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Wiener Festwochen 2017

12. Mai 2017 - 18. Juni 2017, 18:00 - 23:00

Die Wiener Festwochen 2017 werden vom 12. Mai bis 18. Juni unter der neuen Intendanz von Tomas Zierhofer-Kin stattfinden. Alle Infos folgen bald hier: http://www.festwochen.at/2017/

Die Wiener Fes ...




Galapagos-Impressionen

15. Mai 2017 - 27. Juni 2017, 00:00 - 22:00

Noch bis 27. Juni 2017 wird im Theater in der Josefstadt das Schauspiel "Galapagos" von Felix Mitterer aufgeführt.
Und ebenfalls bis 27. Juni 2017 zeigt 

Salonga - Peruvian Restaurant Bar & Gall ...




CINE FORO - El choque de dos mundos

26. Mai 2017 18:00

La CONFEDERACIÓN LATINOAMERICANA EN AUSTRIA dedica esta vez su evento de carácter político a las personas que luchan por su tierra, por los recursos naturales necesarios para sostener a sus fam ...




FLACO De NERJA TRIO

26. Mai 2017 21:00

FLAMENCO GITARRE KONZERT
FLACO DE NERJA
Gäste: Sandra la Chispa - Tanz
Dino Valeria - Perkussion




Maracatu Workshop mit Pitoco, Estrela Brilhante

27. Mai 2017 - 28. Mai 2017, 14:00 - 14:00

Maracatu Workshop mit Pitoco de Aira von der Nation Estrela Brilhante, Recife, Brasilien. Pitoco de Aira ist Percussionist bei Estrela Brilhante de Recife und seit Kindestagen mit Maracatu vertrau ...




Drostes Sprachsprechstunde

27. Mai 2017 20:00

CULTURA LATINA GEWINNSPIEL

Wenn Du Karten für diese Veranstaltung gewinnen willst, sende
bis spätestens Mo. 8.5.2017 12:00 ein E-Mail an redaktion@culturalatina.at 

 Wir verlosen 1 mal 2 Karten. ...




Benefizveranstaltung zugunsten der Opfer der letzten Überschwemmung in Peru

28. Mai 2017 12:00

Am 28. Mai von 12 bis 18 Uhr veranstaltet die ÖSTERREICHISCH-PERUANISCHE GESELLSCHAFT (OEPG) mit der freundlichen Unterstützung vom Lateinamerikanischen Akademischen Kulturzentrum (LAK) und der ...




El Club del Humor: Goyo Jiménez

01. Juni 2017 11:00

El Club del Humor presenta este jueves 01.06.2017 al gran GOYO JIMÉNEZ de España. Con el apoyo de la Embajada de España en Viena. Lugar: VHS Polycollege Margareten - Stöbergasse 11-15.1050 Wi ...




ICEP Charity Konzert mit Carla Natascha & Band

07. Juni 2017 19:30

Zum 6. Mal lädt ICEP zu seiner Charity im Kabarett Simpl. Der Erlös des Abends kommt der ICEP Unternehmerförderung zugute. Gemeinsam mit Partnern in Entwicklungsländern unterstützt ICEP Unter ...




Strassen von Lateinamerika Festival 2. Edition

17. Juni 2017 11:00

Zum zweiten Mal findet in Wien das Event „STRASSEN VON LATEINAMERIKA“ statt! Im Programm sind Livebands, Workshops, Capoeira, Dokumentarfilme, Tauschmarkt, Kunsthandwerkmarkt, Kinderprogramm . ...




C3 Cuenta Cuentos en Casa Nena

17. Juni 2017 11:00

Casa Nena presenta:
C3 Cuenta Cuentos
Sábado, 17 de Junio 2017
Casa Nena
Esterhazygasse 25, 1060

¡El próximo sábado 17 de junio de 2017 en Casa Nena, celebraremos nuestra primera sesión de C3 Cuen ...




