Die deutsch-spanische Kulturzeitschrift Österreichs

CulturaLatina: Lateinamerikanische Zeitschrift Österreichs auf Spanisch und Deutsch


CULTURA DE AUSTRIA

Sonntag, 26 Dezember 2021 21:45

LEFÖ: Hilfe und Beratung für Migrantinnen aus Lateinamerika

Von Red./Lic. Ariadne Galicia
Renate Blum und Gabriela Díaz Foto: Stefan Galván

Frauen aus Lateinamerika, die Fragen zu ihrem Aufenthalt in Österreich, zur Ausstellung von Dokumenten, zur Arbeitsberatung, zu Rechtsfragen, zur Sexarbeit und anderem haben, wendet euch an den Verein LEFÖ.
Bei LEFÖ findet ihr spanischsprachige feministische Fachfrauen, die auf eure Fragen und Lösungen spezialisiert sind. Die Beratung ist kostenlos, einfach einen Termin per Telefon vereinbaren.

LEFÖ bietet Frauen aller Nationalitäten Hilfe an, insbesondere Frauen aus Lateinamerika, Migrantinnen und Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind. Sie dient auch als Lernzentrum und hat in den 36 Jahren ihres Bestehens internationale Anerkennung für ihre Netzwerk-, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit erlangt. Harte Arbeit, die der feministische Verein mit lateinamerikanischem Herzen seit mehr als drei Jahrzehnten leistet. Wenn Sie sich fragen, was LEFÖ von anderen Frauenhilfsorganisationen unterscheidet, dann lautet die Antwort, dass LEFÖ wie die temperamentvolle Frau vom tropischen Kontinent konsequent, beharrlich und ausdauernd ist, um für ihre Klientinnen eine faire Behandlung zu erreichen.

LEFÖ entstand aus der Idee einiger lateinamerikanischer Frauen im politischen Exil, die sich 1985 in Wien niederließen mit dem Ziel, andere Exilanten aus der gleichen Region bei der Überwindung ihrer traumatischen Erfahrungen zu unterstützen, indem ihnen Beratung, Hilfe, Sprachkurse und Selbstreflexionsgruppen angeboten wurden, um eine erneute Traumatisierung durch Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Eurozentrismus im Gastland zu vermeiden.

CulturaLatina interviewte Renate Blum und Gabriela Díaz.

Österreich hat eine hohe Lebensqualität, warum braucht man dann einen Verein wie LEFÖ?

Gabriela Díaz: In Österreich braucht man einen Verein wie LEFÖ, weil Österreich keine Willkommenskultur hat und das erschwert den Migrationsprozess von Frauen, die hierherkommen. Dadurch ist es wichtig, dass es das LEFÖ gibt, um einen sicheren Raum zu schaffen, wo Frauen Zugang zu Informationen und Begleitung haben und wo sie ihre Ressourcen mobilisieren und weiterentwickeln können. Man braucht LEFÖ, weil man mit einer neuen Gesellschaft und Kultur konfrontiert ist und dies können schwierige Prozesse sein.
 
Renate Blum: Wir finden das LEFÖ deshalb wichtig in Österreich ist, weil wir für Frauen einen Raum bilden, einen Raum wo Frauen und Migrantinnen sich treffen und wo sie sein können. Es ist wichtig, für diese Gesellschaft eine Organisation zu sein, eine Organisation zu haben, die mit Frauen, für Frauen gemeinsam tätig ist. LEFÖ ist eine politische Organisation. Es geht uns darum, direkt mit den Frauen zu arbeiten. Die Frauen können kommen, können im Bildungsbereich Deutschkurse machen, Beratung in Anspruch nehmen, können in den anderen Arbeitsbereichen von LEFÖ sich einbringen.
 
Wir machen das gemeinsam, miteinander und gleichzeitig ist es uns wichtig in Österreich auch eine Stimme für und mit Migrantinnen zu sein, um die Situation letztendlich und nachhaltig zu verbessern. Das heißt auch, bei Gesetzen mitzuwirken, wenn es möglich ist, oder auch in Gremien dabei zu sein und auch zu sagen: „Da braucht es eine Veränderung“, „Da sollten die Gesetze besser werden“, „Rahmenbedingungen sollten sich verändern.“ So sehen wir LEFÖ als politische Organisation, als Frauenraum, als einer, der auch kritisch ist, mit einer machtpolitischen Sprache.

