, einen Film in einer so musikalischen und choreografierten Sprache zu hören.
Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Es ist eine Fiktion, die Leute kommen und sehen sich einen Film an. Und es ist kein Dokumentarfilm, auch wenn ich Carlos Acosta als Hauptdarsteller habe, der sich selbst interpretiert. Es gab viele Meinungen zum Film, und wir hatten keine Ahnung, wie es funktionieren würde.

Was hat dich am meisten im Carlos Acosta Leben angezogen, um daraus einen Film zu machen?
Es war nicht schwierig die Entscheidung zu treffen, weil die Geschichte sehr interessant ist. Normalerweise werden die Geschichten entweder von Paul oder von mir geschrieben.
Der britische Filmproduzent und insbesondere Andrea Calderwood hatten schon seit einiger Zeit versucht diese Geschichte zu erzählen. Sie hatten einen anderen Drehbuchautor gehabt, aber das Drehbuch überzeugte sie nicht. So schlug Andrea es Paul vor. Wir hatten uns darauf geeinigt, dass wir den nächsten Film gemeinsam drehen würden. Andrea und Carlos fanden, dass es sehr gut war, und wir begannen mit der Arbeit.
Wir haben beide zusammen die Autobiografie gelesen und was unsere Aufmerksamkeit am meisten auf sich zog, war der Teil der Kindheit, weil er sehr viel Potenzial hatte. Ich glaube, dass die Kindheit den Menschen Charakter gibt und darin unsere Essenz liegt. Und noch mehr im Fall von Carlos, der aus einem ganz bestimmten kubanischen Viertel kommt, mit diesem speziellen Vater, in einer so besonderen Stadt wie Havanna.

Carlos ist ein Junge, der nicht tanzen will, er ist schwarz, aus einem bescheidenen Stadtteil Havannas, der letztendlich zu einem Superstar im Royal Ballett wird, der erste nicht weiße Romeo der Geschichte.

Man sieht im Film die stürmische Beziehung zwischen Vater und Sohn und zeigt eine Reihe von Aspekten, wie die nicht gewaltfreie Erziehung und die Tatsache, dass ein Kind in den 80er Jahren Ballett tanzt.
Da gibt es etwas sehr Merkwürdiges, wie konnte es möglich sein, dass ein autoritärer Vater, - manchmal gewalttätig, ein LKW-Fahrer, in dieser Umgebung -, will dass sein Sohn Tänzer wird. Santiago, der den Vater spielt, obwohl er in Wirklichkeit kein Schauspieler ist, sondern ein Choreograf und auch ein Lehrer von Carlos, sagte, der Vater sei ein Visionär und ein außergewöhnlicher Mensch.
Carlos verbrachte den Tag auf der Straße, tanzte Breakdance und es waren Wettkämpfe, die manchmal als Navajazos (Messerstechereien) endeten. Der Vater bringt ihn zunächst als Disziplin zum Ballett. Dann erkennt Professorin Chery, dass Carlos außergewöhnliche Fähigkeiten hat und der Vater sieht es auch. Und er erlaubt ihm nicht, das Ballett zu verlassen. Und es ist wahr, dass ihn die Nachbarschaft als Schwul bezeichnet. Aber dem Vater ist das egal, weil er die Möglichkeit sieht, dass sein Sohn in Zukunft das Leben haben wird, das er selbst nicht haben konnte.

Der Film spielt in Havanna, ein Drehort der dafür sehr beliebt ist. Du hast Yuli beim Filmfestival in Havanna uraufgeführt. Wie war dieser Moment?
Die Premiere war spektakulär. Es war in einem Kino, dem Karl Marx, das 5.400 Sitzplätze hat und beeindruckend ist. Es kamen Carlos, seine Lehrerin, alle Darsteller, das kubanische Team und die Familie.
Es war sehr schön. Auch weil die Kubaner, abgesehen vom Weinen und Lachen, sagten:"Der Film ist sehr kubanisch". Weder Paul noch ich sind Kubaner und daher ist diese Aussage ein Kompliment. Er wurde auch in zwei anderen Kinos in Havanna aufgeführt, wo die Leute um den Häuserblock Schlange standen.

Carlos ist sehr aufgeregt und dankbar für den Film. Als er ihn das erste Mal sah, weinte er den ganzen Film lang, aber er sagte mir, dass der Film das beste Geschenk sei, das er seinen Töchtern geben könne, weil sie wissen würden, woher sie kamen und wer ihr Vater war.

Icíar, deine Filme enthalten eine Botschaft des Anprangerns oder versuchen es zumindest, damit der Zuschauer einen Moment nachdenkt und beobachtet. Ist dir als Regisseurin bewusst, dass Filme machen, wie ein Sprachrohr ist und du damit viele Menschen erreichen kannst?
Die Wahrheit ist, dass ich es nicht absichtlich mache und der Ursprung eines Films von mir keine Klage ist. Es führt mich mehr die Neugier. Es sind Themen, die mich interessieren und es scheint mir, es könnte viel mehr Menschen interessieren. Tatsache ist, dass das Produzieren eines Films eine sehr starke wirtschaftliche und menschliche Anstrengung ist, und es zahlt sich aus, über etwas Lohnenswertes zu sprechen.
Ich interessiere mich für menschliche Filme, die von Dingen handeln, die uns passieren. Ich denke, in der Geschichte von Carlos Acosta können wir uns selbst dargestellt sehen, auch wenn wir nicht tanzen, nicht schwarz und nicht kubanisch sind. Die Wurzeln, die Sehnsucht nach deiner Heimat... auch ich lebe außerhalb Spaniens und kann mich damit identifizieren.

Nutzt du die Gelegenheit Wien zu besuchen?
Wir wollen die Werke von Klimt sehen. Ich komme mit meinen Kindern. Eines von ihnen hat gerade Jugendstil studiert. Und um Eis zu laufen, gibt es eine sehr schöne Eisbahn. Wir wollen das Essen, Spaziergänge und die Gastfreundschaft genießen. Es ist eine wunderbare und sehr offene Stadt.

Den Film anschauen: filmcasino.at/film/yuli

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