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Dienstag, 01 März 2016 17:49

Internationaler Frauentag: NPH fördert gezielt Mädchen und Frauen in Lateinamerika

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Kleine Schritte in eine bessere Zukunft (Foto: © NPH)

Seit 1975 feiern die Vereinten Nationen jedes Jahr am 8. März den Internationalen Frauentag, an dem für die Gleichstellung der Geschlechter mobilisiert wird. 2015 wurde im Rahmen der Sustainable Development Goals festgelegt, dass jegliche Form der Diskriminierung von Frauen bis 2030 eliminiert werden soll. Besonders in Lateinamerika und der Karibik gibt es noch viel zu tun, damit dieses Ziel erreicht werden kann.

Hier arbeiten Frauen vielfach in schlecht bezahlten Jobs, sind bei Haushalt und Kindererziehung auf sich allein gestellt und zudem oft mit Gewalt konfrontiert. Das lateinamerikanische Kinderhilfswerk NPH (Nuestros Pequeños Hermanos = Unsere kleinen Brüder und Schwestern) verbessert mit speziellen Programmen die Situation von Mädchen und Frauen.

Diskriminierung von Frauen in Lateinamerika hat viele Aspekte

Nach dem Bericht „Progress of the World’s Women 2015-2016“ der Vereinten Nationen konnte keine andere Region der Welt zwischen 1990 und 2013 ein stärkeres Wachstum bei der Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt verzeichnen als Lateinamerika. Dennoch liegen die Frauen mit einer Erwerbsquote von 54 % deutlich hinter den Männern mit 80 %. Im Bildungsbereich sind Frauen mit stetig steigenden Schulbesuchsraten auf der Überholspur. Trotzdem liegt das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern laut UNO in Lateinamerika nach wie vor bei 19 %. Dass Frauen deutlich weniger verdienen als Männer, lässt sich vor allem auf die hohe Beschäftigung von Frauen in schlecht bezahlten Jobs im informellen Sektor zurückführen. Stark benachteiligt sind lateinamerikanische Frauen auch, wenn es um Hausarbeit und Kinderbetreuung geht: In zehn von 13 untersuchten Ländern der Region arbeiten sie täglich viel mehr Stunden als Männer, wenn unbezahlte Haushaltstätigkeiten in die Statistik miteinbezogen werden. In Guatemala verbringen Frauen gar fünf Mal mehr Zeit mit unbezahlter Hausarbeit als Männer. Auch haben in den vergangenen Jahren Single-Eltern-Haushalte in der Region zugenommen, die meisten davon werden von Frauen geführt. Dies ist insofern problematisch, da Frauen besonders anfällig für Armut sind. Die Armutsrate in der Region ist in den vergangenen Jahren zwar generell gesunken, der Anteil von Frauen in Haushalten mit Einkommen unter der Armutsgrenze aber signifikant gestiegen. Nicht zuletzt ist die vorherrschende Gewalt in der Region ein Problem, mit dem sich vor allem Frauen konfrontiert sehen. Lateinamerika verzeichnet die höchste Mordrate an Mädchen und Frauen weltweit. In Honduras wird nahezu ein Drittel aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren mindestens einmal im Leben Opfer physischer Gewalt.

NPH-Unterstützung richtet sich an Mädchen und junge Mütter

NPH versteht sich als Teil der globalen Initiative, Gleichberechtigung weiter voranzutreiben und trägt in Lateinamerika zur Verbesserung der Situation von Mädchen und Frauen bei. Eine solide Grundschulausbildung in den zehn NPH-Kinderdörfern soll die Mädchen vor prekären Arbeitsverhältnissen zu Dumping-Löhnen im späteren Berufsleben schützen. Umfangreiche Ausbildungsgänge in den NPH-eigenen Lehrwerkstätten ermöglichen ihnen staatlich zertifizierte Lehrabschlüsse mit Zukunft.

Pasos Pequeñitos – die Kindertagesstätte für alleinerziehende Mütter

Mit Pasos Pequeñitos (dt. kleine Schritte) bietet NPH alleinerziehenden Müttern in Tegucigalpa, Honduras, einen Ausweg aus der Armutsspirale. Hier werden Kinder betreut, während ihre Mütter arbeiten gehen oder Kurse belegen, um eine besser bezahlte Arbeit zu finden. Der Kindergarten feierte im Dezember 2015 sein zehnjähriges Bestehen. Seit seiner Gründung half NPH über 100 Kindern und 80 Frauen, die sich eine reguläre Kinderbetreuung nicht leisten konnten. Derzeit können täglich bis zu 20 Kinder betreut werden. Der Bedarf ist damit aber bei weitem nicht gedeckt. Dr. Vera Dinkelacker, Ärztin und Gründerin des Sozialkindergartens, fasst die bisherigen Errungenschaften zusammen: „Die Erfolge der Mütter sprechen für sich: Argentina, eine Mutter mit drei Kindern ist jetzt Krankenschwester. Viele Mütter haben durch Ausbildungen im Rechnungswesen, in der Betriebswirtschaft oder durch eine Lehre ihre finanzielle Situation verbessert. Sie verdienen mehr Geld und können ihre Kinder gut versorgen.“

Chicas Poderosas – das Förderprogramm für starke Mädchen

Chicas Poderosas (dt. starke Mädchen) ist NPHs Kernprogramm zur Frauenförderung. Im Rahmen dieses Programms werden in den Kinderdörfern wöchentlich Diskussionen und Workshops organisiert, Projekte realisiert und Ausflüge veranstaltet. Die Mädchen werden über ihre grundlegenden Rechte aufgeklärt und auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet. Sie können sich mit Gleichgesinnten austauschen, Probleme ansprechen und Konflikte lösen, wodurch ihr Selbstbewusstsein gestärkt wird. Zurzeit nehmen 200 Mädchen in Guatemala, Honduras, Mexiko und Nicaragua an Chicas Poderosas teil. Mehr Informationen zum Programm.

Als erfolgreiche Anwältin in Honduras – ein steiniger Weg

Wie Statistiken der Vereinten Nationen zeigen, liegt die Erwerbsquote der Frauen in Honduras mit knapp über 40 % weit unter jener der Männer mit über 80 %. Auch die Arbeitslosenrate ist bei Frauen wesentlich höher. Honduranische Frauen verbringen täglich dreimal so viel Zeit mit Kinderbetreuung und Haushalt als Männer. In diesem Umfeld schien es Sandra Leticia Baca Pozo zunächst unmöglich, ihren Traum einer Anwaltskarriere zu verwirklichen.

Heute ist Sandra 36 Jahre alt und erfolgreich als Anwältin tätig. Bevor Sandra mit elf Jahren zu NPH kam, war ihr ein regelmäßiger Schulbesuch nicht möglich. Nachdem ihre Mutter gestorben war, musste sie zuhause bleiben und sich um ihre Geschwister kümmern, während der Vater arbeitete. „Hier in Honduras ist die Benachteiligung von Frauen alltäglich. Das fängt schon in der Familie an: Frauen wird beigebracht, den Haushalt zu führen, während der Mann arbeitet. Viele Mädchen gehen nicht zur Schule, weil sie zuhause mithelfen müssen“, so Sandra. Die junge Frau ist stolz darauf, dank der Hilfe von NPH ein Universitätsstudium abgeschlossen zu haben. Für sie ist klar: „Frauen gut auszubilden ist unumgänglich, um eine zukunftsfähige Gesellschaft zu schaffen. Denn nichts hat mehr Einfluss auf das Bildungsniveau eines Kindes als die Ausbildung seiner Mutter.“

(Quelle: NPH Austria)

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