Die deutsch-spanische Kulturzeitschrift Österreichs

Newsletteranmeldung

Newsletter anmelden
Please wait
Samstag, 09 März 2024 12:46

Bezirksmuseum Landstraße eröffnete dreifache Ausstellung: Vielfalt von Geschichte, Widerstand und Kunst

Von
Dr. Franz Hofbauer, Direktor des Bezirksmuseums Landstraße, bei der Eröffnung der drei Frühjahrsausstellungen. Foto: CulturaLatina

Dr. Franz Hofbauer, Direktor des Bezirksmuseums Landstraße, hieß alle Besucher:innen zur feierlichen Eröffnung der drei Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums am 8. März im Festsaal des Amtshauses herzlich willkommen. Die Veranstaltung im Festsaal wurde durch den Bezirksvorsteher Erich Hohenberger ermöglicht.

Die erste der drei Ausstellungen, kuratiert und organisiert von Dr. Dipl.-Ing. Prof. Rudolf Zabrana, beleuchtet das Thema „Arbeit, Handel, Industrie und Gewerbe im Bezirk“. Zabrana, ein Urgestein des dritten Bezirks, präsentiert die Geschichte dieses Themas in einer umfassenden Darstellung.

Die zweite Ausstellung „Widerstand gegen den Faschismus in der Landstraße (1934-1945)“, wurde von Dr. David Hecht kuratiert. Der persönliche Bezug zum Widerstand durch seinen Großvater, ermöglicht einen tiefen Einblick in die bewegende Geschichte dieser Ära.

Ing. Michael Gryksa, Sammler und Mitglied des Vorstands der Exlibrisgesellschaft, kuratierte die dritte Ausstellung „Franz von Bayros. Ausstellung zum 100. Todestag“ österreichischer Grafiker, Illustrator und Maler des Fin de siècle.

Direktor Dr. Hofbauer erzählte die beeindruckende Geschichte, wie die Ausstellung über den Maler Franz von Bayros aus den privaten Fonds von Gryksa entstand. Dabei hob er hervor, wie der Künstler mit besonderer Hingabe die Schönheit der Frau in den Mittelpunkt seiner Kunst stellte. Die Ausstellung, die eine seltene Gelegenheit bietet, die vielseitige Kunst dieses heute nur von Spezialisten bekannten Malers zu entdecken, wurde im Zusammenhang mit dem Weltfrauentag präsentiert.

Dr. Hofbauer kündigte außerdem weitere spannende Veranstaltungen im Bezirksmuseum an, darunter ein „Literarischer Jour-fixe“ unter der Leitung von Susanne Höhne mit einer Lesung der Schauspielerin Johanna Mertens. Die Veröffentlichung eines Sonderhefts über Franz von Bayros am 2. April sowie ein geplanter Spaziergang zur Tongasse 4 (dem Sterbehaus von Franz v. Bayros) versprechen weitere Highlights.

Für den musikalischen Rahmen sorgte der legendäre Ingomar Kmentt mit wunderschönen Wienerliedern.

Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Dr. Dipl.-Ing. Prof. Rudolf Zabrana, beleuchtet das Thema „Arbeit, Handel, Industrie und Gewerbe im 3. Bezirk“. Foto: CulturaLatina.

Handel, Gewerbe und Industrie im dritten Bezirk

Dr. Dipl.-Ing. Prof. Rudolf Zabrana betonte in seinem Eröffnungsvortrag, dass der Begriff „Industrie“ für die Landstraße zu kurz greife.

Die Ausführungen von Dr. Zabrana zeichneten ein lebendiges Bild von der Geschichte der Landstraße, die einst von Klöstern und Gärten geprägt war. Durch den Donaukanal und die Jagdgebiete am Rüdenhaus entstand eine einzigartige Kombination von Landwirtschaft, Fischerei und Handel. Die Entwicklung setzte sich fort mit dem Bau des Wiener Neustädter Kanals, der die Landstraße ins Manufakturzeitalter katapultierte.

Dr. Zabrana beleuchtete auch die Rolle des Adels, die Fleischverarbeitung in St. Marx, die Herausforderungen durch Kriegsschäden und den Wandel im Bezirk durch den Bau der Tangente und der U3. Besonders betonte er die Ära der „Lohnschlächter von St. Marx" als Symbol für die industrielle Landschaft.

Ein entscheidender Moment war der Jahrtausendwechsel, als der Erdberger Mais nach einer kompletten Umkehrung zu einem Zentrum höherwertiger Nutzungen wurde. Dienstleistungen, Büros, Handel und Großhandel etablierten sich im Bezirk, der nun den ersten Platz bei den Wiener Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen belegt.

„Mit mehr als 125.000 Arbeitsplätzen bei rund 100.000 Einwohnern ist die Landstraße der führende Arbeitsstandort in Wien", so Dr. Zabrana. Weiters betonte er die positiven Zukunftsaussichten, die durch Bildungseinrichtungen, Biotechnologie und weitere Wachstumsmöglichkeiten getragen werden.

Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Dr. David Hecht, Kurator der Ausstellung „Widerstand im Dritten“. Foto: CulturaLatina.

Widerstand im Dritten

In seiner Rede tauchte Dr. David Hecht, Kurator der Ausstellung "Widerstand im Dritten", in das Jahr 1944 ein, wo kleine Akte des Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime unscheinbar erscheinen, aber für diejenigen, die den Mut hatten, lebensgefährlich waren. Die Geschichten von Frauen, die wegen eines einzigen Wortes zum Tode verurteilt wurden, und von Männern, die sich trotz extremer Risiken gegen den sinnlosen Krieg auflehnten, veranschaulichen die unvorstellbaren Herausforderungen dieser Ära.