Juan Villoro (Mexiko) eröffnet ¡En español, por favor! 2017

20. Juni 2017 19:00

¡En español, por favor! Präsentiert Juan Villoro (Mexiko). Der Schriftsteller Juan Villoro wird der nächste geladene Gast bei "’En Español, por favor" sein.
Juan Villoro ist zweifelsohne ei ...




Ensemble Latin Sommernacht

24. Juni 2017 20:00

Die Gruppe Amiri präsentiert ein Programm mit besonderem Reiz: Zwanzig Musiker aus Kuba, Kolumbien, Chile, Venezuela, Bolivien und Mexiko spielen Evergreens aus allen Teilen Südamerikas.




Aulas de portugues para niños

26. Juni 2017 16:00

O governo austríaco oferece às crianças e adolescentes o ensino da sua língua de herança e as aulas são gratuitas.
Contate a professora Tatiana Mazza-Surer. até o dia 20 de maio e garanta a ...




Premiere von “Carmen Tango” in der Wiener Votivkirche

29. Juni 2017 - 01. Juli 2017, 20:00 - 20:00

Vom 29. Juni bis 1. Juli 2017 feiert die Inszenierung “Carmen Tango” in der Wiener Votivkirche ihre Premiere. „Carmen Tango“ wird eine elektrisierende, spektakuläre Tanzvorführung, die ...




Montag, 24 April 2017 13:00

Festival "Europa der Muttersprachen 2017: Ukraine"

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Plakatsujet - Europa der Muttersprachen 2017: Ukraine Grafik: Hans Dankl

Seit 1995 findet – nach der Idee von Tomas Friedmann – das Festival "Europa der Muttersprachen" statt: Literatur, Kunst, Film, Musik etc. aus einem europäischen Land, einer europäischen Sprache.

In Veranstaltungen und Ausstellungen werden an mehreren Tagen und Abenden in Kooperation mit Partnern europäische Geschichte und Geschichten thematisiert, denn für den Erfinder der Reihe besteht Europa nicht aus Vaterländern sondern aus Muttersprachen. Bisher wurden u.a. Schwerpunkte mit Literatur und Kultur aus Island, Albanien/Kosova, Türkei, Polen, Norwegen, Bosnien, Griechenland, Tschechien, Polen, Bulgarien, Rumänien, Irland, Italien und dem Baskenland organisiert. Im vergangenen Jahr widmete man sich „Roma und Sinti“.

Das 27. Festival widmet sich von 26. bis 28. April 2017 der Ukraine. Bereits in den vergangenen Jahren traten immer wieder ukrainische Autorinnen und Autoren in Salzburg auf, Lubko Deresch und Boris Chersonskij waren Writer in Residence, Serhij Zhadan wurde eine Ausstellung im Literaturhaus gewidmet. Und warum jetzt ein Ukraine-Festival?

In den vergangenen Jahren gab es verstärkt mediale Aufmerksamkeit für den flächenmäßig größten Staat, dessen Grenzen vollständig in Europa liegen (mit ca. 45 Millionen Einwohnern) – und auch deutschsprachige Verlage entdeckten vermehrt die ukrainische Literatur. Als Auslöser gelten politische Umbrüche. Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 erlangte die Ukraine nach einem Referendum mit 90-prozentiger Zustimmung staatliche Unabhängigkeit. Und seit der unblutigen Orangen Revolution 2004 (nach Betrugsvorwurf setzte sich bei der Wiederholung der Präsidentschaftswahlen der westlich orientierte Viktor Juschtschenko – unterstützt von Julija Tymoschenko – gegen den von Russland unterstützen Viktor Janukowytsch durch) und dann vor allem 2013 mit dem Euromaidan (Proteste wegen der Nicht-Unterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommens auf Druck Russlands) wird die Ukraine in Europa mehr und mehr wahrgenommen und unterstützt. Seit der Annexion der Krim 2014 herrscht in Teilen der Ost-Ukraine Krieg zwischen ukrainischen Streitkräften und Rebellen, die von Russland unterstützt werden. Der Konflikt hat rund 10.000 Menschenleben gefordert, immer wieder wird die Einhaltung des Minsker Friedensabkommens gefordert.
Das Ukraine-Festival widmet sich nicht der Politik, sondern der Kultur. „Im Mittelpunkt stehen weder die kriegerischen Auseinandersetzungen noch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986“, sagt Initiator Tomas Friedmann, „sondern die aufregende Literatur und Kunst der ukrainischen Gegenwart“. Man wolle freilich die Wirklichkeit nicht ausblenden, denn dieser Raum ist voller Geschichte und Geschichten, die sich auch in Büchern finden – geschrieben auf Ukrainisch, Russisch, Polnisch, Deutsch, Jiddisch, Rumänisch usw. Und die ukrainische Literaturwissenschafterin Mariya Donska ergänzt: „Die heutige Ukraine ist wie ein Palimpsest, ein Manuskript, in dem Lagen politischer und kultureller Geschichte sich überlappen und einander überschreiben.“

