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Mittwoch, 26 Juni 2024 11:21

Europas Sicherheit auf dem Prüfstand: Expertenvortrag zur militärstrategischen Lage in Wien

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Brigadier und Militärexperte Gerald Karner. Foto: CulturaLatina

Gestern, am 25. Juni 2024, luden der Verein der Freunde der Wiener Polizei gemeinsam mit der Landespolizeidirektion Wien zu einer hochkarätigen Vortragsveranstaltung in den Räumlichkeiten der Landespolizeidirektion ein. Das Thema der Veranstaltung lautete „Europas Sicherheit auf dem Prüfstand - Das militärstrategische Risikobild im Spannungsfeld aktueller Herausforderungen.“ Die Diskussion konzentrierte sich auf die dynamischen Veränderungen der Sicherheitsarchitektur Europas im Licht aktueller internationaler Krisen, wie dem Ukraine-Krieg, dem Nahost-Konflikt und der US-Politik.

Begrüßt und eröffnet wurde die Veranstaltung von KR Karl Javurek, Präsident der Gesellschaft der Freunde der Wiener Polizei. Anschließend begrüßte Dr. Gerhard Pürstl, Leiter der Landespolizeidirektion Wien, das Publikum und hob die Relevanz des Themas hervor.

Brigadier und Militärexperte Gerald Karner erörterte in seinem Vortrag „Europas Sicherheit auf dem Prüfstand“ die veränderten globalen Sicherheitsdynamiken. Karner betonte die Bedeutung der Vereinten Nationen und erinnerte daran, wie früher angenommen wurde, dass der „ewige Frieden“ ausgebrochen sei. Er sprach über die Reduzierung der Verteidigungsbudgets nach dem Kalten Krieg, bekannt als die „Friedensdividende“, und die Herausforderungen, die durch internationale Konflikte und globalisierte Handelsbeziehungen entstehen.

Brigadier und Militärexperte Gerald Karner: „Die heutigen Sicherheitsdynamiken sind instabil und komplex, wodurch langfristige Vorhersagen schwierig geworden sind.“ Foto: CulturaLatina.
Brigadier und Militärexperte Gerald Karner: „Die heutigen Sicherheitsdynamiken sind instabil und komplex, wodurch langfristige Vorhersagen schwierig geworden sind.“ Foto: CulturaLatina.

VUCA-Modell

Der Militärexperte erklärte den Begriff VUCA, der für Volatilität (Schwankungen), Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (Mehrdeutigkeit) steht. Diese Begriffe beschreiben die heutigen Bedingungen, unter denen schnelle und intensive Veränderungen sowie instabile Prozesse häufig sind. Früher konnten Vorhersagen über langfristige Entwicklungen getroffen werden, heute sind selbst kurzfristige Prognosen schwierig.

"Volatilität ist ein Unstetigkeit. Die Dinge bewegen sich in höheren Geschwindigkeiten, in stärkerer Intensität und die Instabilität von Abläufen ist ebenfalls stärker. Es gibt keine kaum mehr stabile Phasen und wenn, dann nur ganz kurz. Auf anderen Ebenen bewegt sich bereits wieder etwas. Unstrittig ist auch, dass schnell eine große Veränderung in den Variablen dieser Prozesse über Ordnung oder Unordnung bestimmen", so Karner.

Karner betont die veränderte Sicherheitslage seit dem Kalten Krieg. Während es damals nur wenige einflussreiche Akteure gab, ist die Zahl heute erheblich gestiegen. Zu den relevanten Akteuren zählen neben Staaten auch nichtstaatliche Organisationen, große Unternehmen und terroristische Gruppen. Diese Akteure sind global vernetzt und haben vielfältige Abhängigkeiten. Unterschiedliche Bewertungen und Reaktionen auf gleiche Situationen, wie z.B. die Pandemie, zeigen die Mehrdeutigkeit der heutigen Welt. Einfach Erklärungen und Lösungen gibt es nicht mehr, was die Arbeit von Politikern zusätzlich erschwert.

