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Donnerstag, 01 November 2018 14:18

Die Castells: Menschen-Türme. Eine jahrhundertalte Tradition

geschrieben von Rosa Euler-Rolle
Menschenpyramiden wie diese sind in Katalonien Tradition. (Fotos: Paula Arbeloa)

Haben Sie sich schon einmal überlegt, warum einige Leute in Spanien diese gefährliche Akrobatik betreiben, um menschliche Türme zu errichten? Lesen Sie die Antwort hier!

Die „Castells“ sind eine jahrhundertealte Volkstradition Kataloniens, der Region im Nordosten Spaniens. Sie bestehen aus dem Bau von Menschenpyramiden von neun bis zehn übereinander stehenden Personen. Sie basieren auf den Werten „Stärke, Balance, Mut und Verstand“, und sie sind sogar mehr als das. „Es ist das Ringen um individuelle und kollektive Selbstverbesserung, das Bemühen um das Ziel, die Solidarität und die Integration von Menschen jeden Alters, sozialer Herkunft und Fähigkeiten, unter dem gleichen Projekt zu vereinigen. So bezeichnen sich die „Castellers“ in deren eigenen Berichten.
Am 16. November 2010 wurde in Nairobi (Kenia) von der UNESCO die Aufnahme von Castells in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes genehmigt, um eine universelle Anerkennung zu gewähren. In der Erklärung der Unesco heißt es: „Die Castells sind von den Katalanen als integraler Bestandteil ihrer kulturellen Identität anerkannt und von Generation zu Generation übertragen worden. Somit wurde und wird ein Gefühl der Kontinuität, des sozialen Zusammenhalts und der Solidarität den Mitgliedern der Gemeinschaft vermittelt.“

Castells sind in Katalonien nicht nur ein Sport, sondern Ausdruck des Nationalgefühls. Los castells no son sólo un deporte en Cataluña, sino una expresión de nacionalismo. (Foto: Paula Arbeloa)
Castells sind in Katalonien nicht nur ein Sport, sondern Ausdruck des Nationalgefühls. Los castells no son sólo un deporte en Cataluña, sino una expresión de nacionalismo. (Foto: Paula Arbeloa)


Dieser „Castells“ Brauch ist mehr als 200 Jahre alt. Sein Ursprung liegt in der Ortschaft Valls (einer Stadt in der Nähe von Tarragona). Diese Tradition hat in den letzten Jahren eine große Popularität erhalten und die Auftritte werden von zahlreichen nationalen und ausländischen Medien verfolgt. Die Tradition der „Castells“ hat sich in fast ganz Katalonien und anderen katalanischsprachigen Gebieten - wie den Balearen und nördlich der Pyrenäen - verbreitet.
Es gibt mehr als 8.000 „Castellers“, die in mehr als 60 „Colles“ (registrierte Gruppen) zusammengefasst sind. Sie üben ihre Menschenpyramiden wöchentlich, um diese in den Aufführungen zu zeigen, die in der gesamten katalanischen Geographie stattfinden. Es ist eine große Herausforderung für das Gesetz des Gleichgewichts und der Statik, die manchmal unerwünschte Konsequenzen hat. Wenn der Bau eines dieser menschlichen Türme sein Gleichgewicht verliert, fällt er in sich zusammen. Die Folgen sind oft Knochenbrüche oder Muskelverletzungen. Aber nichts stoppt die „Castellers“ bei ihrem Ziel, das ganze immer wieder neu zu versuchen, um die Pyramide erfolgreich zu vollenden.
Ungefähr 8.000 Castells werden jedes Jahr gebaut. Alle zwei Jahre, im Oktober, findet in Tarragona der so genannte Wettbewerb der besten Castells “Concours de Castells“ statt. Es ist ein beeindruckendes Spektakel, in dem die verschiedenen „Colles“ miteinander konkurrieren, um ein schwierigeres, höheres und besseres „Castell“ zu erbauen.

Es war in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die ersten menschlichen Türme mit einer Höhe von 9 Männern entstanden. Zurzeit dürfen auch Frauen und Kinder die Spitze der Pyramide (die so genannten „Enxanetas“) bilden. Nur dann, wenn die Kleinen die Spitze des „Castell“ erreicht haben, kann der Turm als gültig betrachtet werden.

Josep Maria Solé Artigau: Ohne den Zusammenhalt und die Hilfe aller wäre es für einen „Colla“ sehr schwierig erfolgreich zu sein. (Foto: Paula Arbeloa)
Josep Maria Solé Artigau: Ohne den Zusammenhalt und die Hilfe aller wäre es für einen „Colla“ sehr schwierig erfolgreich zu sein. (Foto: Paula Arbeloa)

Josep Maria Solé Artigau, ist Mitglied der „Colla Xiquets de Tarragona“, er hat sie eine Zeitlang geleitet und kennt die populäre Tradition sehr gut:

Was ist notwendig, damit eine „Colla Castellera“ ihre Ziele erreicht?
Man muss drei große Hauptdimensionen berücksichtigen: die Technik, in der die Manager entscheiden, wie man trainiert, wie man probt, welche Strukturen gemacht werden müssen und wie Fehler korrigiert werden, usw. Die administrative Dimension, in der der Vorstand nach wirtschaftlichen Ressourcen streben muss. Er entscheidet den Auftrittskalender, Auftritte, die teilweise zu den Ressourcen beitragen. Er sorgt dafür, dass der Verein der „Castellers „ für zukünftige Mitglieder attraktiv wird. Und schließlich, die soziale Dimension, damit die Gruppe perfekt zusammengestellt ist. Denn ohne die Verbindung und Hilfe aller, wäre es für einen „Colla“ sehr schwierig, erfolgreich zu sein. Ohne diese drei Dimensionen, würde nichts funktionieren.

Welche Funktion neben der reinen „Castellera“ erfüllen diese Körperschaften?
Sie spielen eine sehr wichtige Rolle im sozialen Zusammenhalt. Man soll bedenken, dass es eine Aktivität ist, bei der paradoxerweise ein Maurer auf den Schultern eines leitenden Managers steht, oder wo ein Manager eines multinationalen Unternehmens die am wenigsten wichtige Rolle des Aufbaus spielt und mit dieser normalisierten Situation, fühlen wir uns alle gut. Wir verbringen eine tolle Zeit zusammen. Ich würde auch sagen, dass wir eine von der sozialpolitischen Aktualität ausgeprägte soziale Realität haben.
Welche Rolle spielen die „Castells“ in dem politischen Umfeld, in welchem sich das Land aufgrund der Forderungen vieler Katalanen derzeit befindet?
Die soziale Dimension der Welt der Castellers war immer für die Verteidigung und Förderung demokratischer Werte, unter denen wir das Recht auf Selbstbestimmung nennen können. Aus diesem Grund haben sich die „Colles“ immer für dieses Thema positioniert und dafür aktiv gewirkt.

Welche Art von Menschen sind Teil der „Colla“?
Nun, wie gesagt, alle möglichen sozialen Realitäten haben ihren Platz. Alle sozialen Schichten sind vertreten: Arbeiter, Arbeitslose, Führungskräfte und Unternehmer, von Ausgrenzung bedrohte Kinder, Menschen von rechts und links... wir sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. ♦

Website: www.xiquetsdetarragona.cat 

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