Die deutsch-spanische Kulturzeitschrift Österreichs

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Donnerstag, 12 März 2015 12:05

Verein NPH unterstützt Frauen in Lateinamerika durch Bildungsprogramme

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Mädchen und Frauen aller Welt kämpfen weiter um ihre Rechte. Der Verein NPH (Nuestros Pequeños Hermanos) unterstützt sie in Lateinamerika.

Seit mehr als 100 Jahren kämpfen Mädchen und Frauen gegen Unterdrückung und Gewalt. In vielen Industriestaaten, darunter auch Österreich, ist die Gleichberechtigung der Geschlechter zwar fortgeschritten, doch der Anteil von Frauen in schlecht bezahlten Arbeitsplätzen ist hoch und führende Unternehmenspositionen sind weiterhin männerdominiert. Und das, obwohl Frauen gleich gut oder sogar besser ausgebildet sind. In Entwicklungsregionen wie Lateinamerika steckt der Kampf der Frauen für Gleichberechtigung noch in den Kinderschuhen. Die Frauenförderungs-Programme des lateinamerikanischen Hilfswerks NPH (Nuestros Pequeños Hermanos) unterstützen Frauen auf ihrem Weg zu mehr Gleichberechtigung.

2020: 141 Mio. Frauen in schlecht bezahlten Jobs ohne Aussicht auf Verbesserung

Rund 113 Mio. Frauen gehen in Lateinamerika einer Beschäftigung nach – meistens in der Landwirtschaft oder im informellen Sektor. Obwohl Frauen großteils doppelt so viele Arbeitsstunden leisten, verdienen sie deutlich weniger als Männer. Ihr Lohn beträgt oft nur 1,80 Euro pro Tag. Die wenigsten der Frauen verfügen über einen Grundschulabschluss oder eine Berufsausbildung. Denn in Lateinamerika herrscht noch ein „klassisches Frauenbild“: Frauen sind in erster Linie für Kinder und Haushalt verantwortlich. Deshalb wird ihrer Bildung kein großer Wert beigemessen. Aufgrund der großen Armut in den Ländern Lateinamerikas müssen sie zudem noch Geld für den Lebensunterhalt der Familie verdienen. Viele Frauen arbeiten als Tagelöhnerinnen, in Teilzeitstellen oder als Kleinhändlerinnen. Zugang zu Sozialleistungen wie Kranken- bzw. Arbeitslosengeld oder Pension hat nur eine sehr kleine Gruppe der weiblichen Bevölkerung. Die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC) schätzt, dass bis 2020 die Anzahl der arbeitenden Frauen auf rund 141 Millionen ansteigen wird. Ohne entsprechende Bildungs- und Armutsbekämpfungsprogramme werden diese Frauen weiterhin in einer Spirale aus schlecht bezahlten Jobs und mangelnder bis fehlender sozialer Absicherung gefangen sein.

NPH bietet Frauen Bildungsprogramme für eine Chance am Arbeitsmarkt

Um mehr Frauen mit einer Ausbildung im Gepäck für die ohnehin schwierige Arbeitswelt auszustatten, betreibt NPH umfangreiche Ausbildungs- und Förderungsprogramme für Mädchen und Frauen.

Grundschulbildung sichert Existenz: In den NPH-Schulen erhalten jährlich über 2.000 Mädchen eine Grundschulausbildung. Viele Mädchen in Lateinamerika, die das Grundschulalter bereits überschritten haben, können weder lesen, schreiben noch rechnen. Ohne diese Fähigkeiten ist eine Beschäftigung am Arbeitsmarkt nur zu Dumping-Löhnen möglich.

Lehre mit Zukunft: In den elf NPH-Kinderdörfern werden die Mädchen, die bei NPH leben oder aus der Umgebung des Kinderdorfes kommen, zu Tischlerinnen, Schlosserinnen, Elektrotechnikerinnen, Schusterinnen oder Bäckerinnen ausgebildet. Die in den Lehrwerkstätten angebotenen Ausbildungsgänge richten sich nach der Nachfrage am lokalen Arbeitsmarkt und sind staatlich zertifiziert. Für Mädchen, die bei NPH leben, ist der Abschluss einer Lehre verpflichtend. So soll sichergestellt werden, dass jedes Mädchen eine realistische Chance am Arbeitsmarkt bekommt.

Das Frauenförderungsprogramm „Chicas Poderosas“

Frauen werden nicht nur in der Arbeitswelt diskriminiert. Sie sehen sich zudem oft mit Gewalt und ungleicher Behandlung konfrontiert. Das NPH-Programm Chicas Poderosas (zu Deutsch: starke Mädchen) klärt Mädchen und junge Frauen über ihre grundlegenden Rechte als Frau auf und bereitet sie vor, Entscheidungen in ihrem Leben selbstbestimmt zu treffen und eigene Ziele zu verfolgen. Die Mädchen bauen in diesem Programm Selbstvertrauen auf und lernen auch wie sie aus einer möglichen Gewaltspirale ausbrechen können. Mehr Informationen zum Programm.

Die Mexikanerin Josseline Martinez lebt ihren Traum

In Mexiko sind 49 Prozent der Frauen erwerbstätig. Das ist deutlich geringer als der OECD-Durchschnitt von 57 Prozent. Unter den OECD-Staaten weißt Mexiko den größten geschlechterbezogenen Unterschied bei der Bezahlung aus. Für jeden Dollar, den ein Mann verdient, erhält die Frau nur 80 Cent. Zudem weist Mexiko weltweit eine der höchsten Raten an Gewalt gegen Frauen auf – rund 67 Prozent leiden unter häuslicher Gewalt.
Wäre es nach dem Willen der Eltern gegangen, wäre Josseline Martinez in das klassische Frauenbild einer ungebildeten Hausfrau und Mutter gepresst worden. Doch dieses Bild der Frau entsprach nicht Josselins Vorstellung ihres späteren Lebens. Nach dem Tod der Eltern, kam sie ins Kinderdorf von NPH Mexiko. Dort machte sie den Grundschulabschluss und eine Ausbildung. „Die letzten fünf Jahre arbeite ich nun als Kindergärtnerin und bin zufrieden – auch mit meinem Lohn. 400 Dollar sind für mexikanische Verhältnisse sehr gut. Und die Aufgaben im Haushalt werden bei uns gerecht aufgeteilt.“, sagt die junge Frau. Josseline Martinez lebt übrigens ihren Traum – als berufstätige Frau, Ehefrau und Mutter.

Über NPH Österreich

Das internationale Kinderhilfswerk NPH (Nuestros Pequeños Hermanos = Unsere kleinen Brüder und Schwestern) schenkt Waisen und in Not geratenen Kindern in neun Ländern Lateinamerikas ein neues Zuhause. Seit der Gründung 1954 sind mehr als 18.300 Kinder in den NPH-Kinderdörfern aufgewachsen, Spenden und Patenschaften sichern ihre Betreuung und Ausbildung. NPH Österreich ist mit dem Österreichischen Spendengütesiegel ausgezeichnet, Spenden sind von der Steuer absetzbar.

Weitere Informationen:

www.nph-oesterreich.org

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