Wie würden Sie die typische Kundin von LEFÖ beschreiben?

Gabriela Diaz. LEFÖ hat keine typischen Kundinnen. Die Zielgruppe von LEFÖ ist so breit gefächert und vielfältig wie die Frauen, die sich hier beraten lassen und Kurse besuchen. Mit einer globalen Vielfalt, denn LEFÖ wurde als Organisation für lateinamerikanische Migrantinnen gegründet, aber 36 Jahre später begleiten wir nun Frauen aus anderen Teilen der Welt. Zu LEFÖ kommen auch Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa, die nach Österreich eingewandert sind und in LEFÖ einen Platz für sich gefunden haben. Es gibt nicht die typische Frau, es gibt Kundinnen mit hervorragenden Qualifikationen und andere, die keinen Schulabschluss haben. Und ich denke, das ist eine Stärke von LEFÖ, eine breite und vielfältige Gruppe von Frauen zu erreichen.

Wie funktioniert in der Praxis die Hilfe des Vereins für eine Frau?

Renate Blum: Ja, ich glaube, es macht einen Unterschied, aus welcher Situation die Frau kommt. Welche Fragen hat die Frau an uns? Geht es darum, dass sie Deutsch lernen möchte, beispielsweise haben wir einen Bildungsbereich, das LEFÖ Lernzentrum. Da wird die Situation eine ganz andere sein, also auch ihr Zugang zu uns, wenn eine Frau zur Beratung kommt. Wir sind ja auch im Bereich der Sexarbeit tätig. Migrantinnen in der Sexarbeit ist ein Arbeitsbereich. Ein anderer Arbeitsbereich ist der, des Frauenhandels. Da sind also auch die Zugänge von den Frauen, die zu uns kommen, auch ganz, ganz unterschiedlich.
Das knüpft auch sehr schön an die andere Frage an. Sie haben auch unterschiedliche Bedürfnisse und gleichzeitig treten sie an uns heran, möchten mit uns reden, möchten sich treffen, haben eine Frage und wir sind dann da. Anders ist es zum Beispiel in der Beratungsstelle für lateinamerikanische Frauen, die irgendwie von uns gehört haben. Sie können sich einen Termin ausmachen und dann würden sie Beratung bekommen. Ganz anders als im Bereich Frauenhandel.

Ist das Angebot von LEFÖ kostenlos? auch für Männer?

Gabriela Díaz (GD): Ja, alle Angebote von LEFÖ sind kostenlos. LEFÖ wird von unterschiedlichen Förderstellen unterstützt.
 
Renate Blum: Ja, wir sind eine Frauenorganisation. Das heißt, wir sind Frauen und bieten unser Angebot, das was wir machen, auch für Frauen. Es ist nicht ganz exklusiv für Frauen. Ja, schwerpunktmäßig schon. Wir haben eine Familienberatungsstelle, also wo es auch um die Thematik von Familie geht. Es ist schon auch so, dass Männer mitkommen oder natürlich auch thematisiert sind. Aber in unserem Fokus sind eindeutig die Frauen. Es geht uns darum, dort zu schauen was braucht sie, wo soll sie sich hin entwickeln, welche Bedürfnisse gibt es? Was steht an da zu tun? Da sind wir wirklich ganz auf der Seite von den Frauen.

Das Projekt dig-mit ist ein neues Angebot?

Renate Blum: Ja, wir haben diese Idee von der Digitalisierung in der Basisausbildung im Bildungsbereich schon lange mit uns mitgetragen und haben das die ganze Zeit auch schon mit eingewirkt und eingebettet, das heißt beim Deutsch lernen. Damals gab es noch keine IKT, also sprich Information- und Kommunikationstechnologie und das ist schon lange im Entwickeln. Und jetzt hat es über die Arbeiterkammer einen Call gegeben und das Team aus dem Lernzentrum hat das Konzept geschrieben und eingereicht und setzt jetzt die Digitalisierung in der Basisbildung mit einem Onlinespace auch um. Schwerpunktthemen wie Arbeitsmarkt, Arbeitssuche, auseinandersetzen mit der rechtlichen Situation, Gesundheit, Familie, also mit verschiedenen Themen, die für Frauen wichtig sein können, wo auf ganz einfache, aber sehr schöne digitale Formen sie sich auseinandersetzen können. Da geht es uns darum, einfache Sprache zu verwenden, wo man sich durcharbeiten kann. Das ist so wie ein Ausschlussprinzip, da gibt es mir eine Antwort vor und so leitet es mich immer weiter. Es ist wirklich eine wunderschöne Online-Plattform. Und jetzt sind wir in der zweiten Projektphase und können das weiterentwickeln.