Bis 1991 war die heutige Ukraine ein Teil unterschiedlicher politischer Mächte – Polen-Litauens, Österreich-Ungarns, der Tschechoslowakei, des russischen Imperiums oder der Sowjetunion, die im Zusammenspiel mit der ukrainischen Sprache und Bevölkerung die Kultur dieses Raumes prägten. Die unabhängige Ukraine erlebte vor dem Hintergrund totaler Armut und sozialer Katastrophen der 1990-er Jahre eine echte kulturelle Renaissance. Sie konturierte die (Kultur)Landschaft des Landes neu: die magisch-irrealen Karpaten von Taras Prochasko, Jazzmelodien in Donbass und die Hinterhöfe von Charkiw von Sherhij Zhadan, idyllisch-dörfliche Bukowina von Maria Matios, das polnische Lwiw/Lemberg von Wynnytschenko, Ivano-Frankiwsk/früher Stanislaw von Juri oder Sofiоa Andruchowytsch werden mit neuen Bedeutungen angereichert. Frei von den Fesseln der Zensur stürzte sich die neue ukrainische Literatur auf früher verbotene Themen und entwarf früher unmögliche Poetiken. „Auch heute dauert der literarische und kulturelle Boom an – trotz der politischen Wirren.“ stellt Mariya Donska fest: „Umgekehrt übernehmen die Literaten wie Zhadan, Andruchowytsch oder Sabuschko eine prominente Rolle in den gesellschaftspolitischen Diskussionen, bürgerlichen und karitativen Initiativen und unterstützen die Identitätssuche des Landes, die sich auf dem Euromaidan zuspitzte.“

Die Identitätssuche und das sozialpolitische Engagement vieler ukrainischer Künstler ist bemerkenswert – und findet sich auch in deren Werken. So konzentriert sich Yevgenia Belorusets in ihrer Foto-Serie „Die Siege der Besiegten“ auf Gemeinden in der Ostukraine nahe den Kampfhandlungen und richtet die Kamera auf das unsichtbare, alltägliche Leben der Menschen. Sie weiß, dass Geschichte von den Siegern geschrieben wird, dass die Besiegten ihrer Stimme beraubt werden. „Aber gibt es nicht auch die von den Besiegten geschriebene Geschichte?“ fragt die Künstlerin und Autorin. Ihre Ausstellung wird am 26. April eröffnet und bis 30. Juni im Literaturhaus gezeigt.
Die Ausstellung steht am Beginn des Festivals „Europa der Muttersprachen“, das wie eine Reise durch literarische, filmische und fotografische Eindrücke der Ukraine führt – und über ihre Grenzen hinaus.

In (zweisprachigen) Lesungen und Gesprächen stellen sich an drei Abenden sechs Schriftsteller dem Publikum – als Grenzgängerinnen, Landvermesser und Sammler von Lebensläufen.

Am 26. April sind die Heldinnen von Natalka Sniadanko und Kateryna Babkina junge ukrainische Frauen, die die Grenzen der bekannten Welt überschreiten und denen ein mühsam ergattertes Schengen-Visum die Tore öffnet, um lustige, skurrile oder gefährliche Abenteuer zu erleben.

