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Sonntag, 27 Oktober 2013 12:02

Kinderarmut in Lateinamerika: Junge Erwachsene und Kinder rutschen in die Kriminalität oder in den Drogenkonsum ab

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Die UNO-Kinderrechtskonvention fordert, dass jedes Kind das Recht auf Schulbildung hat; in Lateinamerika ist dieser Anspruch aber illusorisch. (Foto: NPH Österreich)

Redaktion Cultura Latina.- In einem Interview mit Wolfgang Martinek, Geschäftsführer der Organisation NPH Österreich (Nuestros Pequeños Hermanos) gab es die Möglichkeit, sich näher mit der Situation mittelloser und verwaister Kinder in Lateinamerika auseinanderzusetzen.

Die Organisation NPH Österreich hilft in 9 Ländern des südamerikanischen Kontinents Waisen und in Not geratenen Kindern, indem sie ihnen ein Zuhause, Schulbildung und medizinische Versorgung gibt. Weitere Informationen unter: www.nph-oesterreich.org  oder www.facebook.com/nphoesterreich.

Honduras-Wolfgang-Martinek

Wolfgang Martinek, Geschäftsführer der  Organisation NPH Österreich (Nuestros Pequeños Hermanos).

Die Situation der Kinderarmut in Lateinamerika ist an einem kritischen Punkt angelangt. Die betroffenen Kinder leben in Gesellschaften, die ihnen nicht unter die Arme greifen. Und sie leben in Gemeinschaften mit sehr beschränkten Ressourcen, zu denen die Mehrheit der Bevölkerung nicht einmal den Minimalzugriff hat; vor allem was die grundlegende Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten, Produkten für den häuslichen Bedarf, Bildung und Erholung betrifft. Diese Kinder haben in ihrer derzeitigen Situation und für ihre Zukunft wenig Perspektiven. Daraus folgt, dass die Situation der Armut und Ungleichheit sich mit der Zeit immer weiter verstärkt.

Eine junge Teenagerin in Mexiko bei einem Workshop von NPH.

Eine junge Teenagerin in Mexiko bei einem Workshop von NPH.

1) Was können Sie uns über die Kennzahlen zur Kinderarmut in Lateinamerika sagen?

Wolfgang Martinek: „Der Unterschied zwischen Einkommen und Vermögen in Lateinamerika ist enorm groß. Das bedeutet, dass die Mehrheit der Bevölkerung zu schlecht bezahlt wird, um davon zu leben; einige Reiche aber immer mehr Vermögen anhäufen. Das kommt uns in Österreich ja auch irgendwie bekannt vor.

2012 ist die Zahl der armutsgefährdeten Menschen in Lateinamerika zwar auf rund 167 Millionen gesunken, ein positives Zeichen. Das ist aber immer noch fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung.

Von Armut sind vor allem Kinder betroffen, aber auch Indigene, Frauen, alte Menschen und Menschen mit Behinderungen. Zuletzt gab es eine Schätzung der CEPAL – der Wirtschaftskommission der UNO für Lateinamerika und die Karibik – für das Jahr 2012, dass rund 80 Millionen Kinder in Lateinamerika von Armut betroffen sind. Und wenn man durch die Straßen einer lateinamerikanischen Stadt geht, sieht man sie überall: Straßenkinder, hungrige, bettelnde und arbeitende Kinder.

Es ist ein Teufelskreis: Die Eltern verdienen zu wenig, wodurch die Kinder arbeiten gehen müssen. Sie haben daher keine Zeit zur Schule zu gehen und eine Ausbildung abzuschließen. Und in Lateinamerika bekommt man nur einen gut bezahlten Job, wenn man eine Berufsausbildung vorweisen kann. D.h. diese Kinder werden immer in unterbezahlten Jobs bleiben, wodurch sie einen schlechteren Zugang zu gesundheitlichen Dienstleistungen haben. Die UNO-Kinderrechtskonvention fordert zwar, dass jedes Kind das Recht auf Schulbildung hat; in Lateinamerika ist dieser Anspruch aber illusorisch. Hier muss noch viel passieren!“

Freiwillige und Kind - NPH Mexiko.

Freiwillige mit einem Kind - NPH Mexiko.

2) Welches Land ist am meisten betroffen? Welche Länder erhalten Unterstützung von NPH Österreich?