Ist das auch auf Spanisch?

Renate Blum (RB): Es ist mehrsprachig angedacht, aber noch nicht so weit. Es ist doch sehr deutschsprachig und wird auch im Unterricht sehr viel verwendet. Wir haben die zweite Phase erst im August begonnen und haben Zeit bis Sommer 2023, d.h. das wird sich noch schön weiterentwickeln.

Der Verein LEFÖ ist heuer 36 Jahre alt. Was waren die Erfolge und die Herausforderungen in diesem Zeitraum?

RB: Da hat es viele Frauen gegeben, die LEFÖ aufgebaut und entwickelt haben. Und unserer Meinung nach sind ganz viele wichtige Schritte schon zu Beginn definiert und entwickelt worden, indem immer darauf geachtet worden ist, von Frauen die zu uns kommen, zu lernen. Die Frauen, die hier gearbeitet haben, haben nicht gedacht: „Na, das machen wir jetzt“, sondern die Themen sind von den Frauen eingebracht worden und das ist die Erfolgsgeschichte von LEFÖ, dass wir dort bei den Themen ansetzen, die eingebracht werden.

Das heißt, da ist eine Problematik, Virulenz, eine Wichtigkeit für Frauen und das in einen gesellschaftlichen Kontext zu heben und zu sagen, da ist wirklich etwas zu tun. Da hat LEFÖ in diesem Zusammenhang einfach gerade im Bereich der Sexarbeit und im Bereich Frauenhandel wirklich Pionierarbeit geleistet für Österreich in Österreich, weil da meine und unsere Vorfahrerinnen ganz wesentliche Entscheidungen auch getroffen haben, Konferenzen gemacht haben und LEFÖ immer wieder versucht hat, politische Interessenträgerinnen zu gewinnen, um Ideen umzusetzen. Das heißt, dass es nicht nur bei uns geblieben ist, sondern immer auf die politische Ebene gehoben wurde. Und so ist die erste Frauenhandel-Konferenz mit Mitwirkung von verschiedenen wichtigen Personen entstanden. Durch LEFÖ ist das Thema bekannter geworden und jetzt muss man sich für diesen wichtigen Status des Frauenhandels einsetzen. Der Staat muss etwas gegen Menschenhandel tun und da hat LEFÖ ganz Wesentliches geleistet. Aber ich glaube auch in ganz vielen kleinen Dingen wie in der Bildungsarbeit. Da sehe ich wie meine Kolleginnen, die die Kurse gestalten und das entspricht ganz den Lebensrealitäten von Frauen. Das ist politische Arbeit, das ist Auseinandersetzung, ein miteinander Themen gestalten und dann das Deutsch lernen, dort anzudocken und nicht bei irgendwelchen Themen, wie eventuell das Meer, sondern an der Politik oder an Lebensrealitäten, an Corona, an den ganzen Herausforderungen.
 
GD: Weil ich glaube, dass die Realität von Frauen uns nicht fremd ist. Wir sind die Frauen, wir selber sind Migrantinnen. Ich rede nicht von anderen Frauen, sondern von uns selber. Und ich glaube, dass der größte Erfolg von LEFÖ ist, 36 Jahre lang in einer Gesellschaft zu existieren, in der es Migrantinnen nicht leicht haben und für jede Kleinigkeit viel kämpfen müssen. Ja, und allein diese Existenz von LEFÖ ist ein großer Erfolg. Ein großer Erfolg ist auch das LEFÖ nicht die bequeme Seite gewählt hat und nur mit lateinamerikanischen Frauen arbeitet wie unsere Vorfahrinnen es kannten. Aber LEFÖ ist größer geworden und ist nicht nur mehr ein Ort und ein Traum für lateinamerikanische Frauen, sondern für alle Migrantinnen. Das ist auch ein großer Erfolg, dass diese Politisierung der Migrationserfahrung auch uns mit anderen Frauen verbunden hat.