Chrystyna aus „Frau Müller hat nicht die Absicht, mehr zu bezahlen“ (Haymon, 2016) ist eine Musiklehrerin aus Lemberg, die in Berlin als Putzfrau arbeitet, ihre Freundin Harfenspielerin Solomija pflegt eine alte Frau. Sniadanko hat ein Talent, die sozialen Missstände ironisch, aber tiefgründig mit den Augen der klugen und weltoffenen weiblichen Protagonistinnen zu schildern. Neu bei Haymon verlegt wurde jetzt ihr erster Roman „Sammlung der Leidenschaften“ (ursprünglich 2007) – eine humorvolle Geschichte der Liebesbeziehungen und der Emanzipation einer ‚galizischen Frau‘ in Lemberg und Freiburg. Ganz nebenbei werden Lebensgeschichten und Lebensentwürfe von unterschiedlichen Menschen erzählt – Gastarbeiterinnen in Griechenland und Deutschland, Migranten, der europäischen Linken, einer alten ukrainischen Bäuerin, die bei ihrem Sohn ihre letzten Jahre in Deutschland verbringt, Schmugglerinnen an der ukrainisch-polnischen Grenze, die auch auf Deutsch sprachlich wunderbar authentisch und vielfältig wiedergegeben werden.

Die Suche nach ihrem Vater führt auch Sonja im Roman „Heute fahre ich nach morgen“ (Haymon, 2016) über die Grenze nach Polen, Berlin, zu Schmugglern an der albanisch-montenegrinischen Grenze etc. Kateryna Babkina, die vorher als Lyrikerin bekannt war, ist mit ihrem ersten Roman eine der größten Entdeckungen in der Literatur der letzten Jahre in der Ukraine. Ihre Welt ist magisch und birgt viele Überraschungen:
„Sonjas Mutter arbeitete in einem Schweizer Altenheim, sie hatte sich auf Traumdeutung spezialisiert […]. Das Leben korrigierte die Berufswahl, wie eine Lehrerin die ungelenken Schriftzüge ihrer Schüler verbesserte. […] Manchmal bekommst du auf dem Tablett eine zweite Chance serviert, direkt und lange ersehnt, ein Schengen-Visum mit Arbeitserlaubnis zum Beispiel oder die Fähigkeit, Träume zu deuten in einem Heim hoch in den Bergen.“
Das Buch ähnelt einem Roadmovie – voll von spontanen Treffen, schlagartigen Wendungen, Lebenslust und Freiheit.

Der 27. April gehört literarisch ganz Juri Andruchowytsch, dem als „Patriarch“ bezeichneten Postmodernisten, der jede Autorität subversiert. Somit wird seine Rolle als Begründer der ideologisch freien, experimentellen und lexikalisch reichen neuen ukrainischen Literatur und sein Status als – auch international weit anerkannte – Stimme seines Landes gefeiert.

