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Montag, 26 November 2018 09:16

Das Alter der Erde

geschrieben von Rafael Donnadio / Übersetzung: Elizabeth Vondrak
Festivalkatalog Cover des ersten lateinamerikanischen Filmfestival in Österreich 1991. Foto: Rafael Donnadio

Unveröffentlichter Text des Schriftstellers José Emilio Pacheco (Mexiko, 1939 - †2014) über das erste lateinamerikanische Filmfestival in Österreich 1991.

Im Mai 1991 bot José Emilio Pacheco dem „Latinidade Kultur Forum“ einen Einführungstext für das erste lateinamerikanische Filmfestival in Österreich zu schreiben an. Ein Festival mit dem Titel „Das Alter der Erde“, das im Filmhaus Stöbergasse stattfand.

In dem ausschließlich im Festivalkatalog veröffentlichten Text reflektiert der Autor universelle Aspekte Lateinamerikas. Reflexion, die heute aktueller als je zuvor ist.
Er spielt auch auf einige der auf dem Festival gezeigten Filme an, wie „Orinoco Nuevo Mundo“ von Diego Risquez, „Cabeza de Vaca“ von Nicolás Echevarria, „Frida - Naturaleza Viva“ von Paul Leduc, „Goitia, ein Gott für sich“ von Diego López und „La Edad de la Tierra“ von Glauber Rocha.

Cultura Latina in Zusammenarbeit mit Latinidade Kultur Forum veröffentlicht diesen Text zum ersten Mal seit seiner ersten Offenlegung.

Mexikanischer Schriftsteller José Emilio Pacheco (* 30. Juni 1939; † 26. Januar 2014) en el Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores de Monterrey, Ciudad de México, el 12 de octubre de 2012. (Foto: Angélica Martínez)
Mexikanischer Schriftsteller José Emilio Pacheco (* 30. Juni 1939; † 26. Januar 2014) im Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores de Monterrey, Ciudad de México, am 12. Oktober 2012. (Foto: Angélica Martínez)

Das Alter der Erde

Am Anfang gab es eine einzige Erde: Pangea.
Viel später trennten sich die Kontinente
und dazwischen blieb das Meer, das verbindet und trennt.

Vor 500 Jahren begann Europa durch Spanien mit der Eroberung von dem, was ein deutscher Geograph „Amerika“ nannte. Im Jahre 1991, im Zeitalter der sofortige Kommunikation, ist die Entfernung größer denn je.
Das spanische, portugiesische und französische Amerika ist ein Teil von dem geworden, was die Vereinte Nationen mit dem Euphemismus „Dritte Welt“ bezeichneten, die Peripherie, die die industrialisierten Länder mit billigen Arbeitskräften und Rohstoffen beliefert.

Das Alter dieser Erde beginnt für das europäische Gewissen in diesem Moment, als die Eroberer ihre Zerstörungs- und Aufbauarbeit begannen. Während fünf Jahrhunderten war diese Erde ein unbeflecktes Paradies, ein Raum, der unbedingt von den Damönen befreit werden sollte, eine Mine voll Gold und Silber, Schlachtfeld der Kolonialmächte, Hoffnung, Land des Morgens, das nie Wirklichkeit wird, Ort der Zuflucht – Karneval, revolutionäre und folkloristische Mode, Enttäuschung.
Jetzt ist dieser Erdteil der Ort, woher die Drogen kommen, wo die Naturkatrastophen stattfinden, wohin die Epidemien wie die Cholera, die man für besiegt glaubte, zurückkehren. Länder die unter allen Übeln des Fortschritts leiden und von allen Tragödien der Rückständigkeit geprägt sind. Grandiose Ruinen und primitive Hütten – alle Zeitalter koexistieren auf dieser Erde, Bewohner von Höhlen leben neben Wolkenkratzern voll mit Faxgeräten, Computern, Modems und Handys.
„Lateinamerika“ als solches existiert nicht. Zwanzig, oder mehr, ganz unterschiedliche Länder können nicht auf einen gemeinsamen Nenner reduziert werden. Es ist unmöglich von Europa zu verlangen jedes Land von ihnen, als eine Einheit zu betrachten. Aber zumindest ist es möglich Europa vorzuschlagen, die Klischees über das „Lateinamerikanische“ nicht zu akzeptieren.
Diese zwölf Filme dieser Reihe geben dem österreichischen Zuschauer Beispiele, wie die Wirklichkeit und Phantasie dieser Länder vom Kino gesehen wurde. Indem es diese beschreibt, erfindet es sie und verwandelt sie in Kunst. Etwas das seltsamerweise in unserem Amerika bisher gut funktioniert hat und trotz aller Krisen weiter besteht. Das Kino hat sich der Einsamkeit und Weite dieser Erde bemächtigt. Es hat ihre Menschen, ihre Wüsten, ihre Urwälder, ihre Städte beschrieben.

Die Filmreihe „Das Alter der Erde“ beschreibt unter anderem, den Eroberer, verloren in der feindlichen Natur einer „Neuen Welt“, die für ihn eine „Andere Welt“ ist. Den europäischen Gelehrten, der versucht das Unerklärliche auf Wissenschaft und Vernunft zu reduzieren. Die Chroniken der neuen Eroberungen, die sich heute anderer Mittel bedienen, den einsamen Krieg zweier Maler die ihre Identität zu finden suchen, indem sie ihre innere Welt und die Wirklichkeit die sie umgibt wiedergeben.
Die Funktion unserer Kinos als ein Mittel die Vergangenheit in Gegenwart zu verwandeln und das Ferne nahe zu bringen, verbindet sich mit der Fähigkeit das Europäische anzueignen und daraus Neues zu schaffen.
Dieser Reihe zeigt, dass die ganze Erde unsere einzige Erde ist, ihr Alter ist unser Alter.

JOSÉ EMILIO PACHECO
Mexiko, Mai 1991

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