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Donnerstag, 21 Mai 2015 10:54

Neue Welten – Sharing Stories: Ein Container des Weltmuseums Wien im öffentlichen Raum

Geschrieben von
v.l.n.r. Steven Engelsman, Direktor Weltmuseum Wien, Anne Wiederhold, Künstlerische Leitung Brunnenpassage, Tal Adler, freier Künstler Karin Scheider, freie Kulturvermittlerin. (Foto: Stefanie Steindl)

Am 9. April 2015 startete das Projekt Neue Welten – Sharing Stories. Ein Container bzw. ein Neue Welten-Corner wird zum Ort von Erzählungen, an dem Menschen für sie wichtige Gegenstände mitbringen und dazu eine Geschichte erzählen.

Für das Weltmuseum Wien ist vor kurzem der Startschuss zu einer Neuausrichtung gefallen. Bis zur großen Neueröffnung im Herbst 2017 wird das Museum allerdings noch geschlossen sein. Aus diesem Grund startet nun mit Neue Welten – Sharing Stories ein partizipatives Projekt, durch welches das Weltmuseum Wien im öffentlichen Raum präsent sein wird.

„In der Zeit, in der die Menschen nicht zu uns kommen können, versuchen wir alles zu tun, um sie trotzdem für unsere Themen zu interessieren und sie zu berühren. Auf diese Weise soll die Neugier auf einen späteren Besuch des neuen Hauses und unsere museale Arbeit geweckt werden. Das Projekt Neue Welten – Sharing Stories nützt darüber hinaus die Schließzeit als produktive Reflexionspause, um grundlegende Selbstverständlichkeiten des Museums – wie den Kulturbegriff oder die Frage, wer Objekten Bedeutung gibt – neu zu denken. Damit ein solches Vorhaben gelingt kann, laden wir eine breite Öffentlichkeit zu einem partizipativen Projekt ein, das 2017 in eine Sonderausstellung mündet“, so Steven Engelsman, Direktor des Weltmuseums Wien.

Sharing Stories: Eine Auseinandersetzung mit Kulturbegriff und Multiperspektivität

„Mit diesem partizipatives Projekt involvieren wir unterschiedliche Menschen in die kritische Debatte zum Gebrauch des Begriffs Kultur. Dabei zeigen wir die Vielschichtigkeit von Bedeutungen, die wir Objekten und Geschichten geben und die abhängig sind vom jeweiligen Kontext, davon wer erzählt, wer zuhört und wer wessen Erzählungen ernst nimmt. Wir reflektieren damit auch kritisch jene musealen oder wissenschaftlichen Praxen, die einer Erzählung (z. B. der vermeintlich wissenschaftlichen, westlichen Sichtweise) mehr Bedeutung
geben als anderen (z. B. persönlichen) Erzählungen.“
umreißt der Projektkurator Tal Adler die Zielsetzung des Projekts.
„Eine solche öffentliche Befragung des Kulturbegriffs ist wichtig, da wir bei jeder Verwendung in die Falle geraten können, zu glauben, dass die einen ganz anders als die anderen und vielleicht sogar besser sind“, so Karin Schneider, freie Kulturvermittlerin und Kuratorin des Projekts. „Es ist schwierig“, führt die Kuratorin Jani Kuhnt-Saptodewo aus, „den Terminus Kultur unabhängig von seinen historischen und politischen Implikationen zu verwenden, und gleichzeitig ist es genauso schwierig, das Wort Kultur zu vermeiden“. Die Kuratorin Claudia Augustat ergänzt: „Daher schlagen wir in diesem Projekt vor, genauer auf die Praxis des Geschichten-Erzählens zu schauen, um tatsächlich zu verstehen, wie wir den Begriff Kultur verwenden. Ein auf diese Weise entstehender Prozess des gemeinsamen Verlernens führt zu einem neuen Verständnis von sozialen und politischen Zusammenhängen.“

Die Herangehensweise des Projektes Neue Welten – Sharing Stories

Dreh- und Angelpunkt der ersten Station des Projektes ist der KunstSozialRaum Brunnenpassage. Dieser hat die Teilhabe aller Menschen an Kunst und Kultur zum Ziel. Seit 2007 entwickelt die Brunnenpassage Modelle, die eigene Kunstformate in Hinblick auf Qualität und Teilhabemöglichkeiten reflektieren.

Im Rahmen des Projektes Neue Welten – Sharing Stories werden unterschiedliche Menschen eingeladen, in die Brunnenpassage einen für sie bedeutsamen Gegenstand mitzubringen und ihre Geschichte dazu zu erzählen. Die Auswahl kann sich darauf beziehen, was die Besitzerin oder der Besitzer selbst unter dem Begriff Kultur versteht, sie kann etwas mit der eigenen Geschichte zu tun haben, mit dem eigenen Alltag, dem eigenen Lebenshintergrund, der Reise in diese Stadt, den eigenen Sehnsüchten oder den jeweiligen Überzeugungen.
Die Geschichten werden dokumentiert, die Gegenstände werden fotografiert und dann von ihren BesitzerInnen wieder mitgenommen. Wenn die ErzählerInnen einverstanden sind, werden diese Geschichten anschließend mit der Öffentlichkeit geteilt und können über Social Media und die Website www.weltmuseumwien.at/NeueWelten von anderen kommentiert werden.