Sich selbst nannte Andruchowytsch „Patriarch von BU-BA-BU“ (steht für Burlesk, Balagan, Buffonada, was übersetzt etwa Burleske, Rummel, Schwank bedeutet) – einer informellen literarischen community, die sich bereits Ende 1980-er Jahre in Iwano-Frankiwsk formierte. Die Lyrik von Andruchowytsch verschob die Grenzen dessen, was man auf Ukrainisch schreiben kann. Sie war – wie die ganze neue ukrainische Literatur – frech, modern und meisterhaft. In den 90-ern wendete sich allerdings Andruchowytsch verstärkt von der Lyrik ab. In „Moscoviada“ beschrieb er eine Erfahrung als Fremder in einer posttotalitären Moskauer Wirklichkeit, sein Roman „Zwölf Ringe“ zeigt einen anderen Fremden – den österreichischen Fotografen, der seine galizischen Wurzeln in der grotesk-ukrainischen Wirklichkeit zu finden versucht.
Für sein „Kleines Lexikon intimer Städte“ (Suhrkamp, 2016) wurde Juri Andruchowytsch „der poetische Landvermesser“ (FAZ) genannt. Im Ukrainischen trägt das Buch den Untertitel „Beliebiges Hilfsmittel für Geopoetik und Kosmopolitik“. Es ist eine Enzyklopädie, die in alphabetischer Reihenfolge unterschiedliche Städte auflistet und erzählt. Gleichzeitig hat dieses Lexikon nicht objektiven, sondern betont subjektiven, intimen, privaten Charakter. Andruchowytsch schreibt im Vorwort:
„Eine Autobiographie, die sich auf Geographie stützt – wie könnte man das nennen? Autogeographie? Autogeobiographie?“
Charkiw im Osten und alphabetisch gleich als nächste Stadt Czernowitz im Westen, Drohobytsch – die Stadt von Bruno Schulz, – Kiew, Lemberg, Uschhorod, Yalta auf der Krim repräsentieren die Ukraine. Sonst sind das insgesamt 39 Städte auf drei Kontinenten, von Antwerpen über Guadalajara oder Quedlinburg bis Venedig, die in Reiseerfahrungen, essayistischen Überlegungen und Geschichten beschrieben werden. Dies ist nur eine Auswahl aus den 111 Städteportraits, die es in der ukrainischen Originalausgabe gibt.

Am 28. April treten unter dem Titel „Lebensläufe, Alltagswunder“ gleich drei Autoren auf: Der in seiner Geburtsstadt Iwano-Frankiwsk lebende Schriftsteller Taras Prochasko mit poetischen-historischen Familienerinnerungen aus dem Karpatenvorland; die in Wien lebende Tanja Maljarschtuk mit einem Roman über ein witzig-wehrhaftes Mädchen, das im ukrainischen „San Francisco“ das zufällige Wunder sucht; und der in Kiew lebende, vielsprachige und russisch schreibende Bestsellerautor Andrej Kurkow, der satirisch-fantastisch und dabei erschreckend realistisch erhellt, warum Russland so tickt, wie es tickt.

Taras Prochasko gelingt es mit „Daraus lassen sich ein paar Erzählungen machen“ (Suhrkamp 2009) ein überaus poetisches, aber gleichzeitig tief in der Geschichte verankertes Buch zu schreiben. Die Familienerinnerungen einer in Iwano-Frankiwsk lebenden Familie reichen von Tschechoslowakei, woher der Name stammt, bis nach Sibirien, in die Großmutter des Erzählers deportiert wurde. Schlangen, um Kaffee oder Milch zu kaufen, in der Morgendämmerung in Frankiwsk, Züge in die Berge, Portraits von Bob Marley und Bars in Lviv – seine Welt ist voll von plastischen, lebensechten und verrückten Details. Prochasko, ein Botaniker nach seinem Hauptfach, studiert und betrachtet die Zeit – die es nach ihm eigentlich nicht gibt, – die vielfältigen Formen des Lebens und die vielfältigen Formen der Freude.