Wolfgang Martinek: „Laut CEPAL ist in Lateinamerika Honduras am meisten betroffen. 2010 lebten rund 60 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze; 2011 hat sich die Situation weiter verschlechtert. Für 2012 liegen leider noch keine Zahlen vor, aber aufgrund unserer Erfahrung, können wir davon ausgehen, dass die Situation in Honduras nicht besser geworden ist.

Die Gründe für die extreme Armut liegen, wie in vielen anderen Ländern Lateinamerikas – auf der Hand: Soziale Ungerechtigkeit, Arbeitslosigkeit und Korruption. Und in Honduras spielt die hohe Kriminalitätsrate, nicht zuletzt durch die zahlreichen Banden, eine enorme Rolle.

Das zeigen auch die Erfahrungen, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserem Kinderdorf in Honduras machen. Dort leben knapp 500 Kinder, die großteils aus extrem armen Familien stammen oder Waisen sind, weil ihre Eltern an einer Krankheit gestorben sind, für die sie sich keine Behandlung leisten konnten. Es gibt auch zahlreiche Fälle, in denen Kinder ihre Eltern verloren haben, weil diese ins Zentrum eines Bandenkriegs geraten sind.

Mit unseren elf Kinderdörfern sind wir in Bolivien, in der Dominikanische Republik, in El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Mexiko, Nicaragua und Peru aktiv.“

3) Auch die Zahl der unterernährten Menschen steigt an. Inwiefern wirkt sich das auf die Geburtenrate aus?

Wolfgang Martinek: „Erst vor ein paar Tagen wurde der aktuelle Welthunger-Index veröffentlicht. Hier zeigt sich ein anderes Bild – nämlich, dass die Anzahl der hungernden Menschen weltweit seit den 1990ern um mehr als ein Drittel auf 842 Millionen zurückgegangen ist.

In Lateinamerika hat sich die Anzahl der von Hunger betroffenen Menschen seit 1990 fast halbiert. Schaut man sich die Zahlen für hungernde Kinder genauer an, sieht man ein ähnliches Bild. Das heißt, dass Lateinamerika auf einem guten Weg ist, langfristig den Hunger in den Griff zu bekommen; wenn die strukturellen Probleme weiterhin angegangen werden und die Nahrungsmittelversorgung sichergestellt wird.

Dass sich Unterernährung auf die Geburtenrate auswirkt, kann aber nicht nachgewiesen werden. In einigen Ländern – wie Guatemala, Haiti oder Peru – sind in den letzten Jahren mehr Kinder geboren worden. Was wir jedoch sehen, ist, dass vermehrt Minderjährige schwanger werden. In Lateinamerika sieht man ganz klar: Arme Familien sind meistens sehr kinderreich, während Reiche oft ein bis zwei Kinder haben. Die Erklärung ist recht einfach: Kinder tragen in Lateinamerika auch zum Familieneinkommen bei, indem sie arbeiten gehen.“

4) „Kinder müssen arbeiten um zu essen“ – wie ist diese Situation in Lateinamerika? Ab welchem Alter dürfen Kinder arbeiten? Was ist in dieser Hinsicht legal?

Wolfgang Martinek: „Die ILO (=Internationale Arbeitsorganisation) schätzt, dass 12,5 Millionen Kinder in Lateinamerika arbeiten müssen, um Geld zu verdienen. Vor 4 Jahren waren es noch 14 Millionen. Das heißt, hier ist schon eine Verbesserung in Sicht, aber wir sind noch lange nicht am Ziel angekommen.

Viele Kinder arbeiten in der Landwirtschaft, in Minen, auf Müllhalden oder auf der Straße als Schuhputzer; oft für einen oder knapp unter 2 Euro pro Tag. Von jungen Mädchen wird verlangt, dass sie im Haushalt arbeiten und sich um die Familie kümmern. Von Schulbildung und Beruf ist da nicht die Rede. Sie sehen also, auch im Bereich der Gleichberechtigung der Frauen ist noch viel zu tun.