Im Laufe des Projekts entsteht somit ein digitales Archiv an Objekten und Geschichten.

Eine gemeinsam kuratierte Auswahl von Gegenständen und Geschichten wird darüber hinaus mehrschichtig dargestellt.
Zunächst erzählen uns die BesitzerInnen des jeweiligen Objekts ihre eigenen Geschichten: Wie und warum kam das Objekt zu ihnen? Warum ist es für sie wichtig, für ihre Familien oder ihre Communities? Was symbolisieren die Objekte für sie? Danach fragen wir ExpertInnen und ForscherInnen, was diese Objekte für sie bedeuten. So fügen wir zu demselben Objekt jeweils andere Aspekte hinzu – wie die des Designs, der Geschichte, der alltäglichen Verwendung durch andere Gruppen oder Einzelpersonen. Keine der Erzählungen widerspricht der anderen, sie wetteifern nicht miteinander und unterminieren einander nicht, sondern bereichern unsere Wahrnehmung der Objekte und unsere Beziehung zu ihnen.
Diese unterschiedlichen Erzählungen werden mit einem Hologramm, als Audio-Datei, als transkribierter Text und als Video-Interview dargeboten und schließlich Bestandteil einer abschließenden Publikation.

Der museale Hintergrund

Durch die Aufnahme in eine Museumssammlung erfahren Gegenstände einen Bedeutungswandel. Ihre Deutung wird nunmehr durch das Museum vorgegeben. Dabei spielt es auch eine Rolle, um welchen Typ von Museum es sich handelt, welche Geschichte das Museum selbst mit sich führt, welche wissenschaftliche Ausrichtung es heute besitzt und an welche Gruppen von BesucherInnen es sich wendet.
In der traditionellen Arbeitsweise ethnologischer Museen dienten Objekte vorrangig als Repräsentanten ihrer sogenannten „Ursprungskultur“. Die zentrale Aufgabe eines Objektes bestand also darin, etwas über die „Herkunftskultur“ zu erzählen. Dabei traten andere Geschichten, die in ihrem ursprünglichen Kontext von größerer Bedeutung waren, in den Hintergrund und wurden nicht dokumentiert oder vermittelt. So haben viele Objekte bestimmten Personen gehört und waren wohl mit persönlichen Erinnerungen verknüpft, die uns heute nicht mehr bekannt sind. Gegenstände konnten auch mit jenen historischen Ereignissen verbunden sein, die in der ethnologischen Arbeitsweise häufig ausgeblendet wurden. Eine der Geschichten, die von den Museen oft nicht erzählt wurden, ist jene rund um den Transfer der Objekte nach Europa: Wer war darin involviert? Wurde das Objekt gekauft, gestohlen, getauscht, geschenkt? Warum wurde es überhaupt gesammelt oder weggegeben? War es im Vergleich zu anderen

Dingen herausragend oder eines von vielen gleichen? Jede Antwort auf diese zahlreichen Fragen eröffnet bei der Betrachtung des Objektes einen neuen Blickwinkel und erzählt eine andere Geschichte.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Arbeitsweise ethnologischer Museen markant verändert. Die Dinge werden heute nicht mehr eindimensional betrachtet, man will die Vielschichtigkeit von Bedeutungen in den Vordergrund stellen. Sie ergibt sich durch die jeweilige Perspektive aus der man einen Gegenstand betrachtet, und aus den unterschiedlichen Assoziationen, die verschiedene Menschen mit einem Objekt verbinden können. So wird etwa durch Archivforschung versucht, Splitter der vergessenen Objektgeschichte zu rekonstruieren. Besonders wichtig ist es dabei, Stimmen aus der Herkunftsgesellschaft mit einzubeziehen, um die Objekte wieder mit manchen der verloren gegangenen Bedeutungen und Geschichten in einen Zusammenhang zu bringen. Menschen, deren kulturelles Erbe sich in unseren Sammlungen findet, leben heute auch in unserer unmittelbaren Umgebung. Dies verbindet die Dinge mit konkreten Lebenszusammenhängen in unserem Land und erweitert ihren Bedeutungsgehalt.

Vor diesem Hintergrund besteht ein enger Konnex zwischen der zeitgemäßen musealen Praxis im Weltmuseum Wien und dem Projekt Neue Welten ‒ eine Verknüpfung, die 2017 in einer Sonderausstellung ihren Ausdruck finden wird.

Im Rahmen der Neuen Welten sind weitere Kooperationen geplant, so z. B. mit ImpulsTanz im Juli/August 2015. Aktuelle Informationen dazu finden Sie auf www.neue-welten.at

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