Wenn Sie sagen, politische Ebene, was ist da genau gemeint.

GD: Wir politisieren unsere Erfahrungen hier. Wir verstehen, dass wir es am Arbeitsmarkt nicht leicht haben, weil es strukturelle Bedingungen gibt die das erschweren, wenn man zum Beispiel keinen Aufenthaltstitel hat und das hat alles mit der Politik zu tun und mit dem politischen Willen.

Bekommen Sie Zusagen bei Ihren Forderungen an die Politik?

RB: Wir verstehen uns als politische Organisation. Wir werden sehr wohl von politischen EntscheidungsträgerInnen anerkannt. Das ist sehr wohl so, indem wir Förderungen bekommen. Also man muss sich vorstellen, eine NGO wie LEFÖ bekommt von verschiedenen Ministerien Förderungen, aber das heißt, wir müssen jedes Jahr neu beschreiben, was wir vorhaben. Also wir legen unseren Plan dar, wie wir das finanziell machen werden. Wir reichen unsere Anträge ein und sie werden unterstützt oder eben nicht. Aber es gibt mittlerweile sehr wohl Ministerien, die dabei sind, die sagen: Es ist wichtig. Das Frauenministerium, Gesundheitsministerium und Familienministerium sind dabei.
 
Es gibt Ministerien die sagen, die Arbeit die LEFÖ macht, ist gut und wichtig. Man muss sich da immer auch ins Spiel bringen, nicht klein beigeben und sagen: „Nein, jetzt haben wir dann schon genug“, sondern wir legen auch dar, dass wir noch viel mehr brauchen würden. Also wir sind wohl groß an der Mitarbeiterinnenzahl, doch schon an die 50, aber hauptsächlich Teilzeitstellen. Also das ist jetzt nicht so, dass wir alle Vollzeitstellen haben und gut situiert sind, sondern das ist auch eine permanente Darlegung der Situation von Migrantinnen, dass es da mehr braucht.
 
Jetzt zum Beispiel gerade wieder in der Corona-Krise. Da geht es wirklich auch darum, Frauen aus ihren Ängsten und schwierigen Situationen herauszuholen. Uns alle nervt das schon, aber da gehen wir miteinander und es liegt dann an uns, das einfach auch zu formulieren und zu sagen: „so geht das nicht“. Wir brauchen alle Informationen und diese müssen mehrsprachig sein. Aber ja, es gibt Anerkennung, sicher von vielen. Das hat viel mit der jahrelangen Arbeit zu tun, aber auch mit unserer Vernetzungsarbeit. Und ich glaube, es können sich viele auch auf uns verlassen. Nicht nur die Frauen auf der einen Seite, sondern auch diejenigen, die über Fördergelder entscheiden, wissen, dass wir gute Arbeit leisten. Ich glaube, wir sind oft unangenehm kritisch, werden aber zum großen Teil ernst genommen, weil klar ist, wir machen unsere Arbeit.

Der Verein LEFÖ kämpft für die Rechte von Sexarbeiterinnen und das auch auf internationaler Ebene

RB: Das ist richtig, weil Sexarbeit nicht nur national gesehen werden kann, also nicht nur Wien, Niederösterreich und die Bundesländer, sondern das hat auch einen europäischen Trend. Und da ist es ganz, ganz wichtig immer auf nationaler wie internationaler Ebene mit anderen zusammen zu arbeiten, weil es darum geht, auch die Szene zu beobachten. Was tut sich auf EU-Ebene beispielsweise? Gibt es da Studien, die eher in Richtung Arbeiterzynismus gehen, sprich man sollte die Sexarbeit verbieten oder auch die Kunden bestrafen? So, in welche Richtung geht das? Und da ist es wichtig politisch aktiv zu sein und zu sagen: Es müssen sich die Rahmenbedingungen verbessern. Es muss sich die Diskriminierung, der Sexarbeiterinnen ausgesetzt sind, verändern. Wir haben in Österreich ein regulatives System, das heißt Sexarbeit ist erlaubt. Aber trotzdem trauen sich einfach wenige Frauen nach außen zu gehen und zu sagen: „Hallo, ich bin Sexarbeiterin“. Das ist einfach ganz schwierig und zwar deshalb, wie einem die Gesellschaft begegnet. Da gibt es ganz viel zu tun. Da geht es einfach darum, sich Regulationen anzuschauen. Dienen die nur der Kontrolle oder der Einschränkung der Handlungsmacht? Oder erweitert das den Handlungsspielraum? Und das ist ganz, ganz wichtig, dass sich da etwas in die richtige Richtung verändert. Es geht auf alle Fälle darum, mehr Rechte und das Miteinander auszudiskutieren.