Was das Gesetz betrifft, definiert die ILO die Obergrenze für Kinderarbeit bei 15 Jahren. Sieht man sich die Regelungen in den einzelnen Ländern Lateinamerikas an, so ist es zum Beispiel in Guatemala oder in Honduras mit Genehmigung der Eltern auch schon ab 14 Jahren möglich. Die Realität sieht aber anders aus, denn Kinder gehen auch schon viel früher arbeiten. Warum? Weil Verstöße gegen die Altersgrenzen in Lateinamerika kaum exekutiert werden und die Not groß ist.“

5) Wie könnte man den Eltern mehr Verantwortungsbewusstsein vermitteln? Denn die Bevölkerung der betroffenen Regionen sollte sich bewusster werden, dass Kinder zur Welt zu bringen, geplant werden muss; damit, die Kinder die Irrtümer ihrer Eltern nicht ausbaden müssen.

Wolfgang Martinek: „Unsere Erfahrung zeigt, dass es wenig mit Verantwortungsbewusstsein zu tun hat. Die Eltern in Lateinamerika lieben ihre Kinder genauso wie auf jedem anderen Kontinent. Der Unterschied ist, dass sie keine strukturelle Sicherheit haben. Sprich, für viele Eltern in Lateinamerika stellt sich jeden Tag aufs Neue die Frage, ob sie genügend Essen, Kleidung, Medizin, etc. für ihre Kinder haben. Es ist klar, dass das Überleben der eigenen Kinder an erster Stelle steht und erst danach kann an Schulbildung und eine berufliche Zukunft gedacht werden.

Junge Mädchen und Burschen lernen im Hühnerstall des NPH Honduras.

Junge Mädchen und Burschen lernen im Hühnerstall des Zentrums NPH Honduras.

Das heißt, wir müssen zuerst die Grundbedürfnisse der Familien sicherstellen; so wie es auch die Millennium Development Goals der United Nations fordern. Eltern müssen die Gewissheit haben, dass ihre Kinder nicht nur heute, sondern auch im nächsten Monat und im nächsten Jahr zu essen und zu trinken haben. Und, dass sie in einem sicheren Zuhause leben sowie medizinisch versorgt sind! Erst dann kann ein Umdenken stattfinden.“

6) Nicht nur kleine Kinder leiden an den Folgen der Armut, sondern auch Jugendliche am Weg ins Erwachsenendasein. Sie müssen eine sehr unangenehme Odyssee hinter sich bringen, um etwas zu essen zu bekommen.

Jugendliche, deren Eltern sich nicht ausreichend um sie kümmern, müssen arbeiten, um ihre Ausbildung beenden zu können. Kinder fangen oft mit 10 Jahren an, zu arbeiten; andere verfallen den Drogen oder begehen Diebstähle. Was passiert da? Wie weit kann das noch gehen? Hat NPH Österreich einen Lösungsvorschlag für diese Fälle?

Wolfgang Martinek: „Um sowohl Kindern als auch Jugendlichen aus der Armutsspirale zu helfen, müssen wir zu allererst zuhören. Es bringt nichts, mit europäischen Konzepten in Lateinamerika etwas verändern zu wollen, denn jeder Kontinent und jedes Land hat seine eigenen Spielregeln, die wir erst verstehen lernen müssen.  

Umbau im Kinderdorf Honduras

Umbau im Kinderdorf Honduras.

Erst dann können wir versuchen, Angebote und Strukturen zu schaffen. Das heißt konkret: Zuerst müssen wir die Familien stützen und ihnen strukturelle Sicherheit geben. In Honduras tun wir dies zum Beispiel mit unserer Suppenküche in Talanga. Dort wird aber mehr als Suppe geboten: Natürlich bekommen die Kinder der 14.000-Einwohner-Stadt in der Nähe unseres Kinderdorfs täglich eine warme Mahlzeit, so wie auch ihre Familien. Dort bieten wir den Kindern aber auch Unterricht und ihren Familien medizinische Versorgung.

Wir verstehen uns also als Teil der Lösung. Kindern, die keine Familie mehr haben, bieten wir ein liebevolles Zuhause. Ein Zuhause, in dem sie zur Schule gehen können, medizinisch versorgt werden, mit ihren Freunden und Freundinnen spielen und einfach auch mal Kind sein können. Wir möchten ihnen einen Weg ohne Armut und Gewalt aufzeigen! Familien, die in der Nähe unserer Kinderdörfer leben, geben wir Rückhalt und Unterstützung. So, dass ihre Kinder eine aussichtsreiche Zukunft haben.“

7) Soziale Ausgrenzung, ungenügende Versorgung mit dem grundlegenden Dingen, kein Zugang zu den Mindestdienstleistungen – was bleibt der Kindheit in Lateinamerika?

Wolfgang Martinek: „Nun, um ehrlich zu sein, nicht viel außer Verzweiflung; und daraus folgt Zorn und Aggression. Es gibt wie in jeder von Armut betroffenen Region dieser Welt die gleichen Zeichen: Junge Erwachsene und Kinder rutschen in die Kriminalität oder in den Drogenkonsum ab, da ihnen nichts anderes bleibt.

In kriminellen Banden, die in Lateinamerika weit verbreitet sind, haben sie ihre neuen Familien gefunden. Eine Familie mit harten Bandagen und Regeln, die die Kinder gefühlskalt macht. Durch Drogen können sie ihren hoffnungslosen Alltag vergessen. Sie sehen also, die Kinder befinden sich in einem Teufelskreis, den sie selbst nicht durchbrechen können. Auch, wenn sie es noch so sehr versuchen. Denn sie haben keine Perspektive für ihr Leben, keine Freizeit und keine Chance auf Bildung.“

8) Laut UNICEF (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) gab und gibt es einen Plan, die Kinderarmut zu bekämpfen; mit Focus auf die grundlegenden und effektiven Eingriffe wie Mikronährstoffe, eine flächendeckende Immunisierung, Trinkwasser und entsprechende Sanierungen. Was sagen Sie dazu?

nph-nicaragua

NPH Nicaragua

Wolfgang Martinek: „Sie sprechen von den UN Millennium Development Goals. Deren Ziele waren und sind aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt für die Bekämpfung der Armut und der sozialen Ungerechtigkeit in vielen betroffenen Regionen. Ich finde es einen wertvollen Schritt, dass sich alle internationalen Player über diese Ziele geeinigt haben; aber alle mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Es wird an verschiedenen Punkten angesetzt, nicht nur bei der Armut, sondern auch bei Schulbildung, Gleichstellung der Geschlechter, Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit, Gesundheitsversorgung, Verringerung der HIV-/AIDS-Fälle, Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit sowie der Etablierung von globalen Partnerschaften für die zukünftige Entwicklung.

In Lateinamerika wurden bei der Umsetzung der Ziele schon Erfolge erreicht: Weniger Menschen sind von der Armut betroffen, obwohl die Zahlen noch immer viel zu hoch sind. Mädchen und Frauen werden mehr Rechte zugestanden und weniger Kinder sterben jährlich. Die Anzahl der Tuberkulose-Fälle ist gesunken und bei der Trinkwasserbereitstellung sowie der ökologischen Nachhaltigkeit sind Fortschritte zu bemerken.

Und jetzt kommt das große ABER: Viele Erwachsene und Kinder arbeiten noch immer unter menschenunwürdigen Bedingungen und ein Großteil der Kinder hat keine Grundschulbildung. Laut UN wird sich das auch bis 2015 nicht verwirklichen lassen. Viel zu viele Mütter sterben nach wie vor im Kindbett, weil sie zu schnell nach der Geburt wieder schwanger werden. Auch die Anzahl der HIV-infizierten und AIDS-kranken ist noch immer zu hoch.

Die große Frage lautet also: Was müssen wir noch besser machen, wo müssen wir umdenken; und vor allem, was kommt nach dem Jahr 2015, in dem die Millennium-Ziele auslaufen?“

Das Onlinemagazin Cultura Latina appelliert an die Freunde Lateinamerikas! Arbeitet mit und helft den Kindern dieses Kontinents! Trage bei, was auch immer Du kannst – jeder Einsatz zählt! Machen wir aus der Zukunft dieser Kinder eine bessere Welt.

Kontaktdaten
NPH Österreich - Hilfe für Waisenkinder
Unsere kleinen Brüder und Schwestern

Spendenkonto Erste Bank:
IBAN: AT85 2011 1822 4309 5500
BIC: GIBAATWWXXX

Zollergasse 37/5, 1070 Wien, Österreich
Telefon: +43 1 526 0220-13,
Fax: +43 1 526 0220-22
www.nph-oesterreich.org
www.facebook.com/nphoesterreich.

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