Eine weitere fiktive Landschaft wird in der „Biografie eines zufälligen Wunders“ (Residenz 2013) von Tanja Maljartschuk entworfen. Lena ist ein kleines Mädchen aus der ukrainischen Stadt San Francisco – in der Iwano-Frankiwsk zu erkennen ist. So erinnert sich die Oma der Hauptheldin an ganz andere Zeiten:
„Lenas Oma […] konnte sich nicht nur an die alte Zeit erinnern, sondern auch noch an die sogenannte ‚graue Vorzeit‘, als die Proletarier aller Länder sich noch nicht vereinigt hatten, um eines Tages ihren schönen Acker umzupflügen. Wenn sie davon erzählte, sagte sie immer ‚in der Zeit, als hier noch Österreich war‘. Manchmal irrte sie sich aber und sagte ‚als hier noch Polen war‘, wobei sie höchstwahrscheinlich dasselbe meinte. Für Lenas Oma war das die beste Zeit ihres Lebens.“
Aus der Sicht eines Schulmädchens und später einer jungen Journalistin wird die unerträgliche Realität der neunziger Jahre mit Armut, Ungerechtigkeit und Gewalt gezeigt. Lena wehrt sich und setzt sich für andere ein – mit viel Mitleid und Mut. Die Hartnäckigkeit der absurden Realität mischt sich mit der Möglichkeit ‚zufälligen Wunders‘.
Maljartschuk, die seit 2011 in Wien lebt, ist im deutschsprachigen Raum ziemlich populär. Als erstes erschien eine Sammlung von Erzählungen „Neunprozentiger Haushaltessig“ (Residenz 2009). Ihr drittes ins deutsche übersetztes Buch heißt „Von Hasen und anderen Europäern. Geschichten aus Kiew“ (edition.fotoTAPETA 2015). Der Originaltitel „Zviroslov“ ist in etwa wie ‚ein Wort über Tiere‘ zu übersetzen, eine Variation auf ein mittelalterliches Bestiarium – allerdings über Menschen. Gewalt, Einsamkeit, skurrile Geschichten – die Prosa von Maljartschuk ist sehr lebendig und sehr lebensecht. Die Namen von zehn Tieren von einer Qualle über das Schwein bis zum Schmetterling geben eine metaphorische Anknüpfung für ein Panorama des Lebens in einer großen Stadt – Kiew: „Ein poetisch-unsentimentaler Blick in den ukrainischen Alltag.“ (WDR).

Diese Verbindung des skurril-realen und fantastischen zeichnet auch die im Westen sehr bekannten Werke von Andrej Kurkow. Sein „Ukrainisches Tagebuch“ (Haymon 2014) ist anders. Das Buch trägt Untertitel „Aufzeichnungen aus dem Herzen des Protestes“ – dies sind Berichte über Werke und Tage des mitten in Kiew lebenden Schriftstellers zur Zeit der großen Aufruhr des Majdans. Die so viel Inspiration, Mut und Selbstopferung tragenden Ereignisse, die leider teilweise einen tragischen Ausgang hatten, wird man beim Lesen des Buches hautnah erleben: der Schreibende ist emotional involviert und weiß noch nichts von der Zukunft, die uns, den Lesern, nicht verborgen bleibt.

Der neue, bereits Ende der 80-iger Jahre verfasste Roman von Andrej Kurkow, der mindestens sechs Sprachen spricht und u.a. als Verfasser von „Picknick auf dem Eis“, „Der Milchmann in der Nacht“ und die Trilogie „Geografie eines einzelnen Schusses“ bekannt ist, trägt den Titel „Die Welt des Herrn Bickford“ (Haymon 2017). In der Nachkriegs-Sowjetunion wandert der junge Matrose Charitonow mit einer endlos langen Zündschnur in der Tasche westwärts durch die Taiga – am anderen Ende der Schnur befindet sich ein gestrandeter Kahn voller Dynamit. Auf seinem Weg Richtung Leningrad macht er Bekanntschaft mit den Absurditäten des steuerlosen Landes und den bitteren Früchten des Stalinismus. Der Gedanke, einfach alles in die Luft zu sprengen, rückt immer näher ... Auf dieser märchenhaft-melancholischen Reise legt Andrej Kurkow mit einem Blick durch die satirische Brille die „sowjetische Mentalität“ offen, die noch heute die Geschicke Russlands lenkt und auch in der Ukraine nicht unbekannt ist, wie der Autor in einem Interview meinte: „In der Ukraine gibt es sehr viele Rentner, denen der neue politische Wandel unheimlich ist. Sie kennen die neuen Regeln nicht und wissen nicht, wie sie die neue Freiheit nutzen sollen. Deswegen sehnen sie sich nach dem sowjetischen System.“ (Der Standard). Dennoch bleibt Kurkow zuversichtlich: „Natürlich. Ich stamme schließlich aus der Sowjetunion.“

Besonders hervorzuheben ist das musikalische Programm des Ukraine-Festivals. Die bekannte ukrainische Musikerin, Sängerin und Komponistin Mariana Sadovska tritt – einen Tag nach ihrem London-Konzert – an zwei Tagen mit zwei Programmen auf:

Am 26. April lädt sie mit ihrem Solo-Programm „Urainian Callings“ zu einer musikalischen Reise in entlegene Landstriche der Ukraine ein. Dort hat die ukrainische Sängerin und Schauspielerin von den Frauen heidnische Frühlingsrituale, anrührend altmodische Hochzeitslieder und verwegene Karpaten-Songs gesammelt – z.T. Jahrhunderte alte Gesänge, die mündlich überliefert die Sowjet-Ära überstanden und heute selbst unter Ukrainern meist unbekannt sind.

