Die deutsch-spanische Kulturzeitschrift Österreichs

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Montag, 13 Mai 2013 08:52

Argentinischer Film "Medianeras": letzte Vorstellungen in den österreichischen Kinos

Geschrieben von
Pilar López de Ayala und Javier Drolas in Medianeras

Der argentinische Film "Medianeras" von Gustavo Taretto läuft bis Juli. Endgültig letzte Vorstellungen im Filmcasino: Mo 1.7., Di 2.7. & Do 4.7. um 18:15 Uhr.

Die Schauspieler Pilar López de Ayala, Javier Drolas und Inés Efron u.a. interpretieren ein humorvolles Metropolen-Märchen voller poetischer Bild-Ideen: „Medianeras - Liebe in virtuellen Zeiten“. Diese Liebeskomödie wird auf Spanisch gezeigt. (Untertitel in Englisch - 96 Min, Argentinien/Deutschland/Spanien 2011).

MEDIANERIAS ist die Geschichte von Mariana, Martín und der Stadt Buenos Aires. Martín und Mariana leben im selben Häuserblock in gegenüberliegenden Gebäuden im Zentrum von Buenos Aires. Obwohl sie Nachbarn sind, haben sie sich noch nie wirklich wahrgenommen. Sie laufen sich auf der Straße über den Weg, nehmen den selben Bus und sitzen im selben Kino, aber wissen nichts von der Existenz des anderen. Die Stadt führt sie immer wieder zusammen und trennt sie gleichzeitig.

Martín, ein Phobiker in "Medianeras"

Seit ihrer Kindheit heißt das wichtigste Buch in Marianas Leben „Wo ist Walter?“. Das Kinderbuch, in dem es vor Menschen nur so wimmelt, steht metaphorisch für Marianas trauriges Gefühl, nur ein verlorener Mensch unter vielen zu sein. In MEDIANERAS erzählt sie über ihr Lieblingsbuch: „Ich habe dieses Buch, seit ich 14 war. Große Autoren mögen mir verzeihen, doch es ist das Schlüsselbuch zu meinem Leben. Es ist der Grund meiner Angst vor Massen und löste in mir eine Existenzangst aus. Es repräsentiert auf dramatische Weise die Angst zu wissen, dass ich ein verlorenes Wesen unter Millionen bin. Jahre sind vergangen, aber ein Rätsel konnte ich nie lösen: Walter in der Stadt. Ich fand ihn im Einkaufszentrum, am Flughafen, am Strand, aber nicht in der Stadt. Meine Nerven müssen abgestumpft sein. Ich frage mich: Wenn ich jemanden nicht finde, den ich kenne, wie soll ich jemanden finden, von dem ich nicht mal weiß, wie er aussieht?“

MEDIANERAS ist eine Reflektion über Städte, die wir erschaffen und die uns ähnlich sind: chaotisch, unberechenbar, widersprüchlich, au fschlussreich, verarmt und feindse- lig. Das Unerklärliche daran ist, dass dieses Stadt bild gleichzeitig verstörend und verlo- ckend ist.

Mariana hat sich nach einer vierjährigen Beziehung von dem Mann getrennt, der sich als „der Falsche“ herausgestellt hat. Sie ist in eine kleine Wohnung ins Zentrum von Buenos Aires gezogen. Natürlich nur vorübergehend, also packt sie ihre Umzugskartons gar nicht erst aus. Obwohl sie eigentlich Architektin ist, verdient sie ihr Geld als Schaufensterdekorateurin. Deshalb lebt sie umgeben von Schaufensterpuppen und Gebäudemodellen, die den größten Teil ihrer Wohnung in Beschlag nehmen. Ihr Zuhause gleicht immer mehr einer unbelebten Stadt – ein Ort, an dem Mariana sich erschreckend sicher fühlt. Frustriert und allein verbringt sie die meiste Zeit damit, über die Vergangenheit zu grübeln und sich über die Zukunft Sorgen zu machen.

Martín ist 29 Jahre alt und Webdesigner. Auch er bewohnt eine Ein-Zimmer-Wohnung, aber er lebt dort schon viel länger. Er hat sich bereits daran gewöhnt, auf beengten Raum zu leben. Die meisten Dinge, die er benötigt, befinden sich in seinem Computer, der auf dem einzigen Tisch im Raum steht. Er hat zwei ultra-flache Bildschirme, minimalistische Lautsprecher und alle möglichen Geräte mit modernster Technik, die im starken Kontrast zum Chaos stehen, das die restliche Wohnung beherrscht. Die Wände sind komplett mit Regalen bedeckt, die vor unsortierten Büchern, Schallplatten, Magazinen und Tausenden von Action-Figuren überquellen. Daneben befinden sich im Raum ein Fernseher und ein Bett, das sich tagsüber in ein Sofa verwandelt. Das ist alles.

