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Dienstag, 29 Dezember 2020 14:35

José Gaos: Ein authentisches Leben, sein ganz Eigenes

Von Christian Blanco Fernández
Buch „Erste und zweite Einführung in die Wissenschaftstheorie“ des deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Eines der von José Gaos übersetzten Werke. Foto: Stefan Galván

Philosoph, Übersetzer, Professor. Seine Bemühungen bauten Brücken zwischen der deutschen und der hispanoamerikanischen Kultur. Übersetzer von Heidegger, Husserl oder Hartmann, heute haben wir uns zur Aufgabe gemacht, ihn zu würdigen.

Die Anfänge eines humanistischen Schaffens

Der wichtigste kulturelle Anstoß für eine eigenständige spanische Philosophie, Literatur und Wissenschaft entstand aus der Identitätskrise des Hispanismus nach dem Verlust der Kolonien während der sogenannten Krise von 1898. Fakt ist, dass nach den diktatorischen Geißeln unter Primo de Rivera und Franco und den zwischenzeitlich gescheiterten Versuchen der 1. und 2. Republik, der Anteil der Analphabeten in Spanien, der 1900 bei 55,71% lag, erst 1950 auf 10,07% sank. Die Politik der Isolation vom übrigen Europa, die unter Francos Regime noch einschneidender war, führte auch dazu, dass das spanische Bildungsniveau, im Gegensatz zu Frankreich, Deutschland oder England, eine deutliche Verzögerung erfuhr.

José Gaos
José Gaos (Foto: ©Fundación Pablo Iglesias/fpabloiglesias.es)

In diesem Umfeld stellte sich eine kleine Gruppe von Intellektuellen aus den 1920er und 1930er Jahren, darunter José Gaos - Manuel García Morente, Xavier Zubiri, José Ortega y Gasset, Julián Marías und andere - der Aufgabe, Spanien „kulturell aufzuwerten“. Sie waren verantwortlich dafür, das philosophische, wissenschaftliche und literarische Denken jener Zeit aus Deutschland in die spanischsprachige Welt zu übertragen. Dazu benutzten sie ein mehr als mächtiges Medium: die Revista de Occidente (deren Leiter Gaos wurde). Nachdem es ihnen gelungen war, die erdrückende Zensur zu umgehen, richteten sie Redaktionsbüros in Mexiko-Stadt und Buenos Aires ein, um ein sicheres Umfeld zu schaffen, durch das sie jene Denkströmungen vermitteln konnten, die Europa modernisierten. Gaos war Teil dieses Prozesses der „Verlagerung der kulturellen Bühne“, bei dem die Übersetzung das wichtigste Standbein war. Nach seinem Exil aus Spanien im Jahr 1937 beschloss er jedoch, seinen Beitrag noch weiter auszubauen. Als „transterrado“ (etwa: „Grenzgänger“ oder „Einwanderer“) - so nannte er sich selbst - machte er aus dem Übersetzen nicht nur etwas „Literarisches“, sondern auch etwas „Wörtliches“: Mit seinen Aktionen, sowohl als Professor als auch im institutionellen Bereich, schaffte er das Unmögliche, um , zuerst in Spanien und dann in Lateinamerika (Kuba, Mexiko, Venezuela, Guatemala usw.), zu vermitteln, was in Europa vor sich ging.

Der unermüdliche Übersetzer

Im Alter von 16 Jahren begann er sein Philosophiestudium an der Universität Valencia, wo er auch begann, Deutsch als Autodidakt zu lernen. Später perfektionierte er die Sprache durch den Besuch von Kursen und wurde schließlich Deutschprofessor an dieser Universität. Seine wahre Berufung zum Übersetzen ging jedoch von seinem Professor Ortega y Gasset aus, der immer wieder sagte: „Wenn du anfangen willst zu denken, lerne Deutsch“. Damit begann eine Aufgabe, die 50 Jahre dauern sollte.
Obwohl die exakte Anzahl nicht festgestellt werden konnte, schätzt man, dass José Gaos mindestens 70 Übersetzungen verfasst hat, fast alle in den Bereichen Philosophie, Wissenschaft und Literatur. Zu seinen bewundernswerten Leistungen gehören die Übersetzungen von Edmund Husserls Logischen Untersuchungen (1900-1901: Investigaciones lógicas, Revista de Occidente, 1929), Sein und Zeit von Martin Heidegger (1927: El Ser y el Tiempo, Fondo de Cultura Económica, 1951), oder auch Ontologie von Nicolai Hartmann (1935–1940: Ontología, Fondo de Cultura Económica, 1956). Die Genauigkeit dieser Übersetzungen ist so hoch, dass sie auch heute noch herangezogen werden, da sie die spanische Terminologie im Bereich der Philosophie derart geprägt haben, dass damit die deutsche Philosophie verstanden werden kann. Anders ausgedrückt, wenn wir über Philosophie diskutieren, verwenden wir jene spanischen Ausdrücke, die Gaos für die deutschen Wörter gewählt hat.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der ausgedruckten Version der Zeitschrift CulturaLatina. Hier geht es zum Onlineshop

Einen Dank an Mag. Petra Reitböck, BA für die ausgezeichnete Übersetzung.

Onlineshop CulturaLatina Magazin

Letzte Änderung am Freitag, 26 März 2021 09:02

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