Beim Ukraine-Festival werden außerdem an jedem der drei Abende jeweils um 17 Uhr Filme gezeigt. Der Eintritt ist immer frei.

Am 26. April sind mehrere Kurzfilme ukrainischer Filmemacher – z.B. „It’s Silent Down Below“ (21 Min.) und „Bridge“ (13 Min.) von Olena Moskalchuk und Oksana Nosach über die Kiewer Metro von Kseniya Marchenko – vom  Dokumentarfilmfestival „86“ zu sehen. Dabei wird auch der Maidan und der Krieg thematisiert.

Am 27. April wird der vielfach ausgezeichnete Spielfilm „The Tribe“ (132 Min., 2014) von Myroslaw Slaboschpyzkyj in Gebärdensprache (ukrainisch) gezeigt. Erzählt wird die Geschichte eines gehörlosen Jugendlichen, der in einem Gehörloseninternat eine Welt allgegenwärtiger Brutalität und Anarchie erlebt. Die Kritik reagierte auf den Film äußerst positiv: „Schockierend, brutal, einzigartig – was für ein faszinierender Film“, schrieb der Guardian – und Rolling Stone meinte: „Der intensivste Film des Jahres“.
Sergey, ein gehörloser Teenager, der sich in der Welt der Hörenden schlecht zurechtfand, kommt neu in ein Gehörlosen-Internat, wo er als vollwertiges Mitglied angesehen werden will. Jedoch muss er sich dafür in die hier dominierende Gang „The Tribe“ integrieren, in der Kriminalität wie Raub, Gewalt und Prostutition alltäglich ist. In der Gang steigt er bis zum Zuhälter auf, verliebt sich aber in die zur Prostitution genötigte Anna und riskiert damit seine Position innerhalb der Gang. Für Anna übertritt er die strengen Gesetze der Gang und bringt sich und andere in Gefahr.

Am 28. April ist der Film „Mein Glück“ (127 Min., 2010) zu sehen. Gedreht in den ukrainischen Städten Schostka und Schors erzählt der erste Spielfilm des bekannten ukrainischen Regisseurs Sergej Loznitsa von Begegnungen in der postsowjetischen Gesellschaft. Der Regisseur begleitet die Hauptperson auf seiner Reise durch die russische Provinz, wo Gewalt, Geldgier, Macht und Machtlosigkeit herrschen, wo jeder Fremde ein Feind ist. Es wird immer wieder eine Verbindung zum Russland der Kriegs- und Nachkriegszeit hergestellt, die in die Geschichte in Rückblicken eingewoben ist.

Wie „Mein Glück“ einen radikalen Gegenentwurf zu jeglicher Gefühlsduselei im Kino liefert, verleiht ihm durchaus einen spröden Charme. In einer Welt voller Unmenschen, die ohne jegliche moralische Wertung inszeniert werden, kann der Zuschauer nicht darauf hoffen, dass er durch eine Bestrafung des Bösen Erlösung erfährt. (Critic.de)

An allen drei Abenden gibt es im Literaturhaus-Café zusätzlich Wein und Vodka aus der Ukraine sowie jeweils ein ukrainisches Buffet – gesponsert von der ukrainischen Botschaft in Wien. Weitere Kooperationspartner des Salzburger Festivals sind das ukrainische Kulturministerium in Kiew, das Kooperationsbüro in Lemberg und das Dokumentarfilmfestival 86.

Website: www.literaturhaus-salzburg.at

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