Martín ist ein Phobiker, der Wege gefunden hat, mit seinen Phobien umzugehen. Er fühlt sich zwar einsam, aber er lebt nicht allein: Er teilt seine Wohnung mit dem kleinen Terrier Susú. Sie beide wurden von seiner Ex-Freund in Jennifer verlassen, eine Amerikanerin, die von einer Reise in die USA nie zurückkehrte.

 

Regisseur Gustavo TarettoRegisseur Gustavo Taretto über „MEDIANERAS“
MEDIANERAS ist das Ergebnis verschiedener Ideen, die irgendwann zusammenkamen, zu einem Zeitpunkt, an den ich mich nicht mal mehr wirklich erinnere. Fast alle dieser Ideen entstanden aus der Beobachtung und der Neugier an Buenos Aires und seinen modernen Bewohnern.
Vor einer Weile las ich ein paar Zeilen von Luis Martín-Santos, die die Inspiration für die Idee, mit der ich mich auseinandersetze, sehr gut hätte liefern können: „ ... der Mensch ist das Abbild der Stadt und die Stadt das nach außen gestülpte Innere des Menschen. In einer Stadt entdeckt der Mensch nicht nur seine Bestimmung als Individuum und seine Existenzberechtigung; Städte stellen den Menschen außerdem vor unüberwindliche Hürden, die ihn daran hindern, ein vollkommenes Leben zu führen.“ Selbstverständlich war er Psychiater.
Ich betrachte MEDIANERAS gerne als eine urbane Fabel, eine künstliche und humorvolle ‚Konstruktion’ des modernen Lebens in Großstädten. In Einklang mit dem architektonischen Bezug des Films würde ich sagen, dass das Fundament von MEDIANERAS aus vier Säulen besteht.

Städte / Buenos Aires
MEDIANERAS ist eine Reflektion über Städte, die wir erschaffen und die uns ähnlich sind: chaotisch, unberechenbar, widersprüchlich, aufschlussreich, verarmt und feindselig. Das Unerklärliche daran ist, dass dieses Stadtbild gleichzeitig verstörend und verlockend ist.

Urbane Einsamkeit / Kollektive Neurose
Ein Mensch, der ein Wohnhaus mit 50 anderen Menschen teilt, fühlt sich einsam. In einem U-Bahn-Wagen empfinden 100 Menschen Gleichgültggkeit füreinander, während sie von der Arbeit nach Hause fahren. Statt uns zu beruhigen, macht es uns äußerst nervös, wenn wir von vielen Menschen umgeben sind. Sie sind Unbekannte, uns völlig fremd. Heutzutage würde es mich nicht wundern, von Panikattacken zu hören, die sich schneller ausbreiten als der H1N1-Influenza-Virus.

 Argentinischer Film "Medianeras" ab 24. Mai in den österreichischen KinosIsolation
Warum hängen an unseren Kühlschränken so viele Lieferservice-Magnete wie wir Freunde haben? Warum sind so viele Technologien, die dafür entwickelt wurden, uns zu verbinden, darin gescheitert? Die Modernität bietet uns die perfekte Falle: Bequemlichkeit, die perfekte Ausrede, um uns selbst einzuschließen, isoliert und immun. Es ist eine Tatsache: Um wichtige Dinge miteinander zu teilen, kommunizieren wir über Chat, Email und SMS.

Begegnungen / Unstimmigkeiten. Die Suche nach Liebe
“Love is the answer”, wie wir alle wissen. Aber die Liebe ist schwer zu finden. Die Protagonisten in MEDIANERAS begegnen Menschen, mit denen sie zusammenpassen könnten. Gemeinsam bilden sie ein Getriebe, das so aussieht, als müsste es gut funktionieren. Aber wenn die Zahnräder beginnen, sich zu drehen, dann zeigt sich, dass sie sich nicht im Einklang bewegen. Also muss man weiter nach seinem fehlenden Teil suchen, nach der Person, die einem fehlt, um vollständig zu sein.


Aber wie kann man sich bei so vielen Hindernissen finden?
Zwei Menschen, die im selben Wohnblock leben und es verdienen, sich zu finden, können Jahre damit zubringen, es nicht zu tun. Die Protagonisten in MEDIANERAS finden Hoffnung in der Dunkelheit. Sie setzen ihre Suche nach Liebe fort, trotz aller Ängste und Rückschläge.
Schließlich kann man immer ein kleines Fenster in eine Trennwand (medianera) zerbrechen, um einen Sonnenstrahl in sein Leben zu lassen.


www.medianeras.com

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