Renate Blum (Foto: Stefan Galván)
Renate Blum (Foto: Stefan Galván)

Wie hat Covid-19 die Migration von Frauen in Österreich verändert?

GD: Auf unterschiedlichen Ebenen und sehr abhängig von der Lebenssituation der Frauen. Wenn es sich um Frauen handelt, die in prekären Arbeitsverhältnissen tätig waren, d. h. Frauen, die hier ohne Papiere gearbeitet haben und mit Corona keinen Arbeitsplatz mehr hatten. Frauen, deren Aufenthaltsgenehmigung von ihrer Arbeit abhing, verloren ihren Arbeitsplatz und haben dadurch keine Aufenthaltsgenehmigung mehr. Frauen, die vor der Pandemie gewalttätige Situationen zu Hause erlebten und dann mit ihrem Peiniger eingesperrt waren. Frauen, die zwischen Kinderbetreuung und Arbeit jonglierten und plötzlich keine Arbeit, aber die Kinder zu Hause hatten. Sexarbeiterinnen, die monatelang nicht arbeiten konnten und damit keinen Lebensunterhalt verdienten, usw. Mit anderen Worten: unterschiedliche Dimensionen je nach Lebenssituation. Ich glaube, der Corona-Virus hat uns alle auf die eine oder andere Weise getroffen, der Unterschied ist, welches soziale Unterstützungsnetz man hat. Abgesehen von der psychisch-emotionalen Unsicherheit, nicht zu wissen, was in einem Monat passieren wird. Eine doppelte Sorge, meine Situation hier mit der Pandemie und die Situation meiner Familie in meinem Herkunftsland. Die doppelte mentale und emotionale Belastung in Bezug auf das Wohlergehen der Familie.

Hat der Verein während der Pandemie Frauen weitergeholfen, sie beraten und betreut?

GD: Ja, wir sind offengeblieben. Unser Angebot ist auch online und per Telefon. Wir haben versucht, das Büro immer offen zu halten, weil für viele der persönliche Kontakt wichtig ist.
 
RB: Immer natürlich auch im Rahmen, was uns die Regierung vorgegeben hat. Wir sind ja auch zuständig für unsere Mitarbeiterinnen, dass wir alle gesund bleiben. Auf der anderen Seite ist es wichtig, wenn Frauen die Krisenintervention oder ein Beratungsgespräch brauchen und zwar persönlich, dass wir alles dazutun, damit es sicher wie nur möglich ist, aber sie die Möglichkeit haben zu kommen.
 
Es war uns einfach wichtig für die Frauen da zu sein, weil Corona uns ganz klar zeigte, dass es Unterschiede in der Gesellschaft gibt und die werden durch so eine Krise größer.
Da sehen wir uns schon als ein Ort, wo wir da sein und erreichbar sein müssen. Und es war eine Riesenherausforderung, digital und technisch darauf zu reagieren. 
 
GD: Ein doppeltes Problem, denn obwohl die Digitalisierung ein integratives Instrument ist, weil sie uns besser erreichbar macht, weil wir Zugang zu Informationen haben, weil sie uns bei der Übersetzung hilft, kann sie auch einen Teil der Bevölkerung ausschließen und das erleben wir hier bei einigen unserer Kunden.

Gabriela Díaz (Foto: Stefan Galván)
Gabriela Díaz (Foto: Stefan Galván)

Thema Gewalt gegen Frauen. Sie haben Kundinnen die vielleicht betroffen zu Hause sind. Was wären Ihren Tipps in dieser Situation? Was können wir den Frauen zu Hause sagen?

