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Samstag, 03 März 2018 09:19

80 Jahre nach Mexikos Protest gegen die Anschluss Österreichs durch Nazi-Deutschland

geschrieben von Rafael Donnadio | Übersetzung: Hermann Klosius
Isidro Fabela 1938 (Foto Copyright Dr. Christian Kloyber)

Nach der Annexion im März 1938 hatte Österreich aufgehört, als souveräner Staat zu existieren. Als einziges Land der Welt legte Mexiko durch Gesandten Isidro Fabela, seinen Vertreter beim Völkerbund in Genf, gegen den "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland offiziellen Protest ein.

Isidro Fabela galt als profunder Kenner des "Roten Wien" der 1920er-Jahre, in dessen Bildungs- und Sozialpolitik er ein Vorbild für Mexiko sah. Der Protest wurde durch Mexikos permanente Vertretung in Genf, Schweiz, in Form einer diplomatischen Note an Josephus Avenol, den Generalsekretär des Völkerbundes, übermittelt. Den von Isidro Fabela verfassten Text hatte General Lázaro Cárdenas, der Präsident Mexikos, autorisiert.

In seinem Inhalt kommen die Prinzipien der Souveränität und Solidarität mit den unterdrückten und verfolgten Völkern zum Ausdruck, die damals Mexikos Innen- und Außenpolitik bestimmten. Beweis dafür sind Mexikos solidarische Handlungen zwischen 1935 und 1938: 1935 das Verhängen von Sanktionen gegen Italien wegen dessen Militärintervention in Abessinien (Äthiopien). 1938 der Kauf und die kostenlose Übergabe von Waffen und Munition an die spanische Republik in ihrem Kampf gegen die faschistischen Truppen von General Francisco Franco. Und ebenfalls 1938 der formelle Protest gegen die Annexion Österreichs. Die Solidarität der mexikanischen Regierung schlug sich in konkreten Handlungen nieder, indem sie tausende Flüchtlinge aufnahm – die infolge des spanischen Bürgerkriegs oder der Annexion Österreichs durch Nazideutschland geflohen waren – und ihnen Zuflucht vor der faschistischen Barbarei in Europa gewährten und ihnen durch die Integration in ihr neues Land Zukunftschancen gab.

Während seiner Funktion als Vertreter Mexikos beim Völkerbund betätigte sich Isidro Fabela tatsächlich als profunder politischer Analyst und schickte regelmäßig sehr präzise Berichte über Aufstieg und Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland sowie ihre spätere Machtübernahme an Präsident Cárdenas.

Dazu zitieren wir Dr. Christian Kloyber, Historiker und Experte für lateinamerikanische Geschichte sowie Direktor des Österreichischen Bundesinstituts für Erwachsenenbildung: „Die Korrespondenz zwischen Fabela und Cárdenas belegt seine realistische Einschätzung der Situation in Österreich und Europa vor dem März 1938. Fabela beschrieb Österreich als ein Land, das seit 1934 seiner demokratischen Kräfte beraubt worden war und das bewusst dem unzähmbaren Expansionsdrang des Deutschen Reichs als Beute überlassen wurde. Parallel zu seiner diplomatischen Arbeit ist seine humanistische Einstellung hervorzuheben, die sich in seinen Berichten an Präsident Cárdenas zeigt, in denen er seine Gefühle rückhaltlos ausdrückte. In ihnen beschrieb er seine Traurigkeit und Verzweiflung über die Grausamkeiten, die er voraussah, und auch darüber, was sich 1939 abzeichnete. Ebenso bezog er sich auf die Konzentrationslager, auf die Ermordung von Juden in Deutschland und Österreich sowie ihre Selbstmorde. Als er den Präsidenten Mexikos über Adolf Hitlers Vernichtungspläne informierte, übermittelte er ihm ein kristallklares Bild der zu Beginn des Krieges herrschenden Situation. Fabelas Briefe waren ein Aufruf zum Handeln, eine Anstiftung zur Menschlichkeit und ein Gebot der internationalen Solidarität.“(*)

Erwähnenswert ist auch, dass Mexiko als erstes Land die junge Erste Republik Österreich nach dem Zusammenbruch des Österreich-Ungarischen Imperiums anerkannt hat. Später, im Jahr 1952, hat Mexiko in der UN-Generalversammlung die unverzügliche Umsetzung der sogenannten Deklaration von Moskau verlangt, im Hinblick auf die Wiederherstellung von Österreichs Unabhängigkeit. Dadurch wurde Österreich im Jahr 1955 als neutrales und unabhängiges Land Mitglied der Vereinten Nationen.

Mexikos Protestnote ist ein berühmtes und oft zitiertes Dokument, das in der Praxis aber sehr wenige Menschen kennen. Deshalb präsentieren wir Ihnen sein Faksimile (zu sehen im CulturaLatina 6/2017 - Seiten 18 und 19 (4 & 5) sowie seine Übersetzung ins Spanische und Deutsche), da die Note auf Französisch verfasst wurde. Auf diese Weise tragen wir zu den Aktivitäten bei, die es im Verlauf des Jahres 2018 geben wird, um daran zu erinnern, dass Österreich vor 80 Jahren durch Nazideutschland annektiert wurde und Mexiko ihm damals als einziges Land solidarisch die Hand gereicht hat. 

 
(*) Fragment des Artikels DER MEXIKANISCHE PROTEST IN DOKUMENTEN, geschrieben für das Programm des „Festival Cultural de Mayo 2005“ in Guadalajara, Mexiko, als Österreich das Gastland war.

 Veranstaltungen im Gedenken an "Mexikos Protest gegen die Anschluss Österreichs durch Nazideutschland" 

 

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