Desinformations- und Propagandakampagne

Hybride Kriegsführung, eine Mischung aus militärischen und nichtmilitärischen Strategien, wurde als das neue Paradigma der Konfliktaustragung identifiziert. Russische Desinformations- und Propagandakampagnen sind Teil dieser hybriden Kriegsführung, die darauf abzielt, die öffentliche Meinung und politische Prozesse im Westen zu beeinflussen.

Auch die zunehmende Bedeutung von Allianzen zwischen Staaten wie Russland und Nordkorea sowie die Rolle der sozialen Medien in der Kriegsführung betonte der Experte. Es ist dringend notwendig, dass demokratische Gesellschaften fundierte Entscheidungen treffen, um auf diese komplexen Herausforderungen zu reagieren.

Geduld Chinas

Brigadier Karner diskutierte die strategische Geduld Chinas und dessen militärische Entwicklungen, darunter den Kauf und die Modernisierung eines großen Flugzeugträgers in den 1980er Jahren, als Beispiel für Chinas langfristige Militärstrategie. Im Vergleich dazu verfügen die NATO und die USA über mehr militärische Fähigkeiten, während das russische Militär als veraltet gilt.

Karner äußerte sich kritisch über das Regime von Wladimir Putin, das sich international isoliert habe, und betonte die Unwahrscheinlichkeit einer Rückkehr zur politischen Situation vor 2014. Er sprach über die Herausforderungen für die regelbasierte Weltordnung, die durch Staaten wie Russland, die Ukraine und Iran beeinflusst wird, und stellte die Bedeutung von Grundrechten und Menschenrechten heraus.

"Wladimir Putin trägt Russland zur Migrationskrise in Europa bei, und die Migrationskrise trägt dazu bei, dass Politiker und Politikerinnen zunehmend Vertrauen in der Bevölkerung verlieren und damit die Kette in Gang setzen", betonte Karner.

NATO gestärkt

In Bezug auf die NATO hob er hervor, dass die Organisation durch neue Mitglieder wie Finnland und Schweden gestärkt wurde und dass die Einheit des Westens besser als erwartet aufrechterhalten wird. Karner forderte, dass Politiker die Bevölkerung besser über sicherheitspolitische Notwendigkeiten aufklären und mitnehmen müssen.

Zum Abschluss betonte er die Wichtigkeit von klaren politischen Erklärungen und der Verantwortung der Politiker, die Bevölkerung in sicherheitspolitische Entscheidungen einzubeziehen, um demokratische Unterstützung zu gewährleisten.

Letzte Änderung am Mittwoch, 26 Juni 2024 11:31
Maria Taramona

María Elena Taramona de Rodríguez, Direktorin der Zeitschrift „CulturaLatina & Österreichische Kultur“, ist Journalistin und Grafikdesignerin. Sie hat auch ein Studium in Informatik absolviert und ein Diplom im Bereich Marketing erworben.

Seit 2005 lebt sie in Österreich und gründete 2009 ihr eigenes Unternehmen, die Taramona Werbeagentur, in Wien. Von dort aus initiierte sie das Magazin „CulturaLatina & Österreichische Kultur“, um als Kommunikationsmittel den Bedürfnissen der spanischsprachigen Community in Österreich, unabhängig von ihrem internationalen Hintergrund, gerecht zu werden. Für sie ist Integration unerlässlich und kann nur in beide Richtungen erfolgreich funktionieren.

Das zweisprachige Magazin „CulturaLatina & Österreichische Kultur“ ist seit dem 12. Oktober 2010 online präsent und veröffentlichte seine erste gedruckte Ausgabe im Jahr 2016 mit einer Auflage von 3.000 Exemplaren, die hauptsächlich in Wien und Niederösterreich verteilt werden.

Das Ziel des Magazins ist es, die hispanoamerikanische Kultur in Österreich bekannter zu machen, Aspekte zu beleuchten, die die österreichische Kultur eng mit der iberoamerikanischen verbinden, sowie die Verbreitung der österreichischen Kultur und derjenigen Gemeinschaften zu fördern, die mit Österreich verbunden sind. Denn wenn man die Denkweise anderer Kulturen kennt, kann man sie auch besser verstehen.

Darüber hinaus setzt sie sich aktiv für die Förderung der spanischen Sprache, die Integration spanischsprachiger Einwander:innen, das gegenseitige Verständnis und den Austausch zwischen den Kulturen ein.

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