GD: Ja, einige der Frauen, die zu LEFÖ kommen, sind von Gewalt betroffen.
Es ist immer schwierig, weil die Gewalt, mit der wir leben, ein Tabu ist. In der Gesellschaft wird immer mehr über die Gewalt gesprochen, mit der wir Frauen leben, aber wir tragen auch das Stigma, mit Gewalt zu leben. Mein Rat ist: Wenn die Situation für mich unangenehm wird, rede mit jemandem und suche Hilfe.
Hier sind einige Telefonnummern:

Gewalt gegen Frauen
1010 Minoritenplatz 3 · 01 53115632445
www.coordination-vaw.gv.at/kontakt 

Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie
1070 Neubaugasse 1/3 · 01 5853288
www.interventionsstelle-wien.at 

AÖF - Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
1050 Bacherpl. 10/4 · 01 5440820
www.aoef.at 

Welche Änderungen oder Verbesserungen möchten Sie an Ihrem eigenen Programm vornehmen?

RB: Es ist so, dass wir immer wieder versuchen auf internationaler Ebene auch Projekte umzusetzen, also durch Förderungen von der EU. Und ich denke mal, da gibt es noch Potenzial die Fühler auszustrecken und zu schauen, welche Projekte auf internationaler Ebene möchte man mit verschiedenen Partnern und mit anderen Ländern umsetzen. Das macht immer sehr viel Freude, weil es einfach zeigt, wie andere Organisationen arbeiten und wie die Situation in anderen Ländern ist. Da freue ich mich total drauf, wenn wir wieder vielleicht das eine oder das andere EU-Projekt umsetzen können. Aber gleichzeitig wären auch Verbesserungen möglich, wenn wir mehr Gelder hätten. Das ist einfach eine unserer größten Anstrengungen, die wir permanent auch machen müssen. Also Ideen würde es genug geben und es gibt einen enormen Bedarf. Wir machen einfach das, was möglich ist und sind wahrscheinlich ganz oft auch an der Grenze des Möglichen mit unseren Ressourcen, die wir haben. Zum Beispiel Gewaltprävention vorab zu machen und zu sehen, wie wichtig die Beratungsarbeit ist, Frauen zu informieren, zu unterstützen und zu begleiten.

Renate Blum und Gabriela Díaz (Foto: Stefan Galván)
Renate Blum und Gabriela Díaz (Foto: Stefan Galván)

Gibt es LEFÖ in allen österreichischen Bundesländern?

GD: Nein, nur in Wien. Wir begleiten aber, wie Renate schon erwähnt hat, Frauen aus allen Bundesländern.
 
RB: Wir arbeiten da in einer engen Vernetzung mit Frauenberatungsstellen und Gemeinschaftszentren zusammen und sagen den Frauen und Mädchen wohin sie sich wenden können. Genauso gibt es spanischsprechende Beratung zu bestimmten Themen.

LEFÖ, ein feministischer Verein

RB: LEFÖ ist eine feministische Migrantinnnen Organisation. Das ist schon wichtig zu betonen und ich denke mal, darauf sind wir auch stolz und das ist auch gut und wichtig und muss auch immer erkämpft werden, das muss man schon dazusagen. Feminismus ist nicht gleich Feminismus. Aber ja, für die Handlungsspielräume von Frauen, Entscheidungsautonomien und für ein gutes Leben und das gemeinsam.

Wie lange dauert es bis man einen Termin bei LEFÖ bekommt?

GD: Da unsere Ressourcen begrenzt sind und wir keine Notfallstelle sind, muss man auf einen Termin warten. Wenn es um den juristischen Bereich geht, muss man zwei Wochen warten. Aber wenn es sich um eine Krisensituation handelt, reagieren wir sofort.
 
RB: Aber wir sind einfach aufgrund unserer Ressourcen beschränkt. Wir haben aber schon auch einen Anrufbeantworter. Es ist möglich, uns über die Webseite und über das Kontaktformular zu erreichen oder zu schreiben. Natürlich gibt es viele digitale Möglichkeiten auch, aber sonst sind wir über Telefon immer erreichbar. Nur am Wochenende sind nicht da.

 

Kontaktdaten:

LEFÖ Lernzentrum für Migrantinnen
LEFÖ Beratungsstelle für lateinamerikanische Frauen

1050 Wien, Kettenbrückengasse 15/4
Telefon: 01 5811881
office@lefoe.at 
www.lefoe.at 

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Letzte Änderung am Donnerstag, 30 Dezember 2021 10:19

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