Dr. Hecht appellierte an die Besucher:innen, sich in die Lage der Menschen von damals zu versetzen. Die Fragen nach Vertrauen, Misstrauen, Denunziation und Angst vor Repressalien waren allgegenwärtig. In einer Diktatur wurde eigenständiges Denken und Handeln rigoros unterdrückt.

Der Kurator forderte die Besucher auf, sich nicht nur zu fragen, ob sie den Mut der Widerstandskämpfer gehabt hätten, sondern auch, ob sie heute entschieden genug gegen Hass, Ausgrenzung und undemokratische Tendenzen eintreten. Denn auch wenn der Widerstand gegen politischen Populismus und Demagogie heute weniger Mut erfordert als früher, so ist er doch notwendig, um die Werte der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit zu verteidigen.

Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Ing. Michael Gryksa, Sammler, Mitglied des Vorstands der Exlibrisgesellschaft und Kurator der Ausstellung „Franz von Bayros“ . Foto: CulturaLatina.

Franz von Bayros. Ausstellung zum 100. Todestag

Ing. Michael Gryksa, Kurator der Ausstellung "Franz von Bayros" (1866 in Zagreb; † 1924 in Wien), erklärte, dass der Künstler weit mehr als nur der Schöpfer von erotischen Kunstwerken war, die ihn in der heutigen Zeit auf Online-Plattformen oft verkannt erscheinen lassen. Franz von Bayros studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er seine Leidenschaft für das Malen entdeckte.

Die Anekdoten rund um Bayros' Bild zum 50. Kapellmeisterjubiläum von Johann Strauss, das nach dem Scheitern seiner Ehe mit Alice Strauss verändert wurde, verliehen der Vernissage eine humorvolle Note.

Bayros floh vor dem Einfluss der Strauss-Familie nach München, wo er bei Adolf Hölzel studierte und seinen unverwechselbaren Stil, eine Mischung aus Jugendstil und Rokoko, entwickelte. Einer seiner Erfolge war die Werbekampagne für die Champagnerfirma Moët & Chandon.

1897 zog Bayros nach München und erlitt einen Schlaganfall, der seine rechte Hand beeinträchtigte. Dennoch setzte er seine kreative Arbeit fort und schuf beeindruckende Werke, darunter 60 Illustrationen für Dantes Göttliche Komödie.

Gryksa dankte der Stadt Wien für die Übernahme der Pflege von Bayros Grabstätte am Zentralfriedhof.

Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Das Publikum im Amthaus Landstraße. Foto: CulturaLatina.
Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Die musikalische Umrahmung war großartig. Foto: CulturaLatina
Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Bezirksrat Matthias Lang, Bezirksrätin und Direktorin der Zeitschrift Cultura Latina & Österreichische Kultur, Maria Taramona und Dr. Franz Hofbauer, Direktor des Bezirksmuseums Landstraße, bei der Vernissage. Foto: CulturaLatina.
Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße
Frühjahrsausstellungen des Bezirksmuseums Landstraße

--

Alle sind herzlich eingeladen, diese spannende Ausstellung zu besuchen. Der Eintritt ist frei, mittwochs von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr.

Informationen:
Bezirksmuseum Landstraße
Sechskrügelgasse 11, 1030 Wien
www.bezirksmuseum.at/de/ausstellung/fruehjahrsausstellungen

Letzte Änderung am Sonntag, 10 März 2024 19:44
Maria Taramona

María Elena Taramona de Rodríguez, die Direktorin der Zeitschrift „CulturaLatina & Österreichische Kultur“, ist Journalistin und Grafikdesignerin. Sie hat ein Studium in Informatik absolviert und ein Diplom im Bereich Marketing erworben.

Seit 2005 lebt sie in Österreich und gründete 2009 ihr eigenes Unternehmen, die Taramona Werbeagentur, in Wien. Von dort aus initiierte sie das Magazin „CulturaLatina & Österreichische Kultur“, um als Kommunikationsmittel den Bedürfnissen der spanischsprachigen Community in Österreich, unabhängig von ihrem internationalen Hintergrund, gerecht zu werden. Für sie ist Integration unerlässlich und kann nur in beide Richtungen erfolgreich funktionieren.

Das zweisprachige Magazin „CulturaLatina & Österreichische Kultur“ ist seit dem 12. Oktober 2010 online präsent und veröffentlichte seine erste gedruckte Ausgabe im Jahr 2016 mit einer Auflage von 3.000 Exemplaren, die hauptsächlich in Wien und Niederösterreich verteilt werden. Das Ziel des Magazins ist es, die hispanoamerikanische Kultur in Österreich bekannter zu machen, Aspekte zu beleuchten, die die österreichische Kultur eng mit der iberoamerikanischen verbinden, sowie die Verbreitung der österreichischen Kultur und derjenigen Gemeinschaften zu fördern, die mit Österreich verbunden sind. Denn wenn man die Denkweise anderer Kulturen kennt, kann man sie auch besser verstehen.

Darüber hinaus setzt sie sich aktiv für die Förderung der spanischen Sprache, die Integration spanischsprachiger Einwander:innen, das gegenseitige Verständnis und den Austausch zwischen den Kulturen ein.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Newsletter Anmeldung
Please wait
Don't have an account yet? Register Now